Tasaka Sensei, Shingu in Japan, aus dem Dojo von Hitkitsuchi Sensei.

...ist das wunderschöne Dojo Centre Kumano von Jürg Steiner, an der Ernst-Schülerstrasse 66 in Biel (CH). Freundlich, fröhlich, konzentriert und voller Engagement war auch die Stimmung der Lehrgangs-Teilnehmer, die eifrig mitmachten und sich nicht im Müssiggang übten. Jeder wollte von den Techniken profitieren, die Sensei Mitsuo Tasaka vorführte - ein


Mtsuo Tasaka im Dojo von Jürg Steiner in Biel-Bienne/CH.

In Biel, einer der Expo-Städte, in einem Quartier nahe der sehenswürdigen Altstadt befindet sich das Dojo Centre Kumano. Die Treppe, die hoch zum Dachstock des alten Gebäudes führt, ist steil. Doch schon beim Eintreten lädt die japanische Stimmung ein. Nicht von ungefähr – sie ist mit Sicherheit den Asseccoires und Erinnerungen zu verdanken, die Jürg Steiner und seine Frau Noriko von Japan mitgebracht haben. Man fühlt sich sofort wohl.

Sensei Mitsuo Tasaka fand sich bereit, mir in diesem Interview mehr über sich und »sein« Aikido zu erzählen. Ich danke Jürg Steiner für die Übersetzung.





Sensei Mitsuo Tasaka, wann fanden Sie zum Aikido?

Ich habe mit 17 Jahren angefangen, also vor 29 Jahren, ich bin jetzt 46jährig.


Haben Sie vorher schon Kontakt zu andern Budo-Sportarten gehabt?

Ich habe zuerst Judo und Kendo gemacht. An der Hochschule betrieb ich Judo.

Wie kamen Sie denn auf Aikido?

Nun, als ich fünf Jahre alt war, habe ich in einem Shinto-Tempel einen älteren Herrn getroffen, der hat mich angelächelt, mir über den Kopf gestreichelt und mich gefragt, was ich denn so mache. Ich habe mit ihm geplaudert. Später sagte mir meine Grossmutter, dass dies O'Sensei gewesen sei, der grosse Meister und dass er der Gründer vom Aikido sei.

Diese Erinnerung ist mir im Herzen geblieben, noch Jahre später erinnerte ich mich an diese Begegnung. Ich denke, sie war wegweisend, so dass ich mich eines Tages mehr mit Aikido auseinander setzte und schliesslich zum Aikido fand.

Meine Mutter hat mich unterstützt, sie fand, ich sei ein schwächliches Kind, sie wollte, dass ich kräftiger wurde. Sie fand Aikido eine sehr gute Möglichkeit, mich körperlich zu stärken. Dies und die Erinnerung an O'Sensei waren ausschlaggebend, dass ich mich selber auch für Aikido interessierte.
Sie fanden also Ihre Begeisterung zu Aikido nicht im Praktizieren auf der Matte, sondern über diese Erinnerung?

Genau! Ich wusste zu Beginn überhaupt nicht, was Aikido genau ist. Doch die Erinnerung an die Begegnung mit O'Sensei war so prägend, so tief, dass ich Aikido näher kennen lernen wollte.

Als ich das erste Mal ins Dojo ging, sah ich das Bild von O'Sensei und ich erinnerte mich, wie wenn es gestern gewesen wäre, an meine Begegnung mit ihm, als ich ein kleiner Bub war. Sehr beeindruckend.


In welchem Dojo haben Sie mit Aikido begonnen?

Im Kumano Juku Dojo, das war im Jahr 1972.


Das heisst, Sie sind diesem Dojo seit ca. 30 Jahren verbunden? Ist das für japanische Verhältnisse normal, dass man einem Dojo so viele Jahre treu bleibt. Wenn ich an Europa denke, da wird doch verhältnismässig oft gewechselt.

Das ist bestimmt nicht üblich, aber ich hatte bis heute nie einen Anlass, das Dojo zu wechseln. Es gibt im Japanischen ein Sprichwort, das besagt: »Wenn Du etwas wirklich Tiefes suchst, musst du mindestens drei Jahre auf diesem Weg dahin suchen und daran arbeiten, um es zu spüren, zu fühlen, dann weisst du erst, ob du auf dem richtigen Weg bist.«

Ich bin sehr glücklich, dass ich in Shingu geboren bin und die Chance bekam, in diesem Dojo zu trainieren.


