Horst Schwickerath

Im germanischen Sprachgebrauch bedeutet das Wort »heil« gesund, unversehrt, gerettet. Für kranke Menschen ist der Wunsch nach Heilung ein Grundbedürfnis. Krankheiten, ganz gleich ob psychischer oder physischer Natur, führen zu dem Gefühl nicht ganz zu sein. Wir suchen nun Hilfe, zum Beispiel in der Medizin. Wir möchten wieder ganz hergestellt sein und begehen dabei oft den Fehler uns ausschließlich auf andere zu verlassen. Wir wenden uns zuerst an unseren Hausarzt. Wir vertrauen uns an. Vergessen wird dabei oft die ureigenste Kraft der Selbstheilung, die jedem Menschen innewohnt.

Bei der ganzheitlichen Gesundheit liegt der Fokus auf dem ausbalancierten Zusammenspiel von Körper und Geist. Diese Perspektive wurde vor allem in Asien entwickelt. Dem gegenüber steht die vor allem in Europa entstandene Differenzierung in Physiologie und Psychologie, welche (sich) jeweils auf einen Teil der Gesundheit spezialisiert sind. Erfreulicherweise sehen immer mehr Ärzte die Zusammenhänge und beziehen die fernöstlichen Ansichten in ihre Arbeit mit ein.

Wie aber können wir diese, unsere Kräfte, finden? Wer kann uns nun helfen unsere Kräfte zu nutzen?

Der erste Schritt hierbei sollte die Erkenntnis sein, dass wir ein Ganzes, »eine Einheit« sind. Erst durch diese Nichtdualität wird unsere begrenzte Existenz aufgehoben, und zwar im mehrfachen Sinne des Wortes eliminiert, aufbewahrt und hinaufbefördert in eine höhere Dimension der Wirklichkeit. Die beste Methode, sich seiner »Einheit« bewusst zu werden, ist die Meditation. In diesem Sinne ist Meditation Selbstheilung.

Wie das Wesen eines Menschen können wir auch seinen Körper nicht in voneinander getrennt funktionierende Einzelteile zerlegen. Jedes Organ, jede Zelle, jede Lebensäußerung hängt mit allen anderen direkt oder indirekt zusammen, wird von diesen unterstützt und unterstützt diese. Tritt in einem bestimmten Bereich des Körpers eine Störung auf, sind ihre Ursachen und Auswirkungen ebenso in anderen Bereichen zu spüren.

Im Editorial der letzten Ausgabe schrieb ich: Morihei Ueshiba hat eine komplex verschmolzene Kampfkunst geschaffen, deren Ursprung von allen japanischen Budoformen profitiert. Er hatte wohl den humanistischen Weitblick, der es ihm ermöglichte, eine »friedliche« Kampfkunst zu schaffen. Nur dürfen wir uns nicht täuschen lassen, denn um in einen kognitiven Prozess einzutreten, bedarf es eines gehörigen Maßes an achtsamer Aufmerksamkeit und Konzentration. Nur mein eigenes achtsames Handeln ermöglicht mir Einblick und Entwicklung im Hier und Jetzt.

Diese Achtsamkeit ist notwendig, damit wir mit uns und unserer Umwelt behutsam und vorsichtig umgehen. Auf diese Weise wird die Reaktionsbereitschaft unseres Körpers langsam und allmählich wiederhergestellt. Energiebahnen und Stoffwechselsysteme werden wieder »leitfähig und belastbar« (!). Diese behutsame Behandlung regeneriert umfassend die feinstofflichen Energiebahnen und Stoffwechselsysteme.

Aikido und/oder Meditation stellen eine Möglichkeit dar, die grundlegende Kraft, die im ganzen Universum und in uns selbst wirksam ist, in direkter Form auf Menschen oder Tiere oder sogar auf Pflanzen zu übertragen.

Wir, das Aikidojournal-Team, wünschen unseren Lesern für die bevorstehenden, sogenannten besinnlichen Tage des Jahres alles Gute und einen besonders guten Eintritt in das Jahr 2006!

Ihr Aikidojournal-Team

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