Donevan Waite – USA


Donevan während des Interviews in Luxenburg, bei Jean-Jacques Scheuren.

Wann haben Sie mit Aikido begonnen?

Ich war 10 Jahre alt, als ich das erste Mal auf der Matte stand. Mit 9 habe ich es allerdings zum ersten Mal gesehen, aber ein Jahr hat es noch gedauert.

Wie alt sind Sie jetzt?

(flüstert) 55 Jahre.

Ja, ich sehe die weißen Haare in Ihrem Bart.

(lacht) Ich kann es nicht verbergen.
Ja, das war 1958 mit einem Schüler von Chiba Sensei, Ralph Reynolds. Chiba Sensei habe ich zirka vier Monate später kennen gelernt.

Warum Aikido?

Warum? Puhhh. Ich habe mit Judo begonnen. Mir gefiel dieser Kontakt, eine Beziehung mit den anderen einzugehen. Als ich dann Aikido sah, war der äußerliche Unterschied zu Judo sehr deutlich – es sah nicht kraftlos aus. Ich mochte gleich die Formen der Techniken, allein schon die Anmut der Bewegungen. Als ich schließlich auf der Matte stand und es selbst ausprobierte, stand sofort fest, dass ich das lernen musste.

In dem Alter ist es doch normalerweise eher das Judo, was Kinder begeistert. Da können sie sich ausleben, herum rangeln etc.
Ja, schon. Ich habe das sehr gemocht, aber – es ist schwer das zu erklären – ich sah Aikido und mir war sofort klar: „Das will ich tun.“ Da war etwas … also erst als ich auf der Matte war und es ausprobierte. Es sah gut aus, fühlte sich gut an, das war es …

Aber wie konnten Sie mit Chiba Sensei …
Jean-Jacques: … er ist in England geboren …

… ich war in England, in Birmingham.

… dann gingen Sie in die Staaten?

Ja, ich habe Yamada Sensei in Südfrankreich kennen gelernt. Ich weiß nicht mehr genau, wo das war. Ich bin zu einem Lehrgang mit Tamura Sensei gefahren und wollte Aikido unbedingt in Vollzeit trainieren, so habe ich mich an Tamura Sensei gewandt. Er hörte sich an, was ich zu sagen hatte, und zeigte dann auf Sensei und sagte: „Geh zu ihm.“
So sprach ich mit Yamada Sensei und erklärte ihm, dass ich Aikido seriöser, in Vollzeit trainieren wollte, aber nicht wüsste, wie ich mein Training außer um ein paar Abendstunden erweitern sollte. So hat er mich nach New York eingeladen, um dort in New York als uchi deshi zu leben. Uchi deshi zu sein, ist wirklich ein gutes Experiment. Ich kann es jedem nur empfehlen. Es ist hart, aber gut.

Wie lange haben Sie das gemacht?

13 Jahre habe ich das gemacht – eine lange Zeit.

In welchem Alter?

… von 1984 bis 1997 – also von meinem 26. bis 39sten Lebensjahr.

Haben Sie auch eine andere Berufsausbildung durchlaufen?
Nein, Aikido ist das was ich tue. Von Anfang an, ein Fulltimejob.

Was fasziniert Sie noch heute am Aikido?

Ich lerne noch heute, ich bleibe am Lernen – ich entdecke Dinge über mich selbst, ich finde andere Wege in den Techniken. Man findet ja nicht permanent die gleichen Bedingungen vor … Ich schaue auch gerne den Schülern beim Praktizieren zu und dann üben wir zusammen. Ich mag die Energie, die dabei aufkommt und ich mag die Formen. Wie es ausschaut, den Weg der Entwicklung. Aber ich mag es auch, Formen zu kreieren, Bewegungen zu fühlen und zu wandeln.

Ist die innere Arbeit für Sie ein Weg des Aikidos?

Es ist ein besseres Gefühl. Ich rede nicht viel darüber, weil ich nicht kundtun möchte, was ich noch studiere, was ich noch für mich suche, noch seine Bedeutung verstehen will. Ich könnte selbstverständlich darüber reden, es zeigen, aber es wäre noch nichts was ich natürlich darstellen würde, da ich es noch am Erfassen bin. Ich muss es tun, nicht darüber reden, das Experiment bringt mir mehr. Ich arbeite daran, diese Lockerheit zu haben das Innere heraus kommen zu lassen. Das kleine Problem ist, ich mag Dynamik, Bewegung und um beides zu verbinden, muss ich stark arbeiten. Ich möchte, dass es sich richtig anfühlt, nicht wie etwas was man nur experimentiert. Techniken sind real für mich, so will ich Wirksamkeit haben. Aber Gleichzeitig in mir studieren, dass es einfacher geht – weniger Energie vergeuden.

Dass Sie die Bewegungen mögen, kommt das von Yamada Sensei?

Ja das kommt von ihm. Vorher war es Chiba Sensei, das war solides und dynamisches Arbeiten – das war real für mich, das hat funktioniert.
Das ist komisch als ich dann Sensei kennen lernte – es waren wunderbare tolle Formen, rund – ein Bild.
Als ich ihn sah, sagte ich mir, dies möchte ich für eine Weile ausprobieren. Ich fühlte, dass ich andere Quellen benötige; nicht nur aus einer einzigen Richtung. Diese erste Richtung wollte ich aber nicht vergessen, weil ich dort erlernte hatte „die Werkzeuge“ zu benutzen. So legte ich das, was ich bisher tat, „zur Seite“ und konzentrierte mich auf das Verstehen des Neuen. Mir war klar, ich benötige diese Formen. Über die Jahre entwickelte sich wohl eine Synthese aus diesen beiden Einflüssen.
Als ich Tamura Sensei sah, war es für mich weniger eine Sache der Technik, als mehr seine Art mit dem Raum, dem Ma-ai, umzugehen. Er hatte ein gutes Gefühl für die Distanz und brauchte keine großen Bewegungen zu machen, aber dies war seine Art präsent zu sein, auf den Millimeter genau.

Im Aikido wird nicht angegriffen, das wird zumindest gesagt – wenn man Video von Osensei sieht, da ist klar zusehen, dass er der Erste ist, der sich bewegt. Bewegung ist Angriff. Heute Morgen sprach ich in Köln mit einem Kendoka, der versucht seit einiger Zeit, seinen Schülern diese provozierende Bewegung zu vermitteln. Greifen sie an?

Körperlich greife ich nicht an, aber wenn mir jemand gegenübersteht, verringere ich den Abstand, so dass der andere reagieren muss – das ist besser als abzuwarten bis man angegriffen wird.

Arbeiten sie mit Waffen?

Ja, Bokken, Jo – mit Chiba, Saito, Sugano Senseis.

Sind Waffen wichtig um Aikido zu lernen?

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