Yamada Yoshimitsu Sensei AJ 93DE

… ein Gespräch anläßlich des Aikidō-Seminars in Bernau am Chiemsee, wo gleichzeitig das 20jährige Jubiläum gefeiert wurde


Yamada Senseiwährend des Interview – Bernau 25/03/2017

Ich führte dieses Gespräch zusammen mit dem Organistor dieses Seminares Jochen Maier aus Rosenehim und Jean-Jacques »Jisch« Scheuren aus Luxembourg.


Vielen Dank, dass Sie uns die Gelegenheit zu diesem Interview gegeben haben. Würden Sie uns bitte über Ihr Leben in Japan als jung waren und bevor Sie zum Aikidō kamen, berichten.

Ich erinnere mich nicht. Darf ich sagen, dass ich ein braver Junge war? (lacht)

Wie alt waren Sie als Sie mit dem Aikidō anfingen? Haben Sie zuvor noch eine andere Kampfkunst erlernt?

Nein, ich habe nur Aikidō trainiert. Ich habe mit dem Aikidō nach der High-School begonnen. Ich bin auf das College gegangen und bin zur selben Zeit Uchi-Deshi geworden, ich bin dann einfach nicht weiter zur Schule gegangen, sondern im Aikidō stecken geblieben. Mein erster Tag im Aikidō war gleichzeitig mein erster Tag als Uchi-Deshi. Ich hatte schon vorher etwas über Aikidō gewusst, hatte bis dahin aber noch nicht selbst trainiert. Ich wurde als Student angenommen, obwohl ich keine Erfahrung hatte, ich hatte aber eine enge Verbindung zur Familie Ueshiba. Meine Bewerbung wurde akzeptiert. Wenn Sie mehr über meine Jugend wissen wollen: Ich war wirklich ein schlimmer Junge.  Ich musste etwas aus meinem Leben machen und meinen Lebensstil ändern.  Nach der Schule wollte ich mein Leben genießen. Ich war 18 oder 17 Jahre alt.

Waren Sie von Anfang an im Honbu-Dōjō?

Ja, ich war vom ersten Tag an Uchi-Deshi im Honbu-Dōjō.

War Ōsensei zu dieser Zeit anwesend?

Nein, zu der Zeit hatte er sich schon nach Iwama zurückgezogen und kam nur gelegentlich. Damals lebten Herr Arikawa, Herr Tamura und Herr Noro als Uchi-Deshi im Honbu- Dōjō.

Wer hat unterrichtet?

Natürlich Kisshomaru Ueshiba, Doshu. Und Koichi Tohei. Er war der Hauptlehrer.

Und Arikawa?



Nein, Arikawa hat nicht unterrichtet. Arikawa war jünger als Tohei. Er hat in einer Firma gearbeitet. Ich weiß nicht, warum er im Dōjō geschlafen hat. Morgens ging er ins Büro. Er war angestellt. Tada-Sensei hat bereits nachmittags unterrichtet, aber den Unterricht am Morgen, um 6:30 Uhr, hat immer Doshu gegeben. Das war natürlich noch im alten Dōjō, in dem die Familie Ueshiba lebte. Wir lebten gemeinsam auf den Dōjō Tatamis. Es war ein hartes Leben, aber im Rückblick war es eine wertvolle Erfahrung. Es ist schade für die jüngeren Generationen, dass sie eine solche Gelegenheit nicht mehr wahrnehmen können. Die Zeiten ändern sich.

Wie lange blieben Sie im Honbu-Dōjō?

Ich habe mit 22 oder 23 geheiratet. Ich war also für vier oder fünf Jahre Uchi-Deshi. Dann habe ich mir eine eigene Wohnung genommen, aber ich pendelte weiterhin und bin dann zu Fuß zum Honbu-Dōjō gegangen.

Wann haben Sie Japan verlassen?

Das war 1964. Ich war 26 Jahre alt. Ich glaube ich war der erste, der das Dojo verlassen hat. Nein, Noro ging vor mir nach Frankreich. Tamura ist dann nach mir gegangen.


Ich denke Noro kam 1963 nach Frankreich.

Ja, ein Jahr vor mir, ich erinnere mich.

Kamen Sie zwischendurch mal nach Japan zurück?

