TOGISHI – Bernhard Wardein; Wien

von „togu“ (schleifen, polieren,schärfen) und „shi“ (Ausübender)


… während des Gespräches.

Wie kommt man auf die Idee, Schwerter zu polieren?

Es begann damit, dass ich über Karate, über Iai-do zum Aikido gekommen bin. Vom Iai-do her verfolgte mich der Wunsch, auch einmal ein solches Schwert besitzen zu wollen. Das was ich bekam war leider nicht sehr ansehnlich. Ich übte dann zwar damit, es kamen auch weitere, auch die von meiner Frau hinzu, aber es waren einfache Übungsschwerter. Bevor wir das erste Mal nach Japan reisten, hatte ich bereits über das Internet einige Kontakte zu Sammlern und Händlern geknüpft. Von einem Händler wurden wir auch zum Abendessen eingeladen, was damit endete, dass er mich fragte, ob ich mir vorstellen könnte, Schwerter zu restaurieren … Durch meine Zustimmung ergab sich eine Beziehung, die sich in den Folgejahren stabilisierte – in der Art, dass er mein Lehrer wurde. Ich reiste nun des Öfteren nach Japan, um „meine Lehrzeit“ zu absolvieren und korrigiert zu werden … das Internet war dabei natürlich eine große Hilfe – so konnte viel Zeit und Geld gespart werden. Aufnahmen der Schwerter, oder von Bruchstellen wurden verschickt und kommentiert … „Hausaufgaben“ bekam ich auch per Post, die ich dann richten und dann wieder nach Japan zuschicken musste. Auf diese Weise wuchs diese Lern- und Lehrphase, die 2004 begann.
Nun ist mein Lehrer leider sehr schwer erkrankt, wahrscheinlich ist es ein Endstadium, was ihn aber anspornte, dass meine Ausbildung noch zum Abschluss kam. So hat Tsuruta Sensei mittlerweile auch dafür gesorgt, dass viele seiner Kunden zu mir Kontakt bekamen. Auch zu seinem französischen Schwiegersohn, der jetzt auch das Polieren erlernt, hat mir Tsuruta Sensei den Kontakt ermöglicht.
Ich erhalte Schwerter, die nicht mehr ansehnlich sind, die eine Reparatur oder eine Politur benötigen – ich habe zwar auch schon einmal ein „frisch geschmiedetes Schwert“ erhalten, aber das ist nicht die Regel.
Man sagt, dass eine Politur zirka 100 Jahre hält – dann wird sie trübe und wird unansehnlich. Wenn allerdings Rostflecken die Klinge befallen, dann ist das wesentlich schlimmer – denn der Rost frisst weiter und es gibt Fälle bei denen man dann nichts mehr machen kann, eben ein Totalschaden.

… ist ein Rosteinbruch ein mangelndes Qualitätsmerkmal der Politur?

Nein, das ist ein Mangel an Pflege. Alles was zum Beispiel an Handschweiß oder hohe Luftfeuchtigkeit an die Klinge kommt, ist die Grundlage des Rostes. Wenn dies nicht gleich gepflegt wird, kann dies zu Schäden führen, die dann oft nur mit viel Materialverlust restauriert werden können. Denn die Klingen werden ja durch die Reparatur immer dünner und die Hamon, der gehärtete Bereich wird immer kleiner … und wenn die Hamon mal aus der Schneide heraus geht, dann ist das Schwert wertlos. Das Wichtigste ist die Pflege der Schwerter.

Ich lernte einmal, dass die Abwechslung des weichen und des harten Bereiches, die Besonderheit des japanischen Schwertes ausmacht.

Genau, der Kernstahl ist ein anderer als der äußere Zierstahl. Unten an der Klinge aber gibt es einen harten selektiven Bereich, der nur für die Schärfe selektiv gehärtet wird. Das Obere, das Schöne, ist weich und flexibel.

Wie lange dauerte Ihre Ausbildung?

Ganz abgeschlossen ist sie wohl nie. Man kann, wenn man es in Japan macht, mit fünf Jahren rechnen – bei mir, der es mehr auf „Entfernung“ machte und das auch nicht acht Stunden am Tag, ist es mit Sicherheit prolongiert.

Wie wurde Ihr Japan-Interesse geweckt?
Nach dem Karate bekam ich in Wien Kontakt zum Budo, welches von Japanern geführt wurde – in Wien bildete sich bereits eine Gesellschaft und so begann ich Japanisch in Wort und Schrift zu erlernen. Es vertiefte sich immer mehr … Zu Aikido kam ich durch das Buch „Die Niederlage ist ein Sieg“, in dem Aikido als etwas schwer zu erlernendes beschrieben war, was sofort mein Interesse wegen seiner Komplexität weckte.
Damals war Iwamoto Sensei, der in Wien lebte, unser erster Lehrer. Ich konnte noch meinen 2. Kyu bei ihm ablegen, bevor er zurück nach Japan ging, wo er kurze Zeit später verstarb. Wir waren dann eine Zeitlang bei Tamura Sensei angeschlossen, ab zirka 1998 orientierte ich mich dann an Tissier Sensei. Fünf Jahre später sind wir offiziell zu Tissier Sensei gewechselt. Nach 20 Jahren habe ich die Führung unseres Dojo übernommen, was nun auch schon wieder 10 Jahre her ist.
Nun laden wir zweimal im Jahr Stefan Goffin aus Belgien ein, aber auch Tissier Sensei gesucht uns regelmäßig, wie Bruno Gonzalez.
Mich hat vor allen die Unterrichtsform interessiert, also Dinge, die man reproduzieren kann. Wenn man so will, ein didaktisches System. Mir ist vorher die Logik zu kurz gekommen.

… es war ja von Beginn an das Problem, dass die in den Westen gekommenen Shihan keinerlei Didaktik kannten – erst 20 Jahre später erkannten sie die schief gewachsenen Bäume, was noch heute versucht wird zu korrigieren.

Ja genau, diese Altersabstufungen kann man nicht einfach kopieren, was jemand in 60 Jahren erlernte, kann ich nicht 1 zu 1 übernehmen und praktizieren – man muss es sich erarbeiten, die Stufen gehen, um dahin zu kommen.
Dadurch dass wir öfter nach Japan fahren, haben wir auch einen Kontakt zu Frau Yoko Okamoto, die ihr Dojo in Kyoto hat – sie ist eine der wenigen Frauen, mit 6. Dan, die in Japan unterrichten.

Brigitte Prassek: Wir waren zu ihrem Sommerlehrgang im Juni 2011 drüben, als Fukushima platzte.

… und Sie hatten keine Bedenken?

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