Das traditionelle Dojo

Ich erinnere mich an einen Spiegel aus Bronze, der im alte Hombu-Dojo in Shinjuku im Tokonoma des Kamiza stand.


Walther während des Unterrichtes.

In meinen Erörterungen war nachzulesen, dass der Kreis eine wichtige Rolle in O-Senseis Unterricht spielte. Ich erinnere mich an einen Spiegel aus Bronze, der im alte Hombu-Dojo in Shinjuku im Tokonoma des Kamiza stand. Der Rand dieses runden Spiegels symbolisierte den Kreis, die Kreisfläche symbolisierte die große Leere.

Dieser Spiegel spielt sowohl im Shinto als auch im Buddhismus eine Rolle. In Sanskrit nennt man ihn Adarsa, auf japanisch Kagami. Er ist neben dem Schwert (Ama no Murakumo no Tsurugi) und dem Tama (einem Juwel in der Form eines Kommas) einer der drei heiligen Schätze.

Der Spiegel symbolisiert das Abbild der Leere, denn er reflektiert zwar die dingliche Welt, verschweigt aber deren Substanz. Somit ist die Welt der Phänomene exakt symbolisiert oder auch dargestellt, denn Substanz ist eine Illusion. Es gibt in der Welt nichts anderes als die Vorstellung, die man von einem Ding hat.  Der Spiegel verdeutlicht die Tatsache, dass keiner der vorübergehenden Aspekte der Existenz auch nur einen Deut mehr Wirklichkeit besitzt, als dessen Spiegelung. Er steht für den Gedanken des Schwindens aller Illusion von der dinglichen Welt, der Welt als Idee im Gegensatz zur Welt als Phänomen.

Da ich über das Dojo sprechen will, einige Worte zu den Traditionen und dem Hintergrund eines traditionellen Dojos. Das alte Hombu-Dojo war ein solches traditionelles Dojo, aber im [Bau des] neuen Hombu-Dojo wurde der Mode nachgegeben und Zweckmäßigkeit verdrängte Rücksicht auf das Budo und dessen altehrwürdige Traditionen. Es ist in gewisser Weise eine Schande, dass wir Kodo vergessen, die alten Wege, aber nichts an ihre Stelle tritt. Durch Aufgabe dieser Traditionen geht Schönheit für immer verloren.

Ist das Budo als Kampfkunst nicht selbst eine alte Tradition, nichts als eine veraltete Methode? Sollten wir es nicht vielleicht durch ein effizienteres Budo ersetzen? Mit Schusswaffen und Panzern?

Natürlich nicht, aber wenn dem so ist, sollten wir dann nicht auch die Rituale ebenfalls lebendig erhalten? Wir tragen uralte Kleidung, wie den Gi und Hakama, aber verwerfen andere Dinge, die uns nicht mehr bequem erscheinen, manchmal ohne es zu bemerken.

Ich verstehe, dass es heutzutage schwierig ist, sich einen solchen Freiraum zu bewahren, besonders außerhalb Japans, aber einige Dinge können lebendig bleiben, wenn wir sie bewusst pflegen, statt sie zu ignorieren.

Ein traditionelles Dojo wird am Shimoza gegenüber des Kamiza betreten. Es ist unser Intellekt, unser bewusster Wunsch etwas zu lernen, der uns dazu bringt die Schwelle zu überschreiten und dies ist auch gleichzeitig unsere erste Hürde, denn den Intellekt müssen wir am Eingang des Dojos zurücklassen. Wer am Shimoza mit einer Fülle an vorgefassten Meinungen erscheint, der wird kaum voranschreiten, bis diese Vorurteile und Ansichten abgestreift werden und sie „leer“ werden, um die Lehre aufnehmen zu können.

Anfänger werden bald, nachdem sie den Shimoza hinter sich gelassen haben, feststellen, dass ihre ersten Erfahrungen größtenteils den Verstand herausfordern, selbst dann, wenn sie ihre Vorurteile überwinden. Sie zaudern und sind nicht in der Lage instinktiv oder intuitiv zu agieren. Am Shimoza machen Anfänger Bekanntschaft mit Reikishi (Manieren), deren Ziel es ist, sich mit Demut und sicher im Dojo zu beweg

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