Die Japanreise der Patrmanns

Eintrit auf japanische Art – mit Briefpapier und Götter-Spende …

Im Jahre 1986 reisten Anita und Rolf Patermann für zwei Monate nach Japan. Rolf hatte dafür zwei Japanisch-Sprachkurse besucht, um eine kleine Sprachbasis zu haben.
Geplant war ein Monat, um das Land und Leute zu sehen und kennenzulernen und der zweite Monat sollte dem Honbu Dōjō in Tōkyō gewidmet sein.

Auf ihrer Reise besuchten sie auch die Stadt Nikko – bekannt durch seine Schreine, wie der Nikkō Tōshō-gū, dem Shōgun-Schrein oder Nikkō Futarasan-Schrein, der Shintō-Schrein aus dem 8. JH. … Dort lernten sie zufällig Hiromi, eine junge Japanerin kennen. So geschah es, dass Anita und Rolf von Hiromi eingeladen wurden und sie konnten eine Zeitlang bei ihr wohnen.

Hiromi bot sich auch an, ihnen zu helfen, in Iwama das alte Dōjō von Ōsensei, das von Saitō Sensei bis zu seinem Ableben (2002) geführt wurde, zu besuchen. Hiromi rief in Iwama an und erreichte Madame Saitō – sie sagte sogleich, dass ihr Mann sehr beschäftigt sei und könne nicht ans Telefon kommen. Trotzdem fragte sie nach dem Namen des Lehrers der Patermanns. Sie ließen ausrichten, dass sie ihn nicht kennen könnte, aber Madam Saitō bestand darauf. Also nannten sie den Namen Heinz Hermsdorf.
Bei uns geht vieles nur auf Empfehlung, sagte Hiromi. »Herr Saitō wird überlegen, ob er den Namen eures Lehrers kennt. Wir wollen morgen noch einmal anrufen.«
An nächsten Tag telefonierte Hiromi erneut mit Iwama. Das Gespräch war lag und begleitet von vielen »Arigato«ありがとうございま und begleitet von vielen Verbeugungen Hiromis (obwohl Herr Saitō sie gar nicht sehen konnte).
»Was hast du ihm gesagt«, fragte Anita.
 
»Ich habe ihm gesagt, dass ihr so von seinen Büchern beeindruckt seid, dass ihr nicht nach Hause fliegen wollt, ohne ihn gesehen zu haben. Er fragte nach dem Empfehlungsschreiben eines Großmeisters. Da ihr das nicht habt, gehen wir den japanischen Weg. Wir werden gutes Briefpapier kaufen und mit Tusche darauf schreiben, dass ihr um die Erlaubnis bittet, das Dōjō besuchen zu dürfen.«

«Wie lange wird es denn dauern, bis wir eine Antwort bekommen?« fragte Anita.
»Ihr fahrt am Mittwoch hin und nehmt das Schreiben mit. Zusammen mit einer Götter-Spende für den Schrein ist das in Ordnung.«

In Iwama empfing sie Herr Saitō, dem sie die Briefumschläge mit den Schreiben und der flüssigen Götter-Spende übereichten. Nun erhielten sie Einlass. Ein ushi deshi aus der Schweiz bot ihnen Soba (ein in Plastikbecher vorgefertigte Buchweizen-Nudelsuppe) an. Sie wurden auch von dem Schweizer über das Gelände geführt. Als sie in die Unterkunft zurückkamen, erwartete sie ein zorniger Saitō, der ihnen die leeren Nudelbecher vor die Füße warf und schimpfte: »Wer isst, muss das Geschirr auch wegräumen«, übersetzte ihnen der Schweizer die Schimpftriade. »So ist er halt«, sagte er, nachdem der Meister gegangen war. Er ist eigentlich generös, in manchen Dingen aber sehr streng. Es gehört zur Tradition japanischer Budōlehrer mit ihren Schülern zu schimpfen. Ōsensei hat das auch getan. Er war nie zufrieden.

So trainierten Sie zwei Tage in Iwama, was einige weitere Schelte mit sich brachte.

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