Interview mit Giampietro Savegnago aus Cornedo Vicentino in Italien

...auf 1335 m.ü.M. ... Gespräch mit Giampietro Savegnago, auf dem Herzogenhorn


Giampietro in Nürnberg.

Pietro, wann und wie hast Du mit Deinem Aikidoweg begonnen?

Ich habe ungefähr 1970–71 mit dem Aikido begonnen. So genau weiss ich das nicht mehr, da ich vorher auch geboxt habe. Ungefähr mit 18 habe ich mit Aikido begonnen an der Akademie in Turin. Zu dieser Zeit gab es Aikido nur in Rom, Mailand und Turin.

Das Aikido ist durch Kobayashi Sensei nach Italien gebracht worden. 1964 ist er zum ersten mal nach Europa gekommen. Der erste japanische Sensei der nach Europa kam, war Tadashi Abe.

Kobayashi Sensei hat am Anfang nur Judo-Meister in Italien vorgefunden und deren Schüler. Er hat ihnen die Basis des Aikido gelehrt und ist dann nach Japan zurückgekehrt, aber es waren alles alte Judoka. Als er zurückkehrte sagte er ihnen »ok«, ihr könnt jetzt auch Aikido praktizieren.

Zurück in Japan, erhielt er oft Post aus Italien mit der Bitte zurückzukommen, um weiter Aikido zu lehren. So bat er einen Freund, dies für ihn zu tun, weil er die Zeit dazu nicht fand. Er sagte zu ihm: »Wenn Du also gehen willst, kannst du dort wahrhaft Aikido unterrichten«. Dieser Freund war kein anderer als Hiroshi Tada. Tada Sensei ist nach Rom gegangen, so blieb die »Kobayashi-orientierte Gruppe« in Turin. Deshalb findet man noch heute den Aikikai um Rom herum so stark vertreten.

Im Norden Japan war Novoka Kawamukai, ein Schüler von Kobayashi-Sensei, der noch recht jung war und gerne ins Ausland gehen wollte. Kobayashi-Sensei sagte zu ihm, »gehe nach Norditalien und unterrichte dort Aikido, und dann kannst du dir eine Arbeit suchen.« Er ist seit damals hier und praktiziert immer noch ein wenig Aikido, nicht viel, aber grad so viel wie es seine Zeit erlaubt. Denn er hat später eine Kontaktlinsen Firma eröffnet, die sich mittlerweile zu einer sehr grossen Firma gemausert hat. Er besitzt sogar ein Privatflugzeug.

Also ich bin aus der zweiten italienischen Aikido-Generation. Die erste Generation waren diese Judo-Meister und direkt darauf folgend wir, die zweite Generation.

Ich habe dann das Aikido in meine Heimatstadt gebracht, denn dort gab es natürlich auch keins. Das ist auch da, wo ich mit meiner Familie jetzt lebe.

Kurz darauf musste ich zum Militär, das war 1972. Dort gab es einen »Colonello« Ruatto (Oberst) der mir sagte, »du solltest zum Judo kommen«. Also bin ich hin gegangen, ich habe es aber nicht besonders gemocht. Er fragte man mich dann, warum ich Aikido mache. Ich erklärte ihm, dass ich es mag, wenn meine Rollen keinen Lärm verursachen. Um das auszuführen, ist keine sich bewegende Energie notwendig. Alles ist ein geschlossener Kreis.

Deshalb habe ich mit dem Aikido weitergemacht. Weil es schön ist, anzusehen. Was schön ist – muss auch gut sein.

Sensei sah ich dann zum ersten Mal so ca. zwei Jahre später, ungefähr 1974. Da ist er nach Italien zurückgekehrt. Es war in Magadino, in der italienischen Schweiz. Ich bin ihm dann gefolgt, nach Holland und an die Sportakademie Belliarde zwischen Belgien und Holland. Ich bin mir jetzt nicht sicher, ob er bei diesem Aufenthalt auch in Paris war, es kann aber auch später gewesen sein. Nein, ich glaube, er hat Tamura Sensei in Marseille besucht und in Aix-en- Provence unterrichtet. Denn danach kam er ein oder zwei Mal zu einen Kurs nach Italien. In Mailand und in Turin danach ist er nach Florenz gegangen. Wir sind dann über zwei Jahre Kobayashi-Sensei immer gefolgt.

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