Gespräch mit Klaus Dieter Petermann aus Niederkassel – Rhein-Sieg-Dojo.

...da hörte ich zu Hause von meiner Mutter ein klares »Nein«. Meiner Begeisterung über die harmonischen Bewegungen des Aikidos stimmte dann meine Mutter gezwungener Massen zu.

Klaus Dieter Petermann in seinem Dojo in Niederkassel..
Klaus Dieter Petermann in seinem Dojo in Niederkassel..

Klaus-Dieter, warum hast Du mit Aikido angefangen, weisst Du noch wo es war?

Ohh, da muss ich wirklich ein bisschen überlegen. Das war jedenfalls in Köln im Bushido-Dojo, mit ca. 14 Jahren kam ich dort nach dem Tanzunterricht vorbei. Meister Asai gab gerade seinen Unterricht. Ich staunte über diese schönen, runden, harmonischen Bewegungen, die ich so liebe. Die Faszination packte mich so sehr, dass ich in der folgenden Woche auf der Tatami war, das war 1971.


Hast Du vorher eine andere Budoart kennen gelernt?

Im Bushido wurde ja die gesamte Budo-Palette angeboten und nach ein wenig kämpfen war mir schon, so habe ich ins Karate reingeschaut, aber da hörte ich zu Hause von meiner Mutter nur ein klares »Nein«. Meiner Begeisterung über die harmonischen Bewegungen des Aikidos stimmte dann meine Mutter gezwungener Massen zu.


Bist Du im Bushido geblieben?

Ich bin im Dojo in der Ehrenstrasse geblieben, damals kam Meister Asai Donnerstags nach Köln. Ich bin dann auch gleich in das freie Training, nicht nur in das Anfängertraining gegangen. So habe ich gleich dreimal die Woche trainiert. Dann erfuhr ich, dass Meister Asai sein Dojo in Düsseldorf hat und an den Wochenenden durch Deutschland reist, um Aikido zu unterrichten. Da ich ja noch Lehrling war, bin ich nach Feierabend an drei Tagen in der Woche direkt in Deutz zum Bahnhof und von dort nach Düsseldorf in sein Training gefahren. Donnerstags trainierte ich dann noch in Köln. Ausserdem reiste ich, wann immer es möglich war, noch zu den Wochenendlehrgängen, so war ich bald mehr auf der Matte als zu Hause. Dies hielt ich die ganzen Jahre durch, bis ich mich 1980 rechtsrheinisch in Köln selbstständig machte.


Was für eine Graduierung hattest Du da?

Das muss 1990 der 2. Dan gewesen sein. Das war neben Meister Asai in Köln die einzige Schule, die Aikido anbot. Gut, später kam dann auch Hans-Jürgen dazu...


Das war aber keine Konkurrenz zum Bushido?

Nein, ich habe natürlich vorher Meister Asai gefragt. Er sagte nur: »Machen Sie, machen Sie«. Ausserdem wollte ich ja unbedingt, ich wollte damals und auch heute nur Aikido machen. Das war mein Traum, ich hatte mich schon lange sporadisch nach Räumlichkeiten umgeschaut, und sie dann auch gefunden und zugegriffen.


Wie hat sich das entwickelt, wie bist Du an Schüler herangekommen?

Durch Werbung, zumal Aikido kaum einer kannte, Judo und Karate kannte man, aber Aikido...!? Ja, das war 1980, meine Rufnummer lautete 89 10 80, sprich Oktober 1980 (ich war ja noch bei der Post und habe mir diese Nummer selbst besorgt).
Was hast du beruflich gemacht bis dahin?

Ich war Fernmeldetechniker bei der Telekom bis zu meiner Beamtung. Dann habe ich mich aber beurlauben lassen.

Ja, da habe ich diesen Supermarkt gesehen und zugeschlagen, und das ganze um- und ausgebaut. Da kamen natürlich erst einmal Kosten auf mich zu, aber ich habe dann später davon gelebt. Sicher es war hart, meine Frau ging noch arbeiten, sonst hätte die Anfangszeit zu viele Probleme aufgeworfen. Aber ich machte nur noch Aikido. Für Karate, Judo, Ju-jutsu hatte ich ja Lehrer angestellt, die allerdings auch bezahlt werden mussten.


