Transferleistung

„Du musst ihn weniger ziehen wollen und mehr in sich zusammenfallen lassen“ …

Markus auf seinem Lieblingsbild.
Markus auf seinem Lieblingsbild.

Wieder und wieder probieren die beiden die gleiche Form. Es will einfach nicht hinhauen mit der Technik. „Du musst ihn weniger ziehen wollen und mehr in sich zusammenfallen lassen,“ rege ich an. „OK, ich versuch‘s,“ bekomme ich als Antwort. „Nein!“ grummel ich zurück. „Mach es oder mach es nicht, es gibt kein Versuchen.“ - „Hat Ueshiba das gesagt?“ - „Fast.“

Was wunderschön nach alter, asiatischer Weisheit klingt, stammt in dieser Formulierung nicht aus Budo oder Budo Renshu, sondern aus einem Klassiker Hollywoods: Yoda war es, der seinen Noch-nicht-Vorzeigeschüler so zurechtwies. Nun bin ich, auch wenn ich diese komische Freizeitbeschäftigung mit den Schlafanzügen und den Baggy Pants mache, halt kein Japaner. Es fällt mir daher nicht schwer, mich und mein Aikido auch interessanten Einflüssen aus anderen Kulturkreisen zu öffnen. Obwohl das mit den Jedi und der Macht ja nun schon irgendwie an asiatische Kampfkunst erinnert. Nicht nur Yoda und Obi-Wan wirken wie japanische Budo-Lehrer, auch Darth Vader und seine Truppen zeigen eine gewisse Samurai-Optik. Und erst die Laser-Schwerter …

Natürlich ist das kein Zufall, sondern hier gibt es einen belegten Fall von kulturellem Transfer. George Lucas, der kreative Kopf hinter Star Wars, hat seine Inspiration auch in einem Interview offenbart. Motive, Figuren und Schnitt des erstgedrehten Filmes sind an ein Werk von Akira Kurosawa angelehnt. Die beiden zu Weltruhm gelangten Droiden R2-D2 und C-3PO basieren auf den Figuren Matashichi und Tahei im Film „Die verborgene Festung“.

Ah ja, da haben wir also den Ursprung gefunden: der große Kurosawa, ein japanisches Original, von dem Lucas den kulturellen Transfer als Basis seines Erfolgs abgezweigt hat. Japanisches Original. Ja. Aber. Kurosawa hat sicherlich seinen nicht unbedeutenden Beitrag zur japanischen Kulturgeschichte geleistet. Aber auch er hat sich inspirieren lassen. Insbesondere von William Shakespeare. „Das Schloß im Spinnwebwäldchen“ etwa ist eine ziemlich gute Verfilmung von „Macbeth“, in der die schottischen Kilts gegen schnieke Hakama getauscht wurden, und in „Ran“ finden wir diverse Elemente aus „King Lear“ wieder.

Japan hat schon immer eine Menge aus anderen Kulturen übernommen und daraus sein ganz eigenes Ding gemacht. Recht offensichtlich stammt das Schriftsystem zu großen Teilen aus dem Chinesischen, insgesamt lässt sich in Japan ein prägender Einfluss aus dem Reich der Mitte nicht verleugnen. Diese Einflüsse kamen durch Besiedelungs- und Handelsbeziehungen zustande. Etwas weniger bekannt sind die westlichen Einflüsse, obwohl Japan sie zum Teil explizit gesucht hat.

Die ersten Delegationen einzelner japanischer Daimyos besuchten Europa, genauer: den Vatikan, schon im späten 16. Jahrhundert. Nach der berühmten Schlacht von Sekigahara 1600, die die Machtübernahme durch Ieyasu Tokugawa als Shogun besiegelte, übernahm dieser die zentrale Kontrolle über die Auslandsbeziehungen. Handel mit dem Westen war zwar zugelassen, aber Einflüsse wie die Missionsbestrebungen der christlichen Kirchen wurden unterbunden. Japan schottete sich gegenüber dem Westen ab.

Erst als zum Ende der Tokugawa-Ära die Macht des Shogunats bröckelte, wurde der Kontakt zum Westen wieder gesucht. Unter dem vorletzten Shogun Iemochi Tokugawa wurde 1860 eine Delegation zunächst in die USA gesandt (also in dem Jahr, in dem Lincoln Präsident wurde und der Bürgerkrieg sich dort abzuzeichnen begann), der 1862 und 1863 weitere Delegationen nach Europa nachfolgten, um dort jeweils Informationen über die westliche Zivilisation zu sammeln sowie neue Handelsbeziehungen zu ermöglichen. 

Das Shogunat hatte noch andere Interessen – so organisierte man sich etwa von Napoleon III. Unterstützung bei der Entwicklung des eigenen Militärs,

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