Okami ウルフ

Der Wolf aus Lenzburg.


Harald während des Interview. in seinem Büro – 11/2013.

Harald, wie kommt ein Bietigheimer in die Schweiz?

Ohh, ich bin schon seit über 50 Jahren in der Schweiz. Genauer seit 1960.

Da hast du ja sicherlich noch keinen Kontakt zu Aikido haben können?



Harald: Nein. Ich hatte 1959 mit Judo in meiner Geburtsstadt Bietigheim begonnen und als ich in die Schweiz kam, war das eher eine Mondlandschaft …  in dieser Region war diesbezüglich nichts – in der Schweiz schon, aber zumindest nicht hier …
Judo gefiel mir lange, deshalb habe ich es auch einige Zeit, genauer bis zum 1. Kyu, praktiziert. Mein Nachfolger im Dojo, Markus Kleiner, macht heute noch Judo – er bietet auch Kinder-Judotraining an.
Markus: Der Vorteil im Judo ist, dass es eine verdammt gute Ausbildung gibt, nicht nur für das Kindertraining, sondern auch für Erwachsene. Ich habe gerade den „INS“-Leiterkurs [Jugend und Sport Anm.d.Red.] erworben. Der INS unterteilt sich von INS-Kids, welches für Kinder von 4-10 Jahre aufgebaut ist, sowie den INS-Leiterkurs für Jugendliche von 10-20 Jahren. Seit einem Jahr [2012] ist der „ESA“, der Erwachsenen Sportleiter neu hinzugekommenen. Dieses Jahr war es für mich der zweite Kurs, dazu nahm ich Edith Zeller mit, Edith leitet in unserem Dojo ebenso einige Trainingseinheiten. Wir haben beide den „ESA-Leiter“ abgelegt – die ersten in der Schweiz überhaupt. Zusammen haben wir auch den WK [Wiederholungs-Kurs] erfolgreich abgelegt – dies muss man alle zwei Jahre erneuern.
Das Bundesamt für Sport (BASPO) in Magglingen, welches dem Militär (Departement Sport)  untergeordnet ist, organisiert das. Gegenüber früher sind sie heute sehr weit entwickelt. Man sichert die Qualität derjenigen, die im Erwachsenen- sowie im Kinder-Sport unterrichten. Das  gilt nicht nur für die Trainingseinheiten, die Leiter werden zum Beispiel auch in sozialer Kompetenz unterwiesen. Um so von einer der Wilderei, „ich bin nun Schwarzgurt und kann unterrichten“, Abstand zubekommen. Die ESA-Lizenzen sind auf jede Sportart zugeschnitten.

… dies aber gilt nicht für Aikido?



Harald: Nein. Dies gilt nur für Judo.
Markus: Ich habe ja das Dojo von Harald übernehmen dürfen, so legte ich für unsere Trainer fest: … im Dojo dürfen nur qualifizierte, ausgebildete Trainier unterrichten [was das Judo betrifft]. Dabei geht es nicht nur um mein Empfinden, weil ich selbst durch die Ausbildung dafür sensibilisiert bin. Nein, speziell Ausgebildete unterrichten anders, vermitteln anders …
Harald: … Edith war ja schon Schülerin bei mir in Wohlen, sie hat jetzt auch den 3. Dan im Aikido. Ich möchte dazu erklären, dass ich den Klub in Wohlen, sowie den in Aarau gegründet habe – da war Edith schon dabei. Sie trainierte dann ein Jahr lang in Aarau. Kam dann aber wieder zu uns nach Lenzburg. Edith war auch lange Jahre Sekretärin in der ASCA [Association Culturelle Suisse D’Aikido]

Harald, du hast eben Wohlen erwähnt – ich hatte doch im vergangen Jahr mit jemand in Wohlen gesprochen …



Harald: … gut ich muss das wohl erklären: Ich kam in die Schweiz, was nicht weiter wichtig ist. Hier wollte ich weiter Judo praktizieren, was in Baden möglich gewesen wäre. Aber das Dojo dort lag neben dem Bahnhof – dies war „1960“, es gab noch Dampfloks bei der Bahn – wenn ich nach dem Training nach Hause kam, sah ich aus wie ein Minenarbeiter. Da ich noch ledig war, musste ich selbst waschen, so war klar, dass dieses Dojo für mich wenig geeignet war. (lacht) 
Also ging meine Suche weiter – bis nach Zürich. Dort gab es einen älteren Mann, für meine ca. 25 Jahre, der eine Garage gemietet hatte, in der ein eher militärisches Fitness-Training abgehalten wurde. Er wollte mir unbedingt einen Gi verkaufen, ich holte aber meinen aus dem Auto – das war ein Fehler – so sah ich mich am Ende das Trainings mit verrenkten und gezerrten Knochen wieder, dies brachte mir eine unfreiwillige, sechs monatige Pause bei. Dieses „Dojo“ wurde auch abgehakt.
Also selbst machen war angesagt. Ich kannte einen Judoka Namens Frank Rittmeier, auch ein Deutscher und einen Horst – wie saßen zusammen und überlegten – so schalteten wir ein Inserat in dem wir Judointeressierte suchten. Es kamen über 100 Interessierte in ein Vereinslokal. So wurde ein Vorstand gegründet und ein Trainier namens Luis Linder aus Zürich wurde gefunden. Unter den Interessierten war auch ein Emil, der eine kaputte Schulter durch seinen Kontakt zu dem mir unbekannten Aikido hatte. Aber Emil organisierte einen weiteren Deutschen, der Arno hieß, der nach seinen Aussagen bei Tada trainierte hatte.

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