Gepräch mit Miyako Fujitani aus Osaka in Japan.

Ich weiss nicht, ob das harte Leben, das ich gelebt habe als leidvoll bezeichnet werden kann. Da meine Kinder nun erwachsen sind und ihren eigenen »Weg« gefunden haben,

Miyako Fujitani in ihrem Dojo in Osaka.
Miyako Fujitani in ihrem Dojo in Osaka.

Ich habe mich entschlossen, mein eigenes Leben zu leben, den Rest dieses kostbaren Lebens. Indem ich meiner inneren Stimme und der Weisheit folge, die ich durch meinen bitteren Kampf mit dem Schicksal erreicht habe. Durch das Schreiben dieses Buches erhoffte ich, von der Belastung befreit zu werden, die ich selbst tragen musste, nachdem Steven Seagal plötzlich in die Vereinigten Staaten zurückgekehrt war und unsere Familie, das Dojo und mich zurückgelassen hatte.

Heutzutage arbeiten viele Frauen, auch in Berufen, die früher nur von Männern ausgeübt wurden. Es ist nichts Aussergewöhnliches für eine Frau, gleichzeitig zu arbeiten und Kinder zu erziehen. Aber bei mir war es anders, denn ich musste meine Familie durch das Unterrichten von Aikido unterstützen.

Auch wenn Aikido keine wirklich offensive Kampftechnik ist, war es doch zu Beginn eine Kampfkunst, die überwiegend von Männern ausgeübt wurde und ich musste aufgrund der Kinder lange auf das Training verzichten.

Es ist beschämend für mich als Aikidolehrerin: Eines Tages während des Trainings habe ich einen Fehler gemacht und mich dadurch an beiden Knien verletzt. Dies ist vor langer Zeit geschehen. Vor allen Dingen mein rechtes Knie schmerzt sehr, so sehr, dass wenn ich Treppenstufen auf- oder absteige, ich gezwungen bin, die Handleisten zu benutzen.

Durch die Akupunktur, die ich auf mich selbst angewandt habe wurden meine Knie viel besser bis ich mal wieder in einer Unterrichtsstunde eine schlechte Drehung machte, die beinahe zu einer Verletzung führte.

Wenn man ein wundes Gelenk hat, dann ist man immer vorsichtig, wenn man eine Technik ausführt. Dann muss man sich immer bemühen nicht die gleichen Verletzungen wieder zu verursachen.
Von diesem Tag an dachte ich viel zu viel an diesen Unfall, was dazu führte, dass ich mich nicht genug bewegt habe. Die Würfe hatten ein schlechtes Timing, usw. Das Ergebnis war, dass mein Uke voll auf mein verletztes Knie gefallen ist. Dank der grossen Erfahrung meines Ukes und wahrscheinlich auch durch den günstigen Aufprallwinkel war die Verletzung nicht so schlimm.
Im Aikido sollte der Partner ins Ukemi gehen, wenn er geworfen wird oder während des Atemis. Es gab schon immer Leute, die meinten, sie müssten zeigen wie stark sie sind, indem sie das Ukemi verweigerten. Wenn man aber zu Techniken kommt wie z.B. Iriminage, dann kann man sich gut vorstellen, was für Folgen ein dauerhafter Widerstand hat: ein verletzter Hals oder Schulter.

Das gleiche passiert mit Ketegaeshi, wenn der Partner Widerstand gegen das Ukemi zeigt. Uke wird früher oder später ein gebrochenes Handgelenk haben.
Stellen wir uns vor, dass Sie beim Laufen überfallen werden und jemand will Sie mit einem Messer erstechen. Die, die sich gegen ein Ukemi wehren, werden es nicht schaffen, mit Hilfe von Tenkan (Ausweichen), eines der Basisprinzipien des Aikidos, aus der Angriffslinie zu entkommen. Wird ihr Körper fähig sein, die Situation automatisch wahrzunehmen, richtig zu reagieren und die notwendigen Bewegungen machen? Ich glaube nicht.

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