Robert Nadaeu in Alpen mit anschließenden Interview


Robert während des Training in Alpen.

Josef Jürgens: Schön, dass du  hier bist, schließlich bist du das erste Mal in Deutschland. Wir freuen uns und fühlen uns geehrt, dass gerade bei uns in Alpen dein erstes Seminar in Deutschland stattgefunden hat. Außerdem möchte ich dir meinen Dank aussprechen, dass du diesem Interview zugestimmt hast. Hinter dir liegen nun schon sechzig Jahre Kampfkunst. Wann bist du das erste Mal mit einer Kampfkunst in Kontakt gekommen und was hat dich dann zum Aikido geführt?



Robert Nadeau: Wenn ich so über diese Frage nachdenke, habe ich wohl mit Judo begonnen. Mein erster Kontakt mit der Thematik ereignete sich allerdings im Alter von 13 Jahren. Ich habe damals gearbeitet  und bin dabei auf ein Buch von Captain Fairbairn mit dem Titel „Get Tough! “ gestoßen. Der Autor war ein Experte in Sachen Kampfkunst und lebte in den 30ern in Hongkong. Das Buch hatte er 1939 oder 1940 geschrieben und damit den Geschmack der Fans getroffen. Als junger Bursche faszinierte mich dieses Buch, es war gleichzeitig meine erste Berührung mit dem Thema  Kampfkunst. Als ich dann auf die High School ging, mussten die Lehrer in den Nachmittagsstunden Arbeitsgemeinschaften organisieren. Ich hatte Glück, weil einer der Lehrer ein Judoka war und deswegen einen Judo-Club gründete. Mein Interesse brachte mich dazu, dem Club beizutreten. Ich habe dann während und nach meiner High-School-Zeit sehr intensiv trainiert . Einige Jahre später sagte mein Lehrer zu mir, dass ich dieses Training wie die Luft zum Atmen gebraucht habe. Ein Freund aus Japan empfahl mir dann Aikido, weil er dachte, dass es mir gefallen könnte. Schließlich fand dann auch ein Aikidoseminar in San Francisco statt und ich wollte es mir unbedingt ansehen. Als der Trainer dann sagte, dass es beim Aikido darum gehe, den ganzen Körper in Harmonie zu bringen, musste ich das unbedingt ausprobieren,  auch im Judo habe ich dann versucht, ganzheitlich zu arbeiten. Dazu gehörte auch, dass ich jetzt meditierte, bevor ich Judo trainierte und immer, wenn ich das getan hatte, war mein Judo ein anderes. Ich konnte das nicht wirklich verstehen. Wieso sollte Judo von einer vorherigen Meditation beeinflusst werden? – Aber das ist passiert. Ich wusste also, dass da irgend etwas war, konnte es aber einfach nicht fassen. So habe ich dann mein Training in Kalifornien fortgesetzt.

J. J.: Von welchem Zeitraum sprechen wir jetzt?



R. N.: So 1962 oder 1961, denke ich.

J. J.: Wenn ich richtig informiert bin, bist du doch 1962 schon nach …



R. N.: Ja, 1962 bin ich nach Japan gereist. Also war es entweder Anfang 1962 oder 1961, so um den Dreh. Als Koichi Tohei(Schüler Osenseis) in Kalifornien auf der Durchreise war, habe ich ihn kennengelernt. Zu der Zeit habe ich auch andere Kampfkünste trainiert und Polizisten in Selbstverteidigung unterrichtet. Damals war ich bei der Polizei angestellt. Im Grunde bin ich dann  nach Japan gereist, um ein Kampfkünstler zu sein. Ich ging wegen Judo, Karate, Aikido …, das war der eigentliche Grund.

Heidrun Hoffmann: Du bist also 1962 nach Japan gegangen und hast dort mit dem Training verschiedenster Kampfkünste begonnen. Schlussendlich hast du dich aber für Aikido entschieden. Weshalb?



R. N.: Es passt zu meiner Philosophie. Die Tiefgründigkeit des Aikido und auch Osenseis Tiefgründigkeit haben mich einfach überwältigt. Andere Lehrer waren zwar gut, aber es war abzusehen, dass man ihre Qualität durchaus mit hartem Training erreichen konnte. Als ich jedoch Osensei traf, beobachtete ich bei ihm etwas anderes. Das weckte mein Interesse, denn seine Kunst hob sich von denen der anderen (Budo)Trainer deutlich ab. Wenn es Aikido nicht gäbe, hätte ich mich sicher, wegen der Energie, für eine chinesische Kunst entschieden. Aber Osensei hat mich derart gefesselt, dass ich mehr und mehr Zeit darin investierte, verstehen zu wollen, wie er diese Ebene  erreichen konnte.

J. J.: Wie hat es sich eigentlich gefügt, dass du eine engere Beziehung zu Osensei bekommen hast? War das Zufall oder wie hat sich das entwickelt?



R. N.: Er war der Leiter des Dojos und für mich vor Ort greifbar und er ist der Begründer dieser Kunst.. Außerdem hatte ich (vor meiner Zeit in Japan) eine Art Vision, in der mir angedeutet wurde, dass ich ihn treffen werde und er mir dann sehr viel beibringen wird. Deswegen habe ich irgendwie darauf gewartet, dass ein enger Kontakt zu Osensei entstehen wird. Als ich schon eine Weile bei ihm trainiert hatte, bekam ich schließlich die Gelegenheit, ihm eine Frage zu stellen. Heute erinnere ich mich nicht mehr genau an den Wortlaut der Frage, aber es ging um persönliche Entwicklung aber nicht bezogen auf Techniken. Es ging dabei eher darum, wie er dazu kam solche außergewöhnlichen Dinge zu tun. Er mochte offensichtlich meine Frage und bot mir an, ihm jederzeit weitere Fragen zu stellen. Ich denke, dass viele – vielleicht liegt es auch in der Natur der Japaner – Probleme hatten, ihre Fragen direkt an den großen Meister zu richten. Aber ich war Westler, ich brach die Regeln.

H. H.: Also durften die Schüler von Osensei keine Fragen stellen, sollten aber …



R. N.: Es hat zumindest manchmal diesen Eindruck erweckt.


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