Gespräch mit Zenon Kokowski aus Frankfurt.

Zenon Kokowski vor dem Eingang des Honbu-Dojo.
Zenon Kokowski vor dem Eingang des Honbu-Dojo.

Zenon, ich werde versuche jetzt Deinen Namen richtig zuschreiben, nochmals ein dickes Entschuldigung für die das Verstümmlung Deines Namens, zumal mir die richtige Schreibweise ja in der Kundendatei vorliegt.

Macht nichts, ich habe ja gesehen, das Du schon es in der letzten Ausgabe gelernt. In Japan habe ich noch viel schlimmere Verunstaltungen erlebt, vor allem war es sehr schwierig, die fehlerhafte Schrift auf dem Hakama aus zu radieren!!
Wo hast Du mit Aikido begonnen?

In Stettin begann ich mit Aikido


Wie ist das Aikido nach Stettin gekommen?

Durch Ichimura Sensei, der sich eigentlich in Skandinavien aufhielt, er kam dann nach Polen, nach Stettin und pflanzte dort die Aikido-Stecklinge. Er ist leider nicht mehr da, ein sehr interessanter Mensch ist. 1978 kam er nach Polen, ich sah ihn 1979, als ich mit dem Aikido begann.
Polen war ja ein sozialistisches Land, trotzdem war es aber erlaubt Aikido zu praktizieren, was in anderen sozialistischen/kommunistischen Länder undenkbar war. In Jugoslawien z.B. war das ganz anders, die konnten viel trainieren. Bereits ‘76 hat sich in Polen das Aikido etabliert.


Wie bist Du zum Aikido gekommen?

Ich wollte Karate machen. Ich habe in den 70iger Jahren die Filme mit Bruce Lee gesehen und war total begeistert. Diese Stärke, und wie geschickt er gegen körperlich Stärkere gewann. Da ich mit der Schule fertig war, musste ich halt was machen.

Es war schon komisch, als ich dort hin ging, zur Karateschule, da gab es zwei Eingänge. Der eine war total überfüllt, also dachte ich mir, ich drängele mich vor und benütze den anderen. Aber der, den ich benützte, das war der Eingang zum Aikidotraining und der andere war der zum Karatetraining!


Auch wieder so ein Zufall!

Ja ein Zufall. Tatsächlich ein Zufall!


Da siehst Du, trotz der politischen Unterschiede, die Menschen träumen überall vom gleichen. Ich erinnere mich, dass in Deutschland zu den »Bruce Lee-Zeiten« die Zuschauer alle aufrecht und breitschultrig aus den Vorführungen heraus kamen, die Eintrittsquoten in den Karateschulen und Vereinen in die Höhe schnellten. Wie lange bist Du in Stettin oder in Polen geblieben?

Ich höre, dass Ichimura Sensei nach Polen zurückkommen sollte. Auch war Tamura Sensei, der mich sehr begeisterte und mein Interesse weckte, mittlerweile in Polen gewesen.

Da ich aber eine polnische Mutter und einen deutschen Vater habe, wollte ich die andere geographische Seite meiner Abstammung gerne kennen lernen. Zumal ich höre, dass es in Deutschland viele gute Aikido-Meister geben soll, so waren zumindest meine Vorstellungen. Die Realität sieht natürlich immer anders aus – so bin ich 1988 nach Deutschland gezogen, um hier Aikido zu studieren. Das Wirtschaftswunderland interessierte mich weniger, wenn Du verstehst, was ich meine. Naja, das Schicksal war anders. (Lautes Lachen)


Du hast also von 1979 bis 1988 ohne Unterbrechung in Polen Aikido geübt? Gab es bei euch so etwas wie Graduierungen, hattet Ihr verbandsähnliche Strukturen, hattest Du dann schon eine Graduierung?

Wir haben auf Grund der Tatsache, dass Ichimura Sensei uns als erster Sensei besuchte, vieles von den skandinavischen Ländern übernommen. Zumal wir eben auch oft in diese Länder fuhren, wenn dort ein Sommerlehrgang oder ein anderer grosser Lehrgang angesagt war. Der dann von Ichimura Sensei oder einem seiner Schüler gehalten wurde. Aber es gab dort auch Schulen, die sich an Kobayashi oder an Nishio Sensei orientierten, die oft miteinander trainierten. Also im Sommer gibt es dort wie auch in Frankreich, immer grosse Aikido-Sommercamps, die versuchten wir alle besuchen. Bei einer solchen Gelegenheit habe ich dann den Shodan bei Nishio Sensei gemacht, obwohl ich ihn gar nicht kannte. Er hat mich akzeptiert, weil ich Schüler von Ichimura Sensei war. Das war in Uppsala, er war sehr interessant.


Ich weiss nicht mehr, in welchem Jahr das war, aber ich erinnere mich dunkel, dass Du geknickt bist, wie man im Deutschen sagt, »wie ein Häuflein Elend« in St. Mandier auf dem Campingplatz sasst, weil Du den Nidan von Tamura Sensei nicht erhalten hast. Erinnerst Du Dich noch daran?

(lautes Lachen) Schön das Du Dich daran erinnerst. Ich freue mich, dass ich die Prüfung damals nicht bestanden habe, so habe ich viel gelernt. Es war eine Frechheit von mir, ich wollte unbedingt bei Tamura Sensei Prüfung machen. Politisch und strategisch war das ein grosser Fehler von mir. Ich wollte die Macht der Prüfung haben, nicht das was er zeigt! Ich wollte eine Bestätigung von etwas, was gar nicht da war. Da St. Mandrier weit über 1000 Kilometer entfernt ist von Frankfurt, hatte ich viel Zeit zu überlegen, auf dieser Rückfahrt. Ich habe nachgedacht und nachgedacht und mir war dann klar – sein Aikido ist zu schwer für mich. Ich habe nichts verstanden und wollte eine Prüfung machen!

Ich habe nichts verstanden? Natürlich ich habe irgendwas gemacht, aber nichts verstanden. So habe ich mich entschlossen, bei Tamura Sensei zu lernen.

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