Ich war acht Jahre lang nicht in Japan, wegen Problemen mit dem Visum.  Es war sehr schwierig. Als ich Japan verließ, hatte ich schon eine Familie, eine Tochter.  Aber ich konnte sie nicht mit nach New York mitnehmen. Mein Lebensmittelpunkt war nicht in New York. Es gab keine Garantie, dass die ganze Sache gut gehen würde, dass ich meinen Lebensunterhalt verdienen könnte, alles war neu. Ich musste also meine Familie zurücklassen und erhielt ein besonderes Visum, das nur zwei Jahre gültig war. Nachdem ich mich eingelebt hatte, holte ich meine Familie dann nach. Nach zwei Jahren lief das Visum ab und dann hieß es: »Go home« – »Geh’ nach Hause!« Mein Visum war sehr speziell. Wenn ich das Land verlassen hätte, dann hätte ich zwei Jahre lang nicht wieder einreisen dürfen. Deshalb bin ich dann illegal in New York geblieben. Meine Familie habe ich zurückgeschickt. Ich habe acht Jahre auf eine unbeschränkte Aufenthaltsgenehmigung gewartet. Was ich sehr bedauere, war: Als Ōsensei verstarb, konnte ich nicht nach Japan reisen. Ich musste eine Entscheidung treffen, zurückgehen – zwei Jahre warten und dann alles wieder von vorne … – oder für meine Mission in New York bleiben. Das war für mich eine sehr emotionale und schwierige Zeit. Ich bin in New York geblieben – das war ein sehr emotionaler und schwieriger Moment in meinem Leben.

Heute haben Sie keine Visaprobleme mehr, nicht wahr?

Nach acht Jahren wurde Nixon gewählt, das war besser für mich. Er stoppte das »Kultur-Austausch-Visum«-Programm. Dieses Visum unterlag sehr strengen Regeln, da für jeden Japaner, der im Rahmen dieses Austauschprogramms in die USA kommt, ein Amerikaner für 2 Jahre nach Japan gehen durfte. Ich habe die Erlaubnis des Arbeitsministeriums. Als Nixon Präsident wurde, war es einfacher für mich, weil er das Programm beendete.

Was geschah dann mit Ihrer Familie?

Das ist auch so eine Sache. Meine erstgeborene Tochter ist Japanerin, aber meine anderen Töchter sind in Amerika geboren. Während dieser 8 Jahre musste ich Gründe finden, um eine Verlängerung zu bekommen, um Zeit zu gewinnen. Sie kümmerten sich nicht um mich, meine Frau und meine japanische Tochter. Aber jetzt hatte ich zwei amerikanische Töchter und jetzt mussten sie sich Sorgen machen. Also konsultierte ich meinen Anwalt und sagte, ich kann diese zwei Kinder, »zwei amerikanische Kinder« in Japan nicht großziehen. Sie fragten mich nach meinem Einkommen. Wie viel könnte ich verdienen, wenn ich nach Japan zurückkehre? Ich schrieb an das Honbu-Dōjō und fragte, was sie mir zahlen könnten, wenn ich nach Japan zurückkehre. Es war eine kleine Summe. Mit diesem Betrag konnte ich »meine beiden amerikanischen Staatsbürgerkinder« nicht erziehen. Jetzt mussten sie sich Sorgen machen. Ich habe etwas Zeit gewonnen. Mein Anwalt musste sich etwas anderes einfallen lassen. Im Juni und Juli ist es in Japan eine sehr regnerische Jahreszeit, es ist nass und feucht. Japanisches Wetter ist nicht gesund für die Kinder. Ich habe meine Papiere eingereicht und mein Antrag wurde wieder abgelehnt, aber schließlich … Es war eine sehr schwierige Zeit.

Vor Fünfzig Jahren war es unmöglich vom Aikidō-Unterricht zu leben oder ein Seminar wie dieses hier (Bernau) auszurichten. Es war sehr schwierig. Es gab keinen Markt, die Aikidō-Population war zu klein.

War das Dōjō in New York ihr erstes Dōjō?

Ja, ich war mein ganzes Leben lang in New York. Ich habe natürlich andere Städte besucht, um Aikidō zu verbreiten, aber mein Hauptquartier, mein Heimatdōjō ist in New York.


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