Gespräch mit Gabriela Schwind aus München.

Gabriele Schwind ist Organisatorin der Seminare mit Paul Linden. Warum tut sie das? Gute Frage, denn »es macht nicht nur Spass. Stundenlanges Flyer falten und eintüten…, …die Warterei auf Anmeldungen…! Doch spätestens im Workshop weiss ich, warum…: Seine Präsenz, sein Humor und Herz berühren mich. Er verkörpert, worüber er spricht: ›power and love‹. He walks his talk, wie es so schön heisst.«


Gabriela Schwind aus München.

Gabriele, zum vermehrten Male hast du ein Seminar mit Paul Linden in Deutschland organisiert. Was veranlasste dich bisher, diese Arbeit zu übernehmen?

Ich habe Paul und seine Art von Trauma-Arbeit vor etwa drei Jahren kennen gelernt. Er hielt in der »Somatics Academy« zum ersten Mal in Deutschland ein Seminar und ich habe damals dort mitgearbeitet

Die Teilnehmer waren von Paul und seinem Ansatz »Winning is Healing« so sehr begeistert, dass sie unbedingt mit ihm weiterarbeiten wollten. Ich wurde gefragt, ob ich die Organisation übernehmen würde, und da ich selbst genauso begeistert war und mithelfen wollte, seine Arbeit in Deutschland bekannt zu machen, habe ich diese Aufgabe übernommen. Seitdem habe ich sechs Seminare mit Paul organisiert, jeweils eines im Frühjahr und eines im Herbst.

Warum ich das tue, habe ich mich zwischendurch auch immer wieder gefragt, denn es macht nicht nur Spass. Die Begeisterung trat schon manchmal in den Hintergrund, wenn ich stundenlang Flyer gefaltet und eingetütet habe. Am schlimmsten waren die Wochen, bis ich genügend Anmeldungen hatte und zu Paul sagen konnte: »Kauf dein Flugticket und komm!«

Und wenn dann der Workshop begann und ich seine Arbeit wieder erleben durfte, wusste ich auch wieder, warum ich mir die Arbeit mache: Seine Präsenz, sein Humor, sein Herz berühren mich sehr. Er verkörpert das, worüber er spricht: »power and love«. He walks his talk, wie es im Englischen so schön heißt.

Was ich an Paul sehr schätze, ist seine Tiefe, seine Authentizität und seine Spiritualität, die er aber nicht »vor sich herträgt«, sondern die man als tragende Grösse spüren kann, wenn man genau hinschaut.

Er arbeitet pragmatisch und nachvollziehbar am und mit dem Körper. Ein wichtiges Werkzeug seiner Arbeit ist Aikido. Er benutzt Bewegungssequenzen daraus zur Vorbereitung, zur Auflockerung, zur Kräftigung und abends als Ausklang in der Gruppe. In der Einzelarbeit werden von Paul aus dem Aikido entwickelte Übungen oder Griffe eingesetzt, um auf eine neue Art mit einer alten und oft belastenden Situation umzugehen und zu erleben, wie die eigenen Ressourcen gestärkt werden können und sich eine bisher scheinbar hoffnungslose Unterlegenheit in ein »Gewinnen« verwandeln kann.
Ich habe es nicht nur bei Teilnehmern beobachtet, sondern auch am eigenen Leib erlebt, wie sich dieses »Gewinnen« anfühlt: vom ungläubigen Staunen über das allmähliche Wahr-Nehmen bis hin zur ausgelassenen und kraftvollen Freude. Da heilt tatsächlich was; da geschieht der Schritt vom Opfer zum eigenständig Handelnden. Da erlebe ich, dass Gewinnen wirklich heilt (Winning is healing), und dafür setze ich mich auch weiterhin ein.


Was Sie da erwähnen, ist ja wohl das direkte Resultat, was aber ist das erstrebte Endresultat?

Letztendlich steht hinter den Seminaren das Ziel, dass die Teilnehmer lernen, ihr Leben mit seinen Herausforderungen bewusster, authentischer, effizienter, kraftvoller und freudiger zu leben und diese Erfahrungen und dieses Wissen an andere weiterzugeben. »Power and Love« statt »Fear and Anger«. Seine Motivation drückt Paul u.a. in den Schluss-Sätzen seines E-Books »Reach Out. Body Awareness Training for Peacemaking« aus, an dessen Übersetzung ich gerade mitarbeite: »If you are working on healing your own fear and anger, you are really working on saving the whole world. If you are helping others become more peaceful, you are really working on saving not just the people you work with but the entire world. It's worth doing.«

Steht ein Konzept hinter der Seminarreihe?

Am Anfang bestand ein starker Wunsch nach einem so genannten Training – mit einer abschliessenden Zertifizierung zum BIM-Trainer (Being in Movement®). Und so begann Paul, ein Konzept auszuarbeiten, das der Entfernung Columbus, Ohio-München gerecht wird. Das heisst, mehrfach im Jahr fünf Tage oder länger miteinander zu arbeiten, mehrere Jahre lang. Das hat allerdings die Urlaubsplanung und den finanziellen Rahmen der meisten gesprengt.

Dazu kam für mich als Organisatorin, dass Paul in Deutschland bzw. Europa noch nicht bekannt genug war, um eine Gruppe zusammen zu bekommen, die stabil genug und gross genug war, um ein paar Jahre lang zu »halten« und sich zu tragen.

Deshalb hat Paul zunächst eine lockere Folge von Seminaren gehalten, mit dem Angebot, dass sich eine Kerngruppe bildet, die an einer Ausbildung interessiert ist, und gleichzeitig der Möglichkeit, dass Neue in den ersten beiden Tagen eines Workshops dazustossen bzw. schnuppern können.

Im letzten Jahr haben Ex-Teilnehmer in ihren Heimatorten und -ländern angefangen, für Paul Vorträge und Workshops zu organisieren wie z.B. in Berlin und Wien; im Frühjahr wird er in Dublin sein und ich weiss, dass eine Teilnehmerin plant, in Brighton etwas auf die Beine zu stellen.

Inzwischen ist es auch so, dass andere Gruppierungen in der Münchner Umgebung Pauls Kommen zu den Winning-is-Healing-Seminaren nutzen, um ihn für ihre Themen »auszuleihen«. So hat er z.B. zum Kongress »Aiki-Extensions« in Augsburg (Bericht N°36D des Aïkidojournals) beigetragen; wird in Aikido-Dojos eingeladen, um zu unterrichten; hat im November einen Vortrag vor einer Mediatoren-Gruppe gehalten; und für den kommenden Mai habe ich so viele verschiedene Anfragen, dass er eine Woche lang in unterschiedlichen Zusammenhängen beschäftigt sein wird.

Das hat dazu geführt, dass Pauls Arbeit bekannter geworden ist und immer neue Leute anzieht. Und das wiederum führt dazu, dass wir uns gerade ein neues Trainingskonzept überlegen, das die unterschiedlichen Aspekte seiner Arbeit berücksichtigt. Man kann dann unterschiedliche »Grade« von Zertizierung erreichen: die 1. Stufe um Haltung und Entspannung zu unterrichten, die 2. Stufe für »Peacemaking«, wie Paul es nennt, also Umgang mit Konflikten bzw. Mediation, die 3. Stufe Trauma-Arbeit (was wir in den Winning-is-Healing-Seminaren machen), und die 4. Stufe Ergonomics/Bewegungsverbesserung (Wie spiele ich besser Klavier/Golf? Wie sitze ich besser am Computer? Wie übe ich besser Aikido?).

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