Das gilt auch für hiesige Verhältnisse – ich denke, dieses Sprichwort gilt auch für hier. Es ist wichtig, dass man länger auf dem gleichen Weg, in der gleichen Schule bleiben sollte, um zu erkennen, ob man auf dem richtigen Weg ist. Wichtig ist ja, besonders für das Aikido, dass man die Basis erarbeiten kann, im gleichen Stil, über längere Zeit hinweg. Können Sie mir den Stil beschreiben, der in Ihrem Dojo vorherrscht?

Nun, O'Sensei war pro Jahr mindestens acht Mal für immer ca. eine Woche oder länger im Dojo und hat unterrichtet. In dieser Zeit hat Hikitsuchi Sensei eine sehr tiefe Lehre gemacht in so manchen Aspekten. Wenn O'Sensei nicht anwesend war, übernahm Hikitsuchi Sensei den Unterricht, im gleichen Stil wie O'Sensei und hat ihn vertreten. Ich kann dies nur bestätigen. Hikitsuchi Sensei hat direkt den Stil von O'Sensei übernommen.


Das sagt eigentlich jeder seiner Schüler, dass er den Stil von ihm übernommen hat. Und doch, die Unterschiede sind teilweise so gross, so offensichtlich, wie erklären Sie sich das?

Ich denke, dass dies damit zusammenhängt, wer man selber ist. Je nach Charakter, je nach Person, je nach Aufnahmevermögen wird der Stil unterschiedlich aufgenommen, angenommen und interpretiert. Da mögen tatsächlich Unterschiede entstehen.

O'Sensei hat so viel gelehrt, so viel unterrichtet, ich denke, es ist nicht möglich, sein ganzes Spektrum aufzunehmen. Ich denke, seine Schüler, so sehr sie ihm auch gefolgt sind, haben nur Teile von ihm aufnehmen können, können nur partiell wiedergeben, von der Fülle dessen, was er uns gezeigt hat.

Ich habe viele Stile gesehen, vieles gehört, ich denke, dass Hikitsuchi Sensei aber dem Stil von O'Sensei doch sehr nahe kam.


Denken Sie, dass auch Ihr Stil O'Senseis Lehren nahe kommt?

Dies ist keine einfache Frage. Ich kann das vermutlich nicht wirklich selber beurteilen. Ich habe O'Sensei mehrheitlich auf Videofilmen unterrichten sehen. Ich habe sehr viele Videos studiert, mich daran orientiert und versuche jetzt natürlich, so viel wie möglich davon auch weiterzu geben.

Persönlich kann ich sicher nicht den Lehren von O’Sensei nahe kommen, die so vollendet sind. Ich versuche aber technisch wie mental zu unterrichten und arbeite selbst daran.

O'Sensei hat viel die Worte »masa katu a gatu katu haya hi« gebraucht. Dieser Begriff, diese Worte haben verschiedene Bedeutungen, und sind für mich persönlich sehr bedeutend und wichtig...

...ja, sie sind sehr wichtig, haben eine tiefe Bedeutung. Ich habe nicht direkt mit O'Sensei trainiert, aber ich habe sehr tiefe Erfahrungen gemacht mit der Lehre von O’Sensei. 1985 war meine Arbeit damit verbunden, elektrischen Installationen in einem grossen Komplex zu prüfen. In dieser grossen Anlage gab es ein Verbrennungsabteil, dort fand ich eine alte, wirklich sehr alte Kalligraphie im Abfall!

Als ich diese Kalligraphie in den Händen hielt, erinnerte sie mich an etwas. Ich hatte diese Kalligraphie schon mal irgendwo gesehen. Als ich sie genauer studierte, fand ich genau diese drei Worte. Und als ich noch genauer hinschaute, erkannte ich, dass es eine Kalligraphie von O'Sensei ist. Wie ich da so stand und die Kalligraphie betrachtete, kam ein alter Mann und fragte mich, warum ich diese Kalligraphie so anschaue? Ich meinerseits fragte ihn, warum diese Kalligraphie auf dem Abfall gelandet ist. Er antwortete, dass in diesem Komplex vorher ein grosses Ryokan gewesen ist und dass es sich noch um Abfall aus dem Hotel handle. Als ich dem alten Mann sagte, dass es sich um eine Kalligraphie von O'Sensei handle, sagte er mir, dass der Meister und er im gleichen Alter seien und er ihn sehr gut gekannt habe. Im Gespräch erzählte er mir sehr viel über O'Sensei.

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