Horst Schwickerath

Liebe Leserinnen und Leser,

 

Sie halten die Frühlingsausgabe in der Hand – nun gilt es nur noch den Frühling zu begrüßen. Indem man einfach nur auf den Knopf drückt, der das Cabrioverdeck in zwanzig Sekunden elektrisch öffnet, verrät ganz entschieden nicht den angemessenen Respekt vor dem Jahreszeitenwechsel. Man könnte ja ebenso einfach, nur weil ein paar Minuten später die Sonne nicht mehr scheint, den Knopf noch mal drücken, worauf sich das Verdeck wieder schließt – und das war’s dann mit dem Frühling, oder wie? Schon anders sieht es aus, wenn das Verdeck per Hand zu öffnen ist und dazu erst einmal mit splitternden Fingernägeln ein paar Druckknöpfe zu lösen sind, ganz zu schweigen von der Herausforderung, eine komplette Persenning herunterzuknöpfen, weil der gute englische Wagen gar kein Verdeck im eigentlichen Sinne hat und darum in die Betriebskosten auch die anschließende Maniküre einzurechnen ist – das überlegt man sich gut und nimmt deshalb auch die Frühlingsfrage angemessen ernst. Entweder es ist Frühling und man knöpft, oder es ist eben noch nicht Frühling, und es wird auch nicht geknöpft. Und für die entsprechenden jahreszeitlichen Gefühle sollte sinngemäß das Gleiche gelten. Ohne Frühling keine Frühlingsgefühle! – oder keinen Kuss! Man kann doch nicht versuchsweise jemandem um den Hals fallen in der Hoffnung, dass sich bei gleichzeitiger Einwirkung von Sonnenstrahlen die dazugehörige Gefühlslage von selbst entwickelt! Was, wenn eine halbe Minute später schon Wolken aufziehen, man aber immer noch an dem Hals einer vielleicht frühlingsblumenhaft riechenden, aber sonst völlig beliebigen Person hängt? Soll man dann auf den Knopf drücken, der das Verdeck wieder schließt? Und dann im Autoinneren noch intimer mit der Person zusammensitzen, die plötzlich so gemütlich tut? Das ist das Elend dieser modernen Komfort-Cabrios mit ihrem elektrischen Pipapo – mit viel Pipapo, so zumindest im Vorfeld, wird die nun „schleichende Einführung“ der Doping-Test weiteres Territorium erklimmen. Vielleicht mögen auch Sie sich zu diesem Thema an einer Diskussion beteiligen.



Zu welchen Ausmaßen diese „widersprüchlichen und unsinnigen Vorschriften“ führen können, erkennen Sie sehr schnell, wenn Sie über den „westlichen Vorhang“ nach Frankreich schauen. Es erscheint mir erstaunlich, dass man überhaupt noch ein Tatami betreten darf. Nun, ein klein wenig übertreibe ich, aber es fehlt nicht mehr viel, dass die französischen Staatblüten allem die Luft zum Atmen nehmen. Denn der Schritt, dass sich der „BE“ [staatlicher Befähigungsnachweis in zwei Stufen, nun erweitert auf „BEES“(in drei Stufen)], sich mit den Dopingtest paart ist dann nicht mehr weit.

 

Lesefreude wünschen wir bei den Interviews und den restlichen Artikeln.

 

wir wünschen Ihnen und uns eine reinigende, intensive Frühlingzeit.


Die Mannschaft des Aïkido Journal

 

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