Bremsklötze


Markus Lieblingsfoto …

So zwei bis drei Mal im Jahr richten wir mit unserer kleinen Aikidō-Gruppe einen Lehrgang aus. Manchmal nur für uns, meistens laden wir aber offen dazu ein. In der Regel werden diese Angebote auch gut angenommen, so dass das ganze Konstrukt sich wirtschaftlich trägt. Die Aktivenzahlen sind allerdings derzeit vielerorts rückläufig, das macht sich auch bei den Lehrgangsanmeldungen bemerkbar.

„Und wenn wir den Dings einladen als Lehrer? Das zieht bestimmt einige Leute, der ist immerhin 6. Dan.“ „Aber … der ist schon so alt. Da bleiben die ganzen Jüngeren dann weg und nachher sind wieder nur Alte auf der Matte, die sich eh nicht bewegen wollen.“ Alle nicken. Von der eigentlichen Diskussion, wen wir in diesem Jahr für unsere Lehrgänge einladen wollen, gleitet unsere kleine Runde etwas ab, denn unser Nachwuchs verbalisiert nun erst mal so einigen Frust. Von Nachwuchsförderung reden ja immer alle. Die Praxis wird anders erlebt.

Mit den Jüngeren sind übrigens nicht Kinder und Jugendliche gemeint, sondern die Leute zwischen zwanzig und vierzig Jahren, die in den Startlöchern stehen, um irgendwann die nächste Generation an Leuchttürmen in ihren Aikidō-Linien zu bilden. Wenn man sie sich denn entwickeln lassen würde.


Dass diese sich ausgebremst fühlen, höre ich heute nicht zum ersten Mal, im Gegenteil. Auch aus anderen Gruppierungen und Organisationen klang das in letzter Zeit häufiger durch. Das geht schon unterschwellig damit los, dass jüngere Menschen bei einigen Lehrgängen automatisch die Unterbringung zweiter Klasse zugewiesen bekommen. Klar, dann gehe ich auch lieber woanders hin, wenn ich mich nicht ernst genommen fühle.

Dabei wird ausgeblendet, dass es Menschen in diesen Altersstufen waren, die in der Wachstumsphase das Aikidō in Deutschland aufgebaut haben. Dynamische Bewegungsvorbilder waren es, die die Leute auf die Matten gezogen haben. Mitreißende Menschen, die andere in Verantwortung geschubst haben, um dem Andrang gerecht werden zu können. Diese Menschen haben die Organisationen groß werden lassen. Organisationen, die nun wieder schrumpfen.

Klar, es gibt auch andere, neuere Organisationen, die noch etwas im Wachstum begriffen sind. Eine harte Evidenz lässt sich nicht nachweisen, aber die Gruppen, die sich positiv entwickeln, sind zumindest nach meinem Eindruck diejenigen, die jüngere Menschen ans Ruder gelassen haben oder von diesen neu aufgebaut wurden. In den Gruppen, deren Entwicklung rückläufig ist, findet man hingegen in den Führungspositionen eher ältere Menschen, die dort ausharren und sich zum Teil jeglichen Veränderungen entgegenstemmen, die ihre Bedeutung innerhalb des Gruppengefüges beeinträchtigen könnten. Das haben wir schon immer so gemacht. Punkt.

Nur, ist es tatsächlich so einfach? Junge Leute machen lassen und alles wird gut? Und soll das etwa heißen, dass alle älteren Menschen Bremsklötze sind? Ja nee, das wäre dann doch eine zu einfache Sicht, die keiner der beteiligten Personen gerecht würde.

Die alten Häsinnen und Hasen haben schließlich jahrzehntelange Erfahrungen auf der Matte und in der Administration. Vieles, was vorgeschlagen wird, haben sie ähnlich schon erlebt und dann aufgrund der Erfahrungen damit wieder verworfen. Sie wissen, wie man den Laden halbwegs am Laufen hält, und wollen ihre Ruhe. Dass sie sich zum Teil persönlich angegriffen fühlen, wenn jemand ankommt und sagt, alles was Du mir erzählst, ist ja schön und gut, aber das muss jetzt mal anders, ist durchaus nachvollziehbar, auch wenn es wohl nie so gemeint ist.

Dennoch: Wenn man nicht rechtzeitig anfängt, einer jüngeren Generation Verantwortung zu übergeben, steht man irgendwann da und pfeift auf dem letzten Loch. Im Berufsleben gibt es das Rentenalter, das eine klare Regelung darstellt, wann eine Position spätestens neu besetzt werden muss. Darauf können sich alle einrichten und entsprechend planen. Auch Übergangsphasen mit Mentori


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