Ma Seinsch

Max studierte Japanisch viele Jahre in Tōkyō


Max während des Interviews in seinem Dojo in Berlin

Max, seit wann sind Sie in Berlin – sind Sie gebürtiger Berliner?

Nein, eigentlich bin ich gebürtiger Kölner, bin aber wegen der Arbeit meines Vaters bis zu meinem 12. Lebensjahr ganze 17-mal umgezogen. Die längste Zeit, 12 Jahre, habe ich in Telgte bei Münster gewohnt. Danach habe ich länger in Tokio als je irgendwo in Deutschland gewohnt. 16 Jahre lebten meine Freundin – die heute meine Frau ist – und ich in Tokio. Als dann die Kinder ins Grundschulalter kamen, war es für uns klar, zurück nach Deutschland zu gehen … Wenn man aber in Tokio gelebt hat, dann ist jede deutsche Großstadt ein Dorf … so sollte es wenigstens eine internationale Stadt sein – der neue Berliner Großflughafen verlockte mit dem Gedanken an Direktflüge Berlin-Tokio …

Mit dieser »großen Hoffnung« leben wir seit 2010 in Berlin!

Warum Tokio, warum Japan – welcher Grund führte Sie nach Japan?

Mit 15 Jahren begann ich mit Ju-Jutsu und ein halbes Jahr später mit Karate – dieser Karatelehrer war sehr engagiert, dazu hatte er ein großes Faible für die japanische Kultur, was er mir – uns – gut vermittelte. So hatte ich zumindest ein neues Hobby!

Nach dem Abi brauchte ich drei Semester Mathematik, um zu erkennen, dass diese Berufswahl nicht auf mich zugeschnitten war. So begann ich mit Japanologie – um die Sprache richtig zu erlernen, musste ich auch nach Japan reisen. Der Plan war ein Jahr Japan – daraus entwickelte sich ein sehr langes Jahr.

Zuerst war ich an einer Sprachschule. Nach dem Abschluss machte ich ein Austauschstudium an der Sophia-Universität in Tokio – nach drei Semestern überlegte ich mir, wenn ich auch mein Magisterstudium anhängen wollte, dass es günstiger wäre, dieses ganz in Japan zu vollziehen. So beantragte ich dieses und wurde glücklicherweise auch angenommen. Dann kam die Idee zu promovieren auf, da ich aber mehr und mehr nebenbei arbeitete, gab ich dieses wieder auf – so wurden 16 Jahre mit viel Sprache lernen und Aikido-Training daraus.

Wie kam der tägliche Broterwerb zustande, hatten Sie ein Stipendium …?

… ein wenig. Am Anfang habe ich auch Unterstützung von meinen Eltern bekommen, habe aber die ersten einundeinhalb Jahre halbtags gearbeitet. Das soll heißen Morgens Schule, dann Hausaufgaben und, wenn möglich, noch Training, und abends habe ich noch vier Stunden gearbeitet. Als ich an der Uni angenommen wurde, erhielt ich ein kleines Stipendium – finanziell half das natürlich – auch, weil ich in der ersten Zeit keine Studiengebühren bezahlen musste. Meine Frau arbeitete aber auch – so konnte ich etwas kürzer treten und mehr für das Studium lernen, trotzdem verdiente ich aber genug, um auch meinen Teil zur Miete beisteuern zu können.

Studiengebühren mussten nicht bezahlt werden?

Bei dem Austauschstudium fallen keine Gebühren an, danach schon. Da ich aber in Deutschland keine Studiengebühren hätte entrichten müssen, entfiel dies auch in Tokio. An der Graduierten-Universität, musste ich dann für das gesamte Magisterstudium einen recht »großen Batzen« hinlegen. Es waren teure dreiundeinhalb Jahre, um es zu höflich auszudrücken …

Einen Vorteil, Studiengebühren zu bezahlen, empfand ich darin, dass ich mich als Studierender für voll genommen fühlte, was ich in Deutschland nicht so empfunden habe. So wurde ich im DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst) in Köln bei meiner Nachfrage ausgelacht – wie ich denn annehmen könnte, dass man mit »Japanologie« ein Stipendium erhielte … die Verwaltung der Kölner Uni war auch alles andere als eine Hilfe. Eine Änderung dieser Situation erfuhr ich in Japan. Nachdem ich zum Austausch angenommen worden war, wurde ich umsorgt – auch als zahlender Student zum Magister waren die Verwaltung wie auch die Professoren immer ansprechbar …

Ich hatte eine kleinen »Durchhänger« während ein bis zwei Semestern, da wurde ich regelrecht »motivierend begleitet« von den Professoren.

Ich habe »als zahlender Kunde« immer ein gutes Gefühl – folglich bin ich kein Gegner der Studiengebühren …

Aikido?

Aikido habe ich an der Uni in Köln begonnen – vorher habe ich aber neun Jahre Karate gemacht und auch unterschiedliche Karate-Vereine beschnuppert, nichts aber sprach mich an. Kendo probierte ich – ein Semester machte ich Tai-Chi an der Uni - und schaute mir schließlich Aikido an – so bin ich gleich Mitglied im Bushido in Köln geworden. Dort gab Meister Asai einmal die Woche Aikido, was ich dann regelmäßig besuchte … Das Aikido nahm mich immer mehr in Beschlag, so dass ich es bis heute noch mache – jetzt sogar hauptberuflich mit eigenem Dojo seit drei Jahren


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