Gepräch mit Frank Ostoff, Jan Nevelius, Jorma Lyly. AJ N° 47D

Als Therapeut denke ich, das, was wir im Aikido machen, sollte immer den Aspekt der Heilung haben. Es sollte mich heilen und es sollte die anderen Menschen heilen.

Frank Ostoff, Jan Nevelius, Jorma Lyly
Frank Ostoff, Jan Nevelius, Jorma Lyly

Wann habt ihr mit Aikido angefangen und wer waren eure Lehrer?

Frank Ostoff

Ich habe 1981 bei Wolfgang Sambrowski in Oldenburg angefangen. Danach war ich in Hamburg bei Lothar Darjes. Beide waren Schüler von Meister Katsuaki Asai, bei dem ich meine Kyu-Prüfungen gemacht habe. Durch sie kam ich zu Gerhard Walter aus Berlin, einer der wenigen hauptberuflichen Aikidolehrer in Deutschland zur damaligen Zeit.

In seinem Dojo fand ich einen Ort, um täglich Aikido und Zen auf hohem Niveau zu üben und fasste den Entschluss, ebenfalls hauptberuflicher Aikidolehrer zu werden. Dort begegnete ich auch Meister Seigo Yamaguchi zum ersten Mal und kam näher mit ihm in Kontakt. Einige Jahre lang folgte ich ihm während seiner Seminare in Europa und besuchte ihn auch mehrmals in Japan. Obwohl er mich sehr stark inspirierte und er meine Shodan-Prüfung im Aikikai signierte, würde ich mich nicht als einen seiner Schüler betrachten, da ich noch zu jung war und auch nie für längere Zeit bei ihm in Japan trainiert habe.

Aber zwei seiner nahen Schüler in Europa – Christian Tissier und Franck Noël – waren mir eine große Hilfe dabei, sein Aikido besser verstehen zu können. Ich zog nach Paris und lernte ein Jahr bei Meister Christian Tissier.

Ihm und seinen Schülern bin ich sehr dankbar für die intensive Zeit der Unterweisung.

Christian Tissier stellte mich dann während eines Seminars Meister Seishiro Endo vor. Zu ihm habe ich sofort eine tiefe Verbindung gefühlt. Seine Art Kontakt im Aikido zu lehren, war genau das, was ich zu dem Zeitpunkt suchte. Unsere Beziehung hat sich seitdem vertieft und ich bin ihm in den letzten 12 Jahren ein naher Schüler geworden.


Jan Nevelius

Ich habe 1975 angefangen. Lennart Larsson war mein erster Lehrer, und darauf folgte Jan Hermansson. Ich habe auch viel bei Meister Yasuo Kobayashi und Meister Kazuo Igarashi trainiert. Dann bin ich 1983 nach Japan gegangen, wo ich unter anderem im Hombu Dojo Meister Endo und Meister Yamaguchi kennenlernte.

Als ich später wieder in Europa war, traf ich auch Christian Tissier und Franck Noël.

Wie Frank war ich stark beeindruckt von Yamaguchi Sensei, aber ich stand ihm persönlich auch nicht sehr nah. Ich trainierte ein paar Jahre im Hombu Dojo und dort entschied ich mich für Endo Sensei, bei dem ich jetzt schon seit über 20 Jahren bin. Seit 1987 bin ich auch stark von Christian Tissier beeinflusst. Beide sind großartige Lehrer, die mich und mein Aikido ungemein geprägt haben. Ich glaube, dass wir, wenn wir das Lernen bei jemandem vertiefen wollen, auch eine Art persönlichen Kontakt brauchen.

Für mich ist das ein bisschen wie bei den Eltern – wer wären wir denn ohne sie? Natürlich müssen wir uns selbst finden, aber ohne Eltern sind wir doch ganz schön verloren. Ich fühle mich sehr geehrt, so großartige Lehrer als Vorbilder zu haben.


Jorma Lyly

Für mich gilt mehr oder weniger dasselbe: ich habe 1986 bei Lennart Linder angefangen und ging dann nach Frankreich, um bei Christian Tissier zu trainieren und dort bin ich Franck Noël begegnet. Endo Sensei kam zu dem Zeitpunkt schon nach Schweden.

Was hat es denn mit diesem sogenannten Yamaguchi-Aikidostil auf sich, der euch alle so sehr anspricht?

Jorma – Für mich ist es die Ukearbeit. Ich denke, das macht den größten Unterschied aus. Wenn du auf diese Weise trainierst, ist das Verhalten von Uke beinahe wichtiger als das von Tori. Und interessant dabei ist, dass wir, indem wir die Rolle des Uke lernen, nach und nach auch die Rolle des Tori lernen.

Frank – Ja, das sehe ich auch so. Das war die größte Umstellung für uns. Vorher bedeutete es Uke zu sein, auf die Kraft zu reagieren, die auf uns einwirkte, aber durch unsere Lehrer des so genannten Yamaguchi-Stils begriffen wir schließlich, dass es um uns selber geht.
Um unser Ukemi. Um unsere Beziehung zu der ganzen Bewegung. Das war das eine, das andere war natürlich von Yamaguchi Sensei geworfen zu werden, ohne Schmerzen zu empfinden. Das war auch so etwas wie eine Offenbarung für mich.


Jan – Ja, auch ich hatte ein anderes Gefühl, wenn ich für Yamaguchi Sensei und seine Schüler Uke war: schmerzfrei und statt von Nage kontrolliert zu werden, gab es Kommunikation mit Nage. Also dreht sich das Aikido, so wie ich es heute trainiere, im Vergleich zu dem, was ich davor machte, viel weniger um Kontrolle, sondern viel mehr um Kommunikation. Das Gefühl von Uke, lebendig zu sein.

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