Ulf Evans

Ich möchte mein Aikido technisch und spirituell so orientieren, wie es auch der Begründer Osensei getan hat.


Ulf während unseres Gespräches in Klausenburg (Cluj-Napoca) 2014 …

AJ: Welche Rolle haben Sie in der IAF, die jetzt im September in Klausenburg (Cluj-Nacopa) tagt?

Ich bin dazu verpflichtet, in den Sitzungen anwesend zu sein, die alle 4 Jahre irgendwo in der Welt stattfinden. Das letzte Mal fand sie in Moskau statt, dieses Jahr ist sie hier. Für gewöhnlich wird zur selben Zeit ein Lehrgang organisiert, in dem die Mitglieder auch einige Stunden übernehmen. Ebenso unterrichtet auch Waka Sensei, der ein direkter Erbe des Begründers ist. Zudem werden weitere Lehrer aus dem Ausland eingeladen, so z. B. Christian Tissier Shihan und ich.

AJ: Wer ist der Vorsitzende des Komitees?

Das ist Peter