Gespräch mit Dan Ionescu aus Bukarest.

Aikido ist ein »universelles Gut« geworden, das nun nicht mehr nur »zu einer Kaste« gehört.


Dan Ionescu in seinem Büro in Bukarest.

Herr Ionescu, Sie sind Präsident des Rumänischen Aikido Verbandes, bitte erläutern Sie, welche Position Ihr Verband in Rumänien einnimmt.

Es gibt zwei Aikidoverbände in Rumänien; ein weiterer Verband hat sich von uns abgespalten. Ich nehme an, dass Ihnen bekannt ist, dass sich Aikidoverbände auch spalten. (lacht) Aikidoverbände sollten sich eigentlich nicht spalten, aber die Menschen sind überall gleich. Vor 15 Jahren, eigentlich schon vor 1990, wurde unser Verband gegründet. Wir sind um Vieles größer als der andere Verband. Im Laufe der Jahre hat der Verband interessante und weniger interessante Veränderungen erfahren. Interessant ist, dass wir in Rumänien eine Expansion auf mittlerweile 28 Dojos verzeichnen können, in denen, die Zahlen schwanken jedes Jahr, ca. 4'000 Aikidoka praktizieren.

Einige Jahre arbeiteten wir auch mit der Rumänischen Gendarmerie zusammen und bereiteten diese auf Einsätze vor. Das war eine sehr interessante Aufgabe für uns, da es sich um Sondereinheiten mit sehr kräftigen jungen Männern handelte, die Ordnung schaffen sollten, ohne selbst zu Schaden zu kommen, und die auch keinen allzu großen Schaden anrichten sollten, denn sie waren ja darauf geschult, sofort zu Knüppel und Schild zu greifen… Im Laufe des Kurses lernten sie, dass eine ruhige freundliche Einstellung oft effektiver ist als der Einsatz von Knüppel und Schild, denn nach der 89-iger Revolution waren alle Menschen in Rumänien vulnerabel [verletzbar]. Niemand, weder die Behörden noch die Zivilbevölkerung, wusste wirklich, wie man sich verhalten sollte. Es kam oft vor, dass die Zivilbevölkerung aggressiv, die Behörden aber eingeschüchtert reagierten, was aber sicherlich auch in anderen Ländern passieren kann.

Des Weiteren arbeiten wir auch mit vielen Schulen, also Bildungseinrichtungen zusammen. So gibt es Schulen, auch eine in Bukarest, in denen von der ersten bis zur letzten Klasse im Sportunterricht Aikido gelehrt wird. Aber ich muss eingestehen, dass es vielen keine Freude bereitet, dass sie Aikido »machen müssen«.

Wir haben auch eine Übungsleiterschule, durch die jeder gehen muss, der ein Dojo eröffnen will. Dort werden jedoch keine Aikidotechniken vermittelt, was zwar auch wichtig ist, sondern Dinge, wie man sich bei Unfällen verhält, welche Arten von Unfällen gibt es etc. … es geht also um den Schutz der Praktizierenden, aber auch ums Management, denn ein Dojo zu leiten erfordert ein breites Wissen.

Unser Verband ist dem Aikikai nicht angegliedert. Ich möchte Ihnen erläutern, warum das so ist. Vor der Revolution war alles verboten. Wir haben 1974 begonnen, Aikido zu praktizieren. Kontakte ins Ausland und so auch zu ausländischen Aikidomeistern waren quasi nicht möglich. Wir versuchten natürlich trotzdem Kontakte zu bekommen. Leider haben sich nur zwei Personen diesem Risiko ausgesetzt. Ein Deutscher, der ehemalige Leiter des DAB, Rolf Brand, und Herr Daniel Brun aus Frankreich, der dort den traditionellen Aikidoverband leitet.
Nach der Revolution haben wir den Aikikai angeschrieben, die rumänische Situation erklärt und gleichzeitig um eine technische Unterstützung gebeten. Leider kam keinerlei Reaktion seitens des Aikikai, vielleicht weil die Situation 1990 in Rumänien noch sehr instabil war. So blieb uns nicht anderes übrig, als die beiden oben genannten Herren erneut anzusprechen. Da Herr Daniel Brun eine außerordentlich offene Person ist, engagierte er sich mit viel Leidenschaft. So kam es, dass wir unsere Verbindungen zwar zum europäischen Aikido erweitern konnten, nicht aber zum japanischen.

Ein Teil unseres Verbandes hat sich aber abgespalten und hat dann anlässlich eines Besuches in den Vereinigten Staaten Kontakt zu einem japanischen Meister aufgenommen. Somit ist der zweite Verband an den Aikikai angeschlossen. Wir sind freundschaftlich miteiandern verbunden, trainieren zusammen und organisieren gemeinsame Veranstaltungen.

Sonst gibt es weiter nichts Besonderes über unseren Verband zu berichten. Alle Übungsleiter sind ehrenamtlich tätig, aber das ist wohl in allen Ländern so. In Rumänien kann keiner vom Aikido leben.

Menschen wie ich und andere, die finanziell abgesichert sind, unterstützen die Verbände finanziell, damit die Übungsleiter internationale Lehrgänge besuchen können.
So, das wäre eigentlich alles, was ich dazu zu sagen hätte, haben Sie vielleicht noch Fragen?

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