Rolf Zuberbühler - AJ 71DE

Aikido in der Schweiz vor 50 Jahren.

Rolf, das AJ hat zwar schon ein wenig die geschichtliche Entwicklung des Aikido in der Schweiz betrachtet und veröffentlicht. Die Sichtweisen unterschieden sich allerdings– Du warst schon sehr früh dabei. Kannst Du Dich erinnern?

Nachdem ich ein Jahr Judo praktiziert hatte, startete ich 1964 mit Aikido. Jakob Bötschi, ein Schweizer, welcher für einen Alukonzern in Japan arbeitete und in Osaka Aikido praktizierte, kam alle Jahre für ungefähr 6 Wochen „nach Hause“, nach Oberstammheim. Er war 5. DAN als Vertreter der Schweiz für das Hombu Dojo. In dieser Zeit besuchte er uns in Zürich, in der Judoschule Nippon, wo er das Aikido einführte. Ein Jahr später, 1965, machte ich die Prüfung zum 4. Kyu. In dieser Periode kamen, wenn auch spärlich, andere Lehrer zu uns. Da gab es die Brüder Cauhépé, wobei ich Yves Cauhépé öfter gesehen habe. Gerd Wischnewski, der aus Deutschland kam, gab auch Kurse und Stages in der damaligen Nippon Schule.
Erinnerst Du dich an Gerd Wischnewski? In Deutschland ist er ja leider von einem Herrn gemobbt worden, was ihn bewog, dem Aikido in Deutschland den Rücken zu kehren.

Leider nicht, es ist bald 50 Jahre her, da geht schon mal etwas verloren. Wir wollten keine Lehrer haben, die „einmal vorbei schauten“, aber mit Gerd Wischnewski haben wir einige Zeit gearbeitet, dann ist er mir persönlich aus dem Augen verloren gegangen – man hat als Anfänger viel zu viel neue Impressionen. Lediglich, dass ich 1967 den 1. Kyu bei ihm absolvierte, das weiß ich noch, es war anlässlich eines Stages in den Eggbergen im Kantont Uri.

1968 durfte ich bei Jakob Bötschi die Gradierung zum 1. DAN ablegen.

Unvergessen ist mir auch meine erste Teilnahme an einer Vorführung, Tada Sensei gab eine Demonstration, das muss so 1964 oder 65 gewesen sein, wir waren nur paar wenige Uke welche den vierten oder fünften Kyu hatten, so wie ich – die nicht wirklich eine Ahnung hatten, auch wussten wir nicht richtig anzugreifen. Er als großer Lehrer und wir als Anfänger – das war eher peinlich, eine Demonstration auf einer Bühne mit vielen Zuschauern...
Speziell war für mich damals, wenn Freddy Jacot, der Leiter des damaligen Judo- und Aikido Club Swissair, japanische Meister wie die Senseis Nakazono oder Tamura zu Lehrgängen einlud. Oft wurden diese Lehrgänge bei Willy Frischknecht (Interview – AJ N°20 & 21DE ) im Appenzell abgehalten.

Ab 1972 leitete ich einen Aikidokurs im Kenshikan-Kyoto, einem anderen Klub in Zürich – dort lernte ich meine Frau Madeleine kennen.

Dann wurde ich gefragt, ob ich in den Judo und Aikido Club Swissair (dem späteren Aikikai Zürich) wechseln möchte und somit der neu gegründete ACSA Vereinigung beizutreten. Die Möglichkeit mit japanischen Meistern vermehrt zu trainieren, war so verlockend, dass ich nicht zögerte und diesen Wechsel machte. Infolge eines Kompetenz-Gerangels über DAN Gradierungen und Zuständigkeiten, ( die Folge davon war, dass Nakasono Sensei wie auch Jakob Bötschi, sämtliche Funktionen und Gradierungen dem Honbu Dojo zurückgaben) musste oder durfte ich 1977 die 1. Dan Graduierung, zusammen mit meiner Frau Madeleine, bei Sensei Tamura nochmals ablegen.

Damals gab es immer wieder Highlights: So kam Sensei Yamaguchi auf einer Europareise zu uns nach Zürich, mit anschließendem Wochenend-Stage bei Willy Frischknecht in Schönengrund. Wir waren nur 20 Praktikanten, die zusammen mit den Ukes von Sensei Yamaguchi (zu diesen gehörte auch Christian Tissier) trainieren konnten.

Zu dieser Zeitregion kam auch Sensei Ikeda in die Schweiz um in der ACSA zu unterrichteten.

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