Kobayashi Yukimitsu Shihan AJ 93DE

Hombu-Dōjō Lehrer


Kobayashi Sensei während des Interview25/03/2017

… Kobayashi Senei ergreift das Wort, weil er etwas klären möchte.


 


… ich mache mir ein wenig Sorgen, weil ich zum Einen ein Vertreter des Hombu–Dōjō bin und Andererseits auch meine private Meinung habe …

… ich kann ja schreiben, dass es ein Gespräch mit jemand anderen war. Was ist Budō für Sie?

Ich bin professioneller Lehrer – deshalb ist Budō »mein Leben« - mein Leben bedeutet Budō. Alles was ich tue, in meinem täglichen Allerlei, ist Budō. Wenn ich esse oder trinke, dann ist das für mich mit Budō verbunden.
 
Gibt es das Wort Kampfkunst im Japanischen?
 
Im Japanischen benutzt mach auch den Begriff »martial arts« darunter bezeichnet man aber etwas anderes, als was der Begriff Budō bedeutet. Es wird fein unterschieden, für diese Wettkampfgeschichten wird das englische Wort benutzt. Das wird nicht unter Budō spezifiziert. Budō benutzt man eher für die traditionellen Arten.

Ist Aikidō Budō?

In meinen Augen ist Aikidō Bu-jitsu, also ein Kampftechniksystem – und weil es Aiki–dō heißt natürlich auch Budō. Martialischer Weg. Übrigens zum Begriff Kampfkunst: Es gab früher einen Begriff der sich »Bugei« nannte. Das war zu den Zeiten von Musashi, als man diesen Begriff benutze, was wörtlich übersetzt »Marialische Kunst« heißt. Heute wird er nicht mehr benutzt, aber es gibt diesen Begriff, der auch als Sammelbegriff diente – eben in der Feudalzeit.
Früher ging es in einem Kampf eben darum jemanden zu töten, es ging um den Konflikt. Im Budō geht es keineswegs darum jemanden zu töten – einen Konflikt zu gewinnen. Es geht darum, seinen Gegner leben zu lassen und zu vitalisieren.
 
Das ist aber auch erst in dem letzten Jahrhundert »entstanden« …

… ja, hundert bis hundertfünfzig Jahre ungefähr. Es hat ja auch mit der Meiji-Restauration zu tun … als alles, was mit der Feudalklasse zu tun hatte, unterdrückt wurde. Damit wurden ja auch die traditionellen und kulturellen Dinge unterdrückt, um die japanische Gesellschaft zu verwestlichen. So mussten sich die traditionellen Künste einen neuen Weg suchen mit dem sie sich für die »moderne Gesellschaft« wieder interessant machen konnten. Für die Kampfkünste war das natürlich, sich als »Weg« (Dō) für die Persönlichkeitsentwicklung darzustellen …  Weil nach dem 2. Weltkrieg, als Japan von Amerika okkupiert war, alles, was mit Militär zu tun hatte, unterdrückt wurde, blieb ihnen nichts anderes übrig, als einen Weg zu suchen »um am Leben zu bleiben«. So wurde »gesagt«, die Kampfkünste sind ein »Weg des Friedens« … – das spielt da alles mit hinein.

… irgendwer erfand den Mythos, um nicht Unsinn zu sagen, dass diese oder jene »Japanische Kampfkunst – oder Sportart« besonders gefährlich sei und so von den Amerikanern verboten worden sei …

… nein, da ist nichts dran. Es wurde nicht aktiv unterdrückt, aber zum Beispiel waren die Kampfkünste auch ein Fach an den Schulen. Das wurde verboten. Die offizielle Unterstützung wurde gestrichen – was die Leute privat machten, war vollkommen privat.

Sie haben einen Lehrer gehabt, dem, wenn ich mich richtig an Ihre Worte erinnere, Sie bis zum Ende Ihres Studiums gefolgt sind – Sasaki sensei. Was hatte er an sich, das Sie faszinierte?

Das ist einfach zu erklären, ich habe an der Universität mit dem Aikidō begonnen – der Lehrer, der diesen Unterricht gab, war Sasaki sensei. Es blieb mir nichts anderes übrig als ihm zu folgen. Ich mußte ihn als meinen Lehrer annehmen – so ist das in Japan (lacht). Das hat nichts mit Politik zu tun, auch hat man keine Möglichkeit sich jemanden auszusuchen… Das ist der Lehrer, dem folge ich.

Ich stelle diese Frage, da ich weiß, dass Sasaki sehr spirituell und stark mit dem Schintōismus arbeitete und zelebrierte …

… sowohl Tada, als auch Sasaki waren Nakamura Tempus Schüler und waren dadurch spirituell beeinflusst. Deshalb betonten beide die spirituelle Seite sehr … – ich selbst habe dahin gehend keine nennenswerte Erfahrung. Sasaki sensei war zwar mein Lehrer, aber in der Richtung bin ich ihm nicht gefolgt. Anderseits, als ich mit dem  Aikidō begann, redete Sasaki sehr wenig. An der Uni wird etwas gezeigt ohne große Erklärung und das mussten wir Studenten nachmachen. Erst mit zunehmenden Alter hat Sasaki sensei begonnen zu reden, auch während des Trainings. Er ist mit zunehmenden Alter gesprächiger geworden – allerdings war ich zu dieser Zeit bereits im Hombu angestellt. Ich war uchi deshi im Hombu … da orientierte ich mich als Angestellter an Doshu. Auch hatte ich andere Lehrer vor meinem inneren Auge – diese wollte und konnte ich kopieren. Deshalb war für mich der spirituelle Einfluss eigentlich nicht vorhanden.

Das was Nakamura Tempus lehrte, was man dann auch von Sasaki sensei hören konnte – und was man übrigens heute noch von Tada sensei hört – das sind Dinge die teilweise äußerst schwer verständlich sind, weil ein Vokabular verwendet wurde und wird, das für »Normalsterbliche« nur sehr schwer nachzuvollziehen ist. Man muss diesen Vorträgen schon Jahre folgen, um sie einigermaßen »verstehen zu können« - zumal Tada sensei auch ein spezielles Vokabular verwendet.


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