Interview mit Walther G von Krenner aus Kalispell, in den USA

Ich erinnere mich sehr gut an das, was mich dazu brachte, mich vollzeitig mit Aikido zu beschäftigen. Ich war vom Kote Gaeshi von Ueshiba Kisshomaru Waka Sensei so beeindruckt, dass ich alles andere aufgab.

Walther G. von Krenner Montana/USA
Walther G. von Krenner Montana/USA

Walther, Du bist mit zwanzig Jahren in die Vereinigten Staaten ausgewandert, hast Du das alleine getan oder mit Deiner Familie? Als ich 1960 Deutschland verliess, ging ich mit meiner Frau Hana. Hana und ich kennen uns seit wir 15 Jahre alt waren und wir haben kurz vor unserer Abreise geheiratet. Wie schaut heute Deine Familie aus, bist Du verheiratet, hast Du Kinder? Ich bin immer noch mit Hana verheiratet und wir haben zwei Kinder. Michael ist im gleichen Jahr geboren, als wir in die USA kamen und unsere Tochter Karen hat zwei Jahre nach ihrem Bruder das Licht der Welt erblickt. So sind sie beide über 40 Jahre alt und dadurch fühle ich mich sehr alt. Unsere Ranch wird von Hana und mir geführt, so haben wir einige Zwei- und Vierfüssler zu versorgen: ca. 10 Araber, einige Hühner, ungefähr 30 Weisswedelschwanz-Hirsche, ein Paar Adler, ein Waschbär, Kojoten und sonstige wildlebenden Tieren. Unser Borzoi-Hund und unsere Katze sind vor kurzem verstorben. Bei meinem Hund Gary bereite ich mich so langsam darauf vor, er ist immerhin schon 13 Jahre alt, was für einen grossen Hund schon viel ist. Ist Deine Frau Hana mit nach Japan gegangen, macht sie auch Aikido? Sind Michael und Karen vom Aikidofieber ihres Vaters angesteckt? Hana hat in den frühen Jahren ein wenig Aikido gemacht, aber sie hat nicht weitertrainiert. Jedoch hat sie ihr gesamtes Leben lang teilgenommen an dem, was ich gemacht habe. So weiss sie wohl genauso viel über die »Anfangsgeschichte des Aikidos« wie jeder. Beim ersten Mal ist sie nicht mit mir nach Japan gekommen, aber wir sind später mehrmals zusammen dort gewesen. Weisst Du noch, was es genau war, was Dich veranlasste, mit Judo aufzuhören und Aikido zu beginnen? Ich erinnere mich noch sehr gut an das, was mich dazu brachte, Judo aufzugeben und mich vollzeitig mit Aikido zu beschäftigen. Ich übte damals Judo und etwas Karate mit Nishiyama Sensei, Kendo mit Mori Sensei und hatte mit Aikido bei Takahashi Sensei begonnen. Das war 1961. Damals, es könnte so 1962 oder '63 gewesen sein, habe ich Ueshiba Kisshomaru Waka Sensei kennen gelernt. Ich war von seinem Kote Gaeshi so beeindruckt, dass ich alles andere ausser Kendo und Iaido aufgegeben habe, um mich voll auf Aikido zu fokussieren. Was war an seinem »kote gaeshi« so beeindruckend? Ich habe vorher noch nie ein »kote gaeshi« erlebt, das mich »vierfüssig« 1 Meter 20 hoch in die Luft versetzt hat. Sein Kote Gaeshi war sehr schnell und vollständig. Es gab kein aufhalten und wenn jemand nicht gesprungen ist, dann war es sehr, sehr schmerzhaft. Als Judoka war ich es nicht gewohnt, zu springen und meinem Gegner ein Ippon zu geben, also .... Könntest Du beschreiben, wie sich Dein Ai- kido in den letzten fünfzehn oder zwanzig Jahren entwickelt hat? Ich glaube, dass mein Aikido in den letzten 20 Jahren reifer und realistischer geworden ist. Es scheint als ob ich viele Sachen, die mir meine Lehrer vor langer Zeit beigebracht haben, umgesetzt habe, und Aikido ist ein Teil von mir geworden. Wenn ich mein Aikido mit dem Aikido, das man heute ausführt, vergleiche, dann bin ich eher altmodisch und einfach. Ich habe das Glück, dass ich nicht auf dem »Markt« um meine Schüler und meine Position kämpfen muss. Viele Lehrer haben vergessen, worum es bei O' Senseis Aikido wirklich ging. Es ging darum, Ueshibas Aikido, Frieden und Harmonie zu verbreiten, nicht Organisationen zu schaffen, die ständig, meist aus politischen und nicht ethischen Gründen, im Konflikt und Konkurrenz zueinander sind, um den grössten Marktanteil zu bekommen

© Copyright 1995-2019, Association Aïkido Journal Aïki-Dojo, Association loi 1901