Das Leben ist die größte Unterweisung

Nachwort zu Helmut Weiß


Klaus Dieter Petermann u. Helmut Weiß - noch mit normaler Haarpracht.

Ich fahre nach Aachen, einen Freundbesuchen  …


Ich trainierte schon im Bushido, in Kölns Ehrenstraße, bei Meister Asai, als Helmut Weiß ins Dojo kam. Wir waren im gleichen Alter, so 16 oder 17 Jahre alt, ein Anfreunden ging schnell. Donnerstags, wenn Meister Asai in Köln unterrichtete, sahen wir uns regelmäßig.
Da mir das zu wenig war, fuhr ich mit Adriano [Tresivan] noch dreimal in der Woche in das Dojo von Meister Asai in Düsseldorf …
 
… als ich meinen Führerschein hatte, nahm ich Helmut nach Düsseldorf mit – so fuhren wir Montag, Mittwochs und Freitag nach Düsseldorf, Donnerstags kam dann Meister Asai zu uns nach Köln. An den Wochenenden fuhren wir dann zu den Lehrgängen von Meister Asai, auch in die Benelux-Länder. Wir fuhren gerne mit Meister Asai ins Ausland, denn dort zeigte er oft andere Techniken als in Deutschland, die Prüfungs-Techniken … – richtig fetzige Techniken.
So sahen Helmut und ich uns nicht nur täglich, sondern wir trainierten auch täglich … die Wochenenden waren den Lehrgängen vorbehalten, die Meister Asai jedes Wochenende in Deutschland irgendwo gab. Damals noch langhaarig, trainierten wir bis zirka 1980/81 täglich …  Es gab nur Aikido. Wir konnten uns nichts anderes mehr vorstellen.
Am Dienstag, den 10. Februar, musste ich nach Aachen fahren …

 Helmut beendete seinen Zivildienst, in dem er sich zum Roten Kreuz nach Aachen versetzen ließ. Ab 1980 unterrichtete er in Räumen des Deutschen Roten Kreuzes, in Aachen – später auch in dem dortigen Judoklub. Nun fand er auch das Za-Zen. 1985 aber gab es Unstimmigkeiten im Judoklub und Helmut eröffnete in der Sigmundstraße sein privates Dojo in einem Fabrikgebäude – mit seinen Schülern wurde umgebaut und geschuftet – bis zur Einweihung durch Meister Asai.

Helmut war damals als Krankenpfleger bei Ford tätig. 1989 hörte er bei Ford auf zu arbeiten. Sein Leben war nun das Aikido. Das Za-Zen nahm ihn ein – Seine Schwerpunkte verlagerten sich … er fand aber zum Aikido zurück – eine Phase, vielleicht mehr, vielleicht weniger. Wer kann das noch sagen …
Er fühlte sich wohl. Naturgemäß trafen wir uns seltener – jeder hatte sein Dojo, wenn auch nur 80 km voneinander entfernt, so lässt das Leben doch weniger Raum für die alten Freundschaften … Gelegentliche Telefonate und die Lehrgänge von Meister Asai waren ein sicherer Treffpunkt, denen wir zwei oder drei gemeinsame Essen im Jahr folgen ließen. Ja, er fühlte sich wohl.

Im Dezember gab ich einen Lehrgang  in seinem Dojo, dass seit einiger Zeit von einer jungen Truppe geleitet wird – Helmut ist aber meistens anwesend … nur noch Aikido – es geht nicht mehr anders, es ist der Weg …

… ich bin in Aachen angekommen, mit weiteren zirka 100 Teilnehmern an der Trauerfeier zum Ableben Helmuts. Trist. Aber Lebensnotwendig – für uns alle …

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