Aikido, Riai, Kiai, Aiki und Ri

Im Aikido trainieren wir sieben Grundtechniken bis wir sie verstehen.


Walther mit seinem Hengst…

Gemessen an modernen Standards der Kampfkünste und des Sports ist die Struktur eines Ryu ist ziemlich komplex und ausgeklügelt. Das Daito-Ryu, von welchem das Aikido abstammt, besaß drei Pfeiler: Yari (Speer) aus dem Hoso-in-Ryu, Ken (Schwert) aus dem Ono-ho-Itto-Ryu und die waffenlosen Techniken des Takeda-Ryu-Jujitsu. Letztere wurden in Kategorien eingeteilt: Ikajo, Nikajo, Sankajo, Yonkajo und Gokajo (erste Technik, zweite Technik, etc.). Diese wiederum waren unterteilt in Nage-waza, Katame-waza und Ate.

Der Zusammenführung aller dieser Disziplinen in ein zusammenhängendes System wird Riai (Vollständigkeit) genannt. Es ist nicht einfach eine zufällige Sammlung von Tricks und Kniffen. Zwei Angriffe wie zum Beispiel Yokomen im Kendo und Koshi-Nage im Judo haben nichts gemeinsam. Ein wahres Ryu im alten Budo hatte Riai. Ein einzigartiger Aspekt des Riai ist, dass alle Techniken sich im Prinzip gleichen. Jede Waza ist eine alleinstehende und abgeschlossene Bewegung, egal ob sie nun mit dem Schwert, dem Speer, dem Stab oder den bloßen Händen ausgeübt wird. Es ist auch egal, ob der Angreifer bewaffnet ist oder nicht – die Technik ist die gleiche. Wenn ein Meister wieder und wieder sagt, dass der Weg der Hand und der Weg des Schwertes das Gleiche sind, dann meint er oder sie nicht, dass sie gleich aussehen, sondern dass sie in allen Aspekten außer der äußeren Erscheinung gleich sind. Mit anderen Worten, die grundlegenden Prinzipien sind die gleichen. Yo no Kamae ist die Lehre dieser fundamentalen Prinzipien, auf denen alle Techniken aufbauen.

Im Aikido trainieren wir sieben Grundtechniken bis wir sie verstehen. Ich meine ein wahres und tiefes Verständnis, nicht ein intellektuelles. Kihon Suburi sind Schlagübungen mit dem Bokken um Kokyu zu entwickeln. Shikko dient zur Entwicklung von Bewegung und Hüftbewegung und Tai-Sabaki/Tai-no-henka wird zwischen einzelnen Waza geübt. Die nächsten beiden Stufen (Kiai/Aiki und Ji/Ri) befassen sich mit höheren Prinzipien der Kunst. Wenn Yo no Kamae und die Prinzipien der ersten Stufe nicht verstanden werden, gibt es weder Wachstum noch Fortschritt in die höheren Sphären.
Ein Aspekt der höheren Stufen ist das Studium von Kiai und Aiki. Osensei sagte: „Aiki ist die Kunst einen Gegner in einem Augenblick zu besiegen.“ Dem liegt ein tiefes Verständnis der fundamentalen Wahrheit der Prinzipien aller Dinge zu Grunde. Dies sollte nicht mit Magie oder einer mysteriösen Kraft verwechselt werden.

Um Aiki zu verstehen, muss man zuerst Kiai verstehen. Die Kanji (Schriftzeichen) beider Wörter sind die gleichen, nur in verschiedener Reihenfolge. Eine wörtliche Übersetzung dieser Kanji wäre „vereinter Geist“ und bedeutet die Vereinigung von Körper, Atem und Geist. Wenn alles in perfekter Harmonie ist, dann existiert Kiai. Ein Geräusch ist dabei nicht unbedingt nötig, doch häufig kaum zu vermeiden. Aikido ohne Kiai ist ein Anzeichen mangelnder Fertigkeit und Verständnis, denn ohne das Wissen um Kiai kann es kein Verständnis von Aiki geben. Osenseis Kiai konnte man im ganzen Körper spüren. Einen richtigen Kiai kann man spüren und sofort erkennen, auch wenn man ihn nicht erklären kann. Wenn man ihn hört und fühlt, muss es einem kalt den Rücken herunterlaufen. Er beginnt normalerweise bevor die Technik Kime (Höhepunkt oder Fokus der Energie) erreicht, kann aber auch vorher enden. Man könnte sagen, dass es keinen Kime ohne Kiai gibt. Die Intensität des Kime sollte an die Technik angepasst sein. Wenn die Waza gut genug ist, dann wird Kiai das Resultat sein. Man darf Kiai n

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