Liebe Leserinnen, liebe Leser


Für diese Ihnen vorliegende Edition stellten wir die Frage, ob Aikidō, das durch die Mitgliederkrise der vergangenen Jahre bereits angeschlagen und der darauf folgenden Zwangspause, bedingt durch SARS COVID19, noch eine Überlebenschance habe. Nach der Serie I (Edition 103DE), war der Aufschrei groß, da die Frage die »heilige Kuh Aikidō« tuschierte … 

An gewisse verneinende Reaktionen haben wir »eine gewisse Erfahrung/Übung« – die Fragen nach dem Mitgliederrückgang vor einiger Zeit, wurde sehr lange verneint – es sei aus der Luft gegriffen ∞ 
Es dauert damals fast zwei Jahre, bis die ersten leisen Zugeständnisse eintrudelten … um dann nach und nach die Schleusen zu öffnen – und siehe da, jetzt auf einmal ist dieses seit Jahren bekannt und »man überlegt schon seit Jahren« … Die arme heilige Kuh¡
Und nun: »alles nur Gerede«, »es geht so weiter, wie zu Vor …«, »wir beginnen …« – und schon jetzt, »selbst in den USA haben schon viele Dōjōs aufgegeben« … natürlich meldet sich keiner der aufgeben musste. 
Lesen Sie was einige Dōjō-chos schreiben. Die Texte spiegeln die Meinung der Autoren wieder.  

Im Editorial 103DE führte ich einige Seuchen aus der Vergangenheit auf – nun fand ich den letzten, durch das Mutterkorn ausgelösten Seuchevorfall unweit meiner selbstgewählten Wahlwohnstätte in der Ardèche. Im August 1951 waren die Wartezimmer der drei Ärzte der Kleinstadt Pont-Saint-Esprit überfüllt. Hunderte der Bewohner litten plötzlich unter Halluzinationen  und Verfolgungen. Es kam zu sieben Todesfällen und mehrere Selbsttötungsversuche. 50 Menschen wurden in psychiatrische Kliniken eingewiesen, weitere 250 Personen litten unter mehr oder weniger schweren Vergiftungssymptomen. 

Von 300 »Wahnsinnigen« aus Pont-Saint-Esprit berichtete die Presse weltweit.
»L’affaire du pain maudit« – etwa »Affäre des verfluchten Brotes« sei die Ursache, ein halluzinogener Schimmel, wie schon ein paar Jahre zuvor in einer Nachbargemeinde, die das Brot vom gleichen Bäcker bezog, vorgekommen war. 

Auch deutsche Zeitungen griffen das Thema auf, so »die Zeit«: Das Geheimnis des »Brotes, das tötet und wahnsinnig macht« ist gelöst. Wegen der teilweise halluzinatorischen Symptome wurde von den örtlichen Gesundheitsbehörden eine Mutterkornvergiftung (Ergotismus; »Antoniusfeuer«.) vermutet, die aber nicht bestätigt werden konnte. 
Schon im Mittelalter kannte man ähnliche Fälle, dieser Mutterkornvergiftung, die oft mit Wundbrand einherging.

Pont-Saint-Esprit, dass früher den Namen der Ortsansässigen Kirche – Saint-Saturnin-du-Pont trug. Umgetauft wurde der Ort, weil die 853 Meter lange Brücke Pont-Saint-Esprit, die nach langer Bauzeit, die von 1265 bis zur Einweihung im Jahre 1309 dauerte – durch ihre Stabilität beeindruckte, so das noch heute Autos darüber fahren können. Da muss der Heilige Geist beim Aufbau seine Finger im Spiel gehabt haben. Dankbar änderte der Ort seinen Namen. Handel und Brückenzoll machten aus ihm ein Städtchen, der Ort zwischen Languedoc und Provence gewann an Bedeutung, das heute wesentlich von dem »Ardèche-Tourismus« lebt. Die Pont-Saint-Esprit war lange Zeit die einzige Steinbrücke zwischen Lyon und dem Mittelmeer, um die Rhône zu überqueren. 19 Bögen, aus dicken Quadern erbaut, lies die Brücke das oft anschwellende Wasser der Rhône passieren. 

Eine angenehme Lektüre wünschen wir – in der Hoffnung, dass die Dezember-Edition »wieder normal« wird.

 

 

Viel Freude mit dieser Edition wünscht

Die Mannschaft de AJ

      und Ihr 

Horst Schwickerath

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