Liebe LeserInnen,

ich muss mich entschuldigen – ich habe in der letzten Edition N° 93DE, das erste Mal wissentlich nicht die ganze Wahrheit geschrieben.

Das Problem entstand durch eine Person, die in ihrem Leben Japan schätzen lernte, aber scheinbar im Umgang mit den Bewohnern des Inselreiches, seine eigene Identität hinten anstellt. Warum und wofür, wird mir verschlossen bleiben – auch wenn seine Lebenserfahrungen mir zu Ohren gekommen sind.

Da diese Person Kontakt mit Yamada Sensei pflegt, kam es zu ungeahnten Aktivitäten, die Yamada Sensei »kalte Füße« bekommen ließen, dass er sogar einen Rechtsanwalt auf den Plan treten ließ. Dessen Liebesbemühungen beantwortete ich aber erst gar nicht – Drohungen fruchteten schon in jungen Jahren bei mir schwierigst …

Natürlich waren manche Äußerungen von Yamada Sensei sehr direkt – aber wahr – so dass wir diese bereits bei den ersten Übersetzungen, von uns aus, »entschärften«. Nun aber kam der »kalte Füße-Faktor« hinzu, so schielte ich immer öfter fast unbeabsichtigt auf die Buchstaben des Anwaltes – die reine Schaumschlägereien waren – konnte mich aber an diesen »Unwahrheiten« nicht erwärmen; zudem er sich dafür noch nicht entschuldigt hatte … – aber dann punktete Yamadas bevorstehender runder  80. Geburtstag.
Ruhe aber fand ich keine, achtzig Jahre hin oder her … So hallte es immer wieder in meinen Ohren: »… You cannot be a nice guy. You cannot be a yes-man. You have to tell the truth.  …« [Aus AJ n° 93: Ich denke, es ist wichtig, dass es jemanden wie Sie gibt, einen Journalisten, der die Dinge so sieht, wie sie sind, der richtig sieht. Du bist kostbar, es ist wichtig. Ich hoffe, du bist stark genug, um zu sagen, was es ist. Wir können kein guter Kerl sein. Journalisten müssen die Wahrheit sagen. Jemand muss es tun. Sie können kein gesegnetes Ja oder Nein sein. Ich freue mich, Ihnen nach bestem Wissen und Gewissen helfen zu können. Ich habe all meine Freiheit.]

Deshalb dieses Editorial! Ich bat mittlerweile Yamada um ein zweites Gespräch – leider ist die Anfrage bis heute unbeantwortet geblieben.

Das Problem ist, dass in unserem Interview, welches lange im Voraus vereinbart war, aus meiner und der anderen beteiligten Sicht von Yamada Sensei »nur die Wahrheit« gesagt wurde – wären da nicht die »japanischen Gewohnheiten«, die Yamada Sensei für seine Person »schon lange« abgelegt hat.

Nun werde ich Ihre Geduld noch ein wenig strapazieren müssen, denn ich hoffe noch immer auf ein zweites Gespräch – schließlich möchte ich für alle Beteiligten – die »verträgliche Wahrheit« veröffentlichen.
Ich kann nicht unbedingt sagen, dass diese den Praktizierenden im Training helfen oder sie ihren Zielen näher bringen wird, aber ich hoffe aufrichtig, dass diejenigen, die sich dem Aikido verschrieben haben, ein tieferes Verständnis haben werden, um ihre Urteile zu begründen, indem sie das Licht der Wahrheit auf ein wichtiges Thema richten.


Viel Freude mit dieser Edition.

    Die Mannschaft und Ihr

Horst Schwickerath

 

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