Gespräch mit Michael Ibers aus München.

Eigentlich wollte ich mit Antiquitäten handeln, das lief aber schief… Dann ergab sich ein einjähriges Engagement als Deutschlehrer – daraus wurden dann schliesslich 10 Jahre Japan. Ich fand meine zweite Heimat.


Micheal Ibers während unseres Gespräches in München.

Michael, Du warst gerade in Japan?

Ja, jedes Jahr versuche ich mindestens einmal »rüber zu fliegen«, in meine zweite Heimat, denn ich habe zehn Jahre in Japan gelebt.

So zog es mich mit zwanzig anderen Aikidokas im Frühjahr wieder dort hin, um an einem gasshukus mit Watanabe Sensei teilzunehmen zu können. Wir sind nach Izu, südwestlich von Tokyo auf's Land gefahren und haben dort eine Woche direkt am Meer trainiert. Nächstes Jahr will ich, wenn es mir möglich ist, zwei Monate am Stück dort bleiben, um auch intensiver Iaido zu trainieren.

Meine Lehrer sind nun auch nicht mehr die Jüngsten, eben 74 und 86 Jahre, da muss man schon dran bleiben.


Was hat Dich denn damals für zehn Jahre nach Japan gezogen?

Ohh, das ist eine lange Geschichte, ich habe vor ca. 25 Jahren bei Georgio Saphia hier in München mit dem Aikido angefangen. Er organisierte dann eine vierwöchige Reise nach Japan, wir waren, ich meine, 16 Teilnehmer. Trainiert haben wir im Honbu-Dojo und bei Hiroshi Tada Sensei, denn Georgio war eigentlich Tada-Schüler. Drei Freunde und ich blieben dann statt vier Wochen gleich drei Monate. Mit dem Ergebnis, das ich da schon eigentlich nicht mehr weg wollte. Da ich aber keine Arbeit hatte, musste ich wieder zurück. Ich war ein Jahr oder mehr in Deutschland, als sich mir die Gelegenheit für einen weiteren einjährigen Japanaufenthalt bot. Daraus wurden dann zehn Jahre.


Die Gelegenheit, was heisst das genau?

Ich wollte mit einer Freundin einen Antiquitätenhandel aufziehen, was aber schief lief. Ein guter Freund half mir dann, eine Stelle als Deutschlehrer zu finden, was ich dann zehn Jahre machte.


Wie hast Du Watanabe Sensei kennen gelernt?

Das ist auch auf meinen ersten Lehrer zurückzuführen, denn er lernte Watanabe Sensei im Honbu-Dojo kennen. Sie kamen gut miteinander aus, so lud er Watanabe Sensei für zwei Monate nach München ins Dojo ein. Zwei Monate, das ist natürlich ein sehr lange Zeit. So habe ich ihn kennen gelernt und bin noch heute sein Schüler.


Euer Dojo, das Aikido-Zentrum München, hat mehrere Lehrer, folgen alle Watanabe Sensei.
Wir sind fünf Lehrer, Erich Sämmer, Andreas Hendrich, Klaus Hagedorn, Doris Thomassen und ich. Vier sind Schüler von Watanabe Sensei und Doris ist Schülerin von Heinz Patt Sensei und Tamura Sensei.


Wann wurde das Dojo hier gegründet?

Als ich noch in Japan war, hat Erich Sämmer das Dojo gegründet. Das ist jetzt über 7 Jahre her. Doris, Erich und Klaus unterrichten von Anfang an dort.
Nach meiner Rückkehr habe ich ein Stunde übernommen, mittlerweile gebe ich auch noch am Freitagmorgen eine zweite Unterrichtsstunde. Auch Andreas übernahm eine Stunde, als er aus Japan zurückkehrte.


Aikido-Zentrum hiess es, heute heisst es »Ken Shin Kai Aikido-Dojo«.

Ja, Watanabe Sensei hat uns jetzt den Namen »ken shin kai« gegeben.


Du erwähntest bisher Sensei Tada und Watanabe, waren das Deine einzigen Lehrer?

Du vergisst, ich war zehn Jahre im Hombu-Dojo. Da habe ich bei allen Lehrern trainiert. Das war die Blütezeit, aus meiner Sicht. Alle waren noch da. Kisshomaru Ueshiba unterrichtete noch, Montagabends und Dienstag früh Yamaguchi Sensei, Arikawa Sensei, der ja leider gerade verstorben ist. Osawa Sensei hat da auch noch gelebt und Ichihashi Sensei. Watanabe Sensei unterrichtete damals, mit sechs Stunden am fleissigsten, im Hombu. Shibata Sensei war auch noch da, bis er nach Amerika ging. Meinen sho-dan aber habe ich bei Tamura Sensei in Europa gemacht.

Viele der Senseis, die heute im Hombu unterrichten, waren damals Uchideshi. Man kann sagen, dass gerade ein grosser Generationswechsel stattgefunden hat. Selbst Tada Sensei unterrichtet nicht mehr, er gibt nur noch spezielle Kurse.

Die Alten sind eigentlich alle raus oder verstorben, Endo Sensei und Masuda Sensei mit Anfang bis Mitte 60 sind wohl die Ältesten heute. Abgesehen von Watanabe Sensei.

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