Gespräch mit Anita Köhler aus Darmstadt. Erster Teil.

Anita, wie kommt es, dass ihr das Kirschblütenfest feiert? Das Kirschblütenfest feiern wir, seit es dieses Dojo gibt, normalerweise wenn die Kirschen blühen, also im April. Diesmal verschoben wir das Fest wegen Umzug und unfertiger Baustelle auf das Eröffnungsdatum.

Anita in ihrem Dojo in Darmstadt.
Anita in ihrem Dojo in Darmstadt.

Warum bist Du denn eigentlich umgezogen?

Nun, warum nicht? Die Idee war, ein Zentrum für verschiedene Kampfkünste zu gründen, z.B. für Karate, Judo, Kendo etc., nun die klassischen Budo-Sportarten, aber auch andere Kampfkünste wie das brasilianische Capoeira. Mich reizte es, verschiedene Kampfkünste unter einem Dach zu vereinen. Diese Räume sind mir schon vor zwei Jahren ins Auge »gestochen«, als sie nun frei wurden, griff ich zu.

Ich bin überzeugt, dass sich die verschiedenen Kampfkünste eher »befruchten«, als im Wege stehen. Normalerweise entscheidet sich ja jemand für die eine Kampfkunst, aber man kann aus den verschiedenen anderen Kampfkünsten auch etwas entnehmen. Als Aikidoka kann ich beispielsweise sehr viel lernen, das Schlagen oder Treten u.v.a.m., etc. Das war die ursprüngliche Idee für dieses vielseitige Angebot.


Und was wird im Moment neben Aikido angeboten?

»Ken-jutsu«, im Moment.


Das alte Dojo, wann ist denn das entstanden?

Nun, lass mich einen Moment studieren. Das muss 1994 gewesen sein, dass ich mein Dojo eröffnete.

Camilla: Da bist du doch von Frankfurt hierher gezogen.

Anita: Ja, das war 1994. In diesen Räumen gab es übrigens schon mal Aikido. Christa Krieg, ich denke, dass du sie wohl nicht kennst, hatte hier Training gegeben. Sie war damals nach viereinhalb Jahren von Japan zurückgekehrt – ja, allerdings ist von ihren Schülern niemand geblieben. Und ich übernahm also das Dojo, das war 1994. Ich bin kein Zahlenmensch, behafte mich nicht darauf, ich kann mir Jahrzahlen nur schlecht merken.

Nun, ich hatte vorher mit Klaus Gregor in Frankfurt ein Dojo, in der Hohen Stauchenstrasse – das hat später Thorsten weitergemacht. Eines Tages meinte Klaus zu mir: »Möchtest Du das Dojo übernehmen? Bevor ich zum Antworten kam, wendete sich auch Christa an mich und sagte, sie hätte jetzt einen Job in Dresden und ich könnte doch für sie weitermachen.

Auf einmal stand ich da, daran mag ich mich sehr gut erinnern, das war in einem Hotelzimmer in Paris, da stand ich also da und hatte zwei Dojos und ausserdem eine Theatergruppe am Schauspielhaus zu betreuen. Dabei fiel dies genau in eine Phase, für welche ich mir vorgenommen hatte, jedes Wochenende nach Paris zu fahren. Ich hatte das auch schon vorher ein paar gemacht und war fest überzeugt, dies nun ein paar Jahre so zu halten.

Nun, die Fragen, ob ich's mache, haben mich zwar überrumpelt, aber irgendwie war für mich doch sofort klar, dass ich einsteige, obwohl ich mir auch gleich überlegen musste, wie ich denn dies alles unter einen Hut bringen soll... Ja, so war das...!

Und dann hast Du das tatsächlich alles nebeneinander gemacht, Frankfurt, Darmstadt, Theater?

Ja, das hab ich dann mal alles mit- und nebeneinander gemacht.

In Frankfurt habe ich noch ein Jahr Training gegeben, da kam eines Tages Thorsten und fragte mich, ob ich bereit sei, das Dojo abzugeben, er sei auf der Suche. Nun, ich war bereit, an ihn zu verkaufen. Und die Sache an der Schauspielschule habe ich Doris übergeben. Es war mir einfach zu viel geworden. So konzentrierte ich mich schliesslich auf Darmstadt. Da wohnte ich, da kannte ich viele Leute. Ich hatte gute Beziehungen und die Leute, die ins Dojo kamen, die hatten auch schon bei mir angefangen und fanden Klasse, was ich machte.

Also die kombinierte Sache Frankfurt, Darmstadt, Schauspielschule, das dauerte nur ungefähr ein Jahr, dann musste ich abbauen, weil es wirklich zu viel wurde. So konnte ich mich auf Darmstadt konzentrieren. Mir wurde dann auch klar, dass ich mir wieder mehr Freiraum schaffen musste, ich hatte damals den 2. Dan und vermisste die Zeit für mein eigenes Training. Mit der Reduzierung auf Darmstadt wurde es mir wieder möglich, an den Wochenenden nach Paris zu fahren.


Ich weiss nicht, ob ich mich täusche, aber damals, als ich 1995 mit dem Aikidojournal startete, war da nicht die Rede von einem Dojo nur für Frauen?

Nein, nein, im Gegenteil, am Anfang kamen nur Männer.

Camilla: Gut, da kam Kim, die Inga, die Simone, später die Heike und Annette... Nein, es waren hauptsächlich Männer, da gab es welche, die kamen praktisch jeden Tag. Ja genau, das war damals so, wir hatten noch keine Umkleide, da war einfach der Raum, die Hälfte war Matte und der andere Teil diente uns zum Umkleiden, später kam dann ein separater Raum dazu, auch noch nicht getrennt und nochmals später gab es schliesslich eine Umkleide für Männer und Frauen, getrennt. Das ist so gewachsen. Wir waren ja kein grosses Dojo.


Die Idee für ein wirklich grosses Dojo ist also eine logische Folge Eurer Wachstumsentwicklung? Nun, drüben ist es ja schon ein bisschen klein.
Na ja, das sind halt einfach 120 m2 Matte. Nun, wir hatten da drüben auch schon Lehrgänge mit dreissig Leuten, wenn Patrick da war. Das ging. Nur tropfte dann der Schweiss von den Wänden, aber es ging.


Auf deinem Prospekt steht, es sei das grösste Dojo Europas, trifft das wirklich zu? Ist das nicht etwas vermessen, dies zu behaupten?

Nun, das weiss man ja immer nicht, wahrscheinlich ist es das grösste Dojo der Welt. Ich habe zwar letzthin etwas von einem Dojo in Paris gehört, da wo Francine und Philippe Training geben und das hat 310 m2. Also kleiner als dieses hier. (die beiden lachen verschmitzt)

Camilla: Das war ja am Anfang so witzig, da hatten wir ein solch grosses Dojo und doch klebten alle auf einem Haufen. Eine Menge Matte und doch kein Platz. Es brauchte wirklich Zeit, bis sich die Leute nicht mehr so verloren vorkamen... witzig.

© Copyright 1995-2019, Association Aïkido Journal Aïki-Dojo, Association loi 1901