Max Seinsch

… studierte in Japan Japanisch und Aikidō

Max in seinem Dojo aikidokan in der Ulandstr. 137 in Berlin
Max in seinem Dojo aikidokan in der Ulandstr. 137 in Berlin

Warum wurde Ihr Training im Honbu-Dojo intensiver – war es der erhöhte Zeitaufwand?

MS: Das auch – das Aikido von Tanaka Sensei im Shiseikan war reines Aikido mit einer großen Variation an Techniken; auch war eine große Intensität in seiner Bewegung zu sehen. Bei Inaba Sensei unterlag das Aikido - mehr noch das Schwert-Training -  einer spirituellen Komponente. Die Anzahl an Techniken war nicht besonders groß im Vergleich zu Tanaka Sensei. Wenn man die einzelnen Techniken grob-motorisch verstand, dann ging es – ich sträube mich innerlich gegen den Ausdruck, da er nicht eindeutig ist – um Spiritualität, darum Kampfgeist, Intensität und Geisteskraft zu trainieren. Darauf lag immer der Schwerpunkt. Interessant war es ohne Zweifel – ich profitierte auch davon – aber ich wollte auch eine größere Variation an Techniken haben. Ich wollte mich in den Techniken freier bewegen – mehr improvisieren können … nicht nur die Tonleiter wollte ich beherrschen, sondern auch die Melodie spielen lernen, um dann die Melodien zu variieren, zu improvisieren …

Im Honbu gab es nur Aikido, die Trainingseinheiten waren intensiver. Im Shiseikan gab es 20 Minuten Aufwärmen, dann 20 Min. politische Ansprache und dann 20 Min., in denen man sich bewegte, nachdem man schon wieder kalt geworden war. Das war nicht wirklich sportlich effizient. Im Honbu wird sich fünf bis höchstens zehn Minuten aufgewärmt und dann wird bewegt – es wird geworfen, geworfen und geworfen; aufstehen, aufstehen und aufstehen und dann ist man selbst dran …
Es ist nicht nur eine Frage der Kondition, auch eine des Bewegungsrhythmus. Die Intensität, sowohl die körperliche wie die spirituelle, ist eine andere – nicht nur rein mit Karacho – sondern man muss sich am Laufen halten, einen Rhythmus finden. Auch wenn man müde ist, steht man wieder auf – jetzt im Sommer sind in Tokio 30 bis 35, manchmal 40° und das bei einer Luftfeuchtigkeit von 95%. »Aikido in der Sauna!« Trotzdem wird trainiert. Mittlerweile sind die Lehrer dazu übergegangen, eine kleine Trinkpause einzulegen, weil zu oft die Teilnehmer umkippten.
Die letzten 5 Sommer ist es in Tokio immer wärmer geworden, das habe ich selbst auch bemerkt. Trotzdem herrscht allgemein die Einstellung: Bewegen, bewegen – dranbleiben, aufstehen. Das ist meines Erachtens eines der grundlegenden Dinge, die man im Aikido lernen kann – dieses japanische Sprichwort: Sieben Mal hinfallen, acht Mal aufstehen. Unlogisch ja – soll aber heißen, egal wie oft man hinfällt, man steht auf und macht weiter. Dies kann direkt auf das alltägliche Leben übertragen werden – »nicht aufgeben«.
Das kann man von Anfang an aus dem Aikido herausziehen. Meines Erachtens ist dies der Knickpunkt für die, die nach zwei Monaten mit dem Training aufhören. Am Boden liegen und nun noch mal aufstehen – ich habe das Gefühl, dass genau das manchen zu viel wird – sie wollen dann liegen bleiben, wollen gestreichelt werden … Aber da fängt es an. Einerseits möchte ich Anfänger da nicht vergraulen, anderseits möchte ich ihnen helfen, sich in dem Moment aufzurappeln. Da sind noch Reserven, die auszuschöpfen sind.
Das fällt mir oft noch schwer, da die goldene Mitte zu finden: nicht vertreiben – nicht zu sehr nachgeben, einfühlsam sein – fordern.
Ich habe die Ebene als Schüler nicht verlassen.
Sie sind jetzt in der AFD organisiert.

Das war ein reiner Zufall, denn ich sehe mich als Kind des Honbu-Dojo. Ich habe, nachdem wir nach Berlin kamen, in viele Dojos hineingeschnuppert… So kam ich mehr oder weniger zufällig zur AFD. Ich wurde mit offenen Armen aufgenommen, ich bin aber in der AFD nicht ganz zu Hause – man lässt mich mittlerweile auch hier und da mitarbeiten, aber mir fehlt noch einiges.

Ich beobachte Tissier Sensei mit Interesse und gewinne daraus immer wieder Impulse. Andererseits möchte ich daraufhin arbeiten, dass auch mal andere Lehrer aus Japan eingeladen werden.

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