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Walther in seinem Dojo in Kalispell/Montana-USA.
Walther in seinem Dojo in Kalispell/Montana-USA.

Der Herausgeber dieser Zeitschrift hat mich schon oft gebeten, einen Artikel über das Aikido zu schreiben. Ich bin kein Schriftsteller, aber ich versuche etwas für den Leser Interessantes beizusteuern.

Zunächst möchte ich mich kurz vorstellen und einige Hintergründe meiner Aikido-Karriere darlegen [Das AJ veröffentliche bereits ein Interview mit Walther von Krenner in der Ausgabe 34D–2/2003. Anm. d. Red.]. Ich begann 1961 in Kalifornien bei Isao Takahashi und Koichi Tohei mit dem Aikido. 1967 reiste ich mit einer Empfehlung von Sensei Takahashi nach Japan, um im Dojo von O-Senseo Morihei Ueshiba zu trainieren. Dort wurde ich von verschiedenen Lehrern unterwiesen, unter anderem von O-Sensei selbst und seinem Sohn Kisshomaru Ueshiba, den wir damals „Waka-Sensei“ nannten – er wurde später der zweite Doshu. Mein vorheriger Lehrer, Toichi-Sensei war damals im Honbu-Dojo der Hauptlehrer. Ich lebte damals in einer Art Wohnheim gleich neben dem Dojo, wo die ausländischen Schüler untergebracht waren; es waren damals weniger als zehn, denn Aikido war damals im Westen noch nicht populär.

Ich verließ Japan als O-Sensei starb und ging nach Hawaii, wo ich unter Suzuki-Shihan weitertrainierte, bis Tohei-Sensei sich vom Aikikai trennte und den Aiki Kenkyu Kai gründete. Obwohl Tohei-Sensei mein Lehrer war, entschied ich mich, beim Honbu-Dojo und Doshu Kisshomaru zu bleiben. Rückblickend war das keine gute Wahl, aber darüber werde ich zu einer anderen Gelegenheit schreiben. Danach trainierte und unterrichtete ich auf Hawaii im Aikikai-Dojo unter Aoyagi-Shihan. 1981 eröffnete ich in Montana ein Dojo und unterrichte dort seitdem Aikido und Schwert. Ich gründete das Sandokan-Aikido, lehrte dort für 28 Jahre und zog mich dann aus persönlichen Gründen zurück. Meine Schüler verließen das Dojo mit mir und überzeugten mich ein neues Dojo mit dem Namen „Aikido Kenkyu Dantai“ zu gründen, wo ich noch heute unterrichte. Natürlich gibt es zu meiner Biographie noch vieles hinzuzufügen und ich werde einige der Lücken gelegentlich in weiteren Aufsätzen füllen.

Während meiner Zeit in O-Senseis Dojo habe ich ein Tagebuch geführt und auch einige seiner Vorträge und Theorien so gut ich konnte aufgezeichnet. Einige sind sehr esoterisch und schwer verständlich, aber wenn die Leser dieser Zeitschrift und ihr Herausgeber dies wünschen, kann ich einiges darüber schreiben. Hiermit lade ich die Leser ein, dem Herausgeber ihre Fragen zu schicken und ich werde mich bemühen diese Fragen aus meinem Blickwinkel und anhand meiner Erfahrungen zu beantworten.

Das Aikido hat sich erheblich verändert, seit ich damit begann, besonders nach dem Tod des Gründers. Sieht man von Tomiki und Shiodas Yoshinkai ab, gab es nur O-Sensei und sein Aikido. Der Gründer sagte oft: „Es ist kein Aikido ohne mich.“ Wir sollten diese Worte angesichts der heutigen Vorgänge sorgfältig bedenken. Für eine Kunst, die Harmonie und Einheit befördern soll, gibt es viel Egoismus, Wettbewerb und Disharmonie. Der Gründer sagte: „Wenn man sein spirituelles Training fortsetzt, wird es keine Konflikte geben. Denn dieses Training ist die Liebe selbst – es gibt weder Konflikt, noch Sieg.“ Im heutigen Aikido ist die technische Fertigkeit in waza in den Fokus gerückt. Das spirituelle Training, über das O-Sensei sprach, wird entweder von Leuten, die – wie ihre Lebensweise verrät – wenig davon verstehen, verdreht oder gepredigt oder gerät ganz in Vergessenheit. Wären die Technik und Effizienz das einzige Maß für eine Budo-Kunst, so hielte ich das Daito-ryu Aiki-Jutsu, den Vorläufer des Aikido, für viel effektiver und geeigneter. O-Sensei hat dieser Heiho, eine Dimension hinzugefügt, die Aikido in vieler Hinsicht überlegener macht, wenn auch nicht unbedingt als Kampfk

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