Dann war das doch schon eine »grössere Schule«?

Ja, das war eine grössere Schule, aber die eigentliche Mattenfläche war kleiner als jetzt hier in Niederkassel. Hier sind es 120 qm Trainingsfläche und in Köln hatte ich 100 qm.

Aber man kannte Aikido nicht! Heute sieht so etwas wohl anders aus. Aber man kannte natürlich Judo und Karate, dadurch konnte ich für Aikido einen gewissen Bekanntheitsgrad erhalten, so kamen dann nach und nach die interessierten Aikidoschüler.


Und die Bruce Lee Filme!

Ohhh ja, die habe ich mir damals auch noch angeschaut. Aber richtig, die Filme wirkten damals wie ein Magnet.


Und das Dojo hast Du dann zehn Jahre geführt, bis Du hier in Niederkassel 1990 eröffnetest?

Genau mein Zehnjahresvertrag war abgelaufen und ich wollte ein richtiges Dojo, ein »Japanisches«. Ich fragte meinen Vermieter, wo er denn noch Gründstücke habe, und meine Mutter und meine Grosseltern habe ich gebeten, teilweise bekniet, mir zu helfen, damit ich meinen wahren Lebenstraum verwirklichen konnte. Sie gaben mir ihren Spargroschen und ich konnte das Gründstück kaufen. So konnte ich dann in Eigenleistung, allerdings mit beratenden Firmen das Dojo aufbauen. Mein Traum war schon immer, alles unter einem Dach: »trainieren, leben, wohnen« – durch die Tür direkt auf die Matte.


Wie unterschied sich das, von der Grosstadt Köln zu hierher? Wie reagierten die Schüler, musstest Du von vorne anfangen?

Ja, es sind so ca. 35 bis 40 Schüler mit mir hierher gegangen. Bedingt durch die Bauphase, irgendwie hat sich das herum gesprochen, waren es sehr schnell 60 Mitglieder. Das war schon ein beruhigendes Gefühl. Dann fing ich auch sofort mit dem Kindertraining an und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus, ich hatte am Jahresende fünfzig eingeschriebene Kinder.

Da war ich dann wirklich zufrieden. Ja, und mit den Jahren wurden die Kredite auch immer weniger, so dass ich nach einigen Jahren auch diesbezüglich mich entspannen konnte. Es ist ja kein Geheimnis, ich habe auf fünfzehn Jahre finanziert, also noch zweieinhalb Jahre und es ist alles abgezahlt. Aber der Anfang war schwierig. Damals hat meine Frau auch noch Aerobic unterrichtet, was noch zusätzlich Geld einbrachte...

Ich bin in den Anfangsjahren auch noch herumgefahren und habe in Euskirchen, Siegburg, Lohmar oder auch in Bergisch Gladbach unterrichtet. Nun, ich will nicht jammern, es geht wohl jedem so, der sich selbstständig macht – ich hätte im alten Dojo bleiben können, aber das war nicht mein Lebenstraum.


Bist Du nun professioneller Aikidolehrer mit angemeldetem Gewerbe?

Ich bin freischaffender Künstler, mit einfacher Buchführung. Das war aber auch schon damals in Köln-Ostheim so, freischaffender Künstler mit selbstständiger Schule.


Hast Du ausser Meister Asai noch andere Lehrer gehabt?

Ja, sicher bin ich auch zu anderen Meistern gefahren, nicht nur zu den Lehrgängen mit Meister Asai. Yamada habe ich einige Mal besucht, Tamura Sensei habe ich oft besucht. Zu Noro bin ich auch gerne gefahren, sein Stil hat mir viel Spass gemacht. Auch zu dem damals weniger bekannten Christian Tisser bin ich gefahren. Ich habe schon viele Lehrgänge besucht, auch in Frankreich.

Als Noro in Maçon mit seinem »Kinomichi« anfing, da war ich von Anfang an dabei. Ich bin immer mit Adriano Trevisan dort hingefahren. Der holte mich in Deutz ab und wir sind dann zu den verschiedenen Lehrgängen gefahren.

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