Brahim Si Guesmi

Schon 2008 in Paris versuchte ich Brahim zu einem Gespräch zu treffen …


Brahim während des Gespräches auf der Hotelterrasse.

Brahim, weißt Du noch, wann du mit Aikido angefangen hast?

Meine erste Lizenz ist aus dem Jahre 1980, da war ich 10 Jahre alt.

Wer war Dein erster Lehrer?

Mein Vater war mein Lehrer.

Ich nehme an in Paris ?

Ja, in Paris.

Hast Du noch eine Erinnerung daran, was Dich an Aikido interessierte, wolltest Du es von Dir aus tun oder war es der Druck deines Vaters?

Da muss ich nachdenken. Im ersten Jahr hat es mir sehr viel Freude bereitet Aikido zu erlernen, ich wolle mit meinem Vater zusammen sein und unbedingt das Rollen können, die Bewegungen hatten mich schon länger fasziniert – es war ein reine Freude, mein Vater lies mich gewähren.
Im zweiten Jahr begann ich zu verstehen, dass Aikido eine ernste Sache ist und nicht nur dazu dient sich zu amüsieren, da wich meine Freude, ich war damit gar nicht einverstanden. Eigentlich lag das Problem darin, dass ich zehn Jahre alt war, als ich mit dem Aikido begann. Zu der Zeit gab keinen Kinderkurs, ich trainierte mit den Erwachsenen und wurde zu sehr gefordert – ich war ein Opfer. Auch mein Vater nahm mich hart ran. Auf die Frage zurück zu kommen: Am Anfang begann ich mit Freude, und später war es mein Vater der mich stark forderte, voilà.

Ist dieser Frust über die Jahre geblieben oder änderte sich das?

Wie gesagt, der Anfang war berauschend. Aber bis zum Alter von 14 – 15 Jahre war es oft unschön. Ich wollte mich amüsieren, die Leute aber wollten seriös arbeiten.
In der Pubertät war er besonders schlimm, als Heranwachsender hat man immer Konflikte mit den Eltern. So hatte ich gleich zwei Probleme mit meinem Vater und mit meinem Lehrer. Ihr kennt meinen Vater, [mit ihr sind die Anwesenden Hassan Moukshil und Lahcen Abachouch gemeint] er ist ein lieber netter Herr von 70 Jahren – heute offen für alles – aber mit 40 war er das gar nicht, zumindest für mich; aber ihr kennt ihn auch nicht aus dieser Periode … Und so mit 15 Jahren, ging ich eines Abends nicht zum Training. Meiner Vater sagte gar nichts. Ich ging den 2. und 3. Abend nicht – mein Vater sagte nichts. … drei Monate ging ich nicht – mein Vater sagte nichts. Aber am Ende von den drei Monaten wollte ich wieder in das Training gehen – so ging ich von mir aus wieder ins Training, dass hat alles geändert.

Hat dein Vater dich mal gelobt?

Er hat mir nie Bravo gesagt.

Sind für Dich damals Graduierungen wichtig gewesen?

Das kann ich schnell beantworten – ich habe es vergessen. Ich habe keine Erinnerung mehr an meine Sho Dan- oder Ni Dan-Prüfung, so war sie mir wohl nicht wichtig.
Ich bin ja selbst Lehrer und habe vielen die Graduierung zu gestanden. Einer, der 15 Jahre mit mir arbeitet, sagte mir einmal: „Brahim ich erinnere mich ganz genau, wie ich damals die Sho Dan-Prüfung bei dir machte“ … Aber ich selbst weiß nichts mehr von meinen Prüfungen. Selbst als ich klein war und den 2. oder 1. Kyugrade mit ca. 13 Jahren machte, da hatte ich ein Gewichtchen von 45 kg, und die anderen im Dojo, mit 1. Kyu waren drei Köpfe größer als ich und hatten 90 kg – es war kein Vergnügen für mich. Vielleicht ist deshalb mein Erinnerung an solche Erlebnisse getrübt. Ich weiß gut, dass ich in den ersten drei Jahren, im Alter von 10 bis 13 Jahren fast nie eine Technik machte. Ich war immer Uke, im Verhältnis 1 zu 3, einmal durfte ich Tori sein, musste aber dafür dreimal Uke sein – Ich war wohl ein Zwerg für die anderen … Ich sagte oft, ich schaffe das nicht – die Antwort war immer, das macht nichts, du kannst ja Uke sein. Das erklärt, warum ich technisch nicht gut war. Anderseits kann ich als Beispiel den Nikyo anführen, die meisten lieben ihn nicht, weil sie steif sind und weil er ihnen Schmerzen bereitet. Ich dagegen war mager aber locker und ich akzeptierte ihr Tun, mich störte der Nikyo nicht. Wenn ich aber versuchte den Nikyo bei den Großen zu machen, dann tat ich mir höchsten selbst weh, mit deren großen Händen auf meiner kleinen Brust. Also in den ersten drei Jahren wurde mein Körper ausgebildet.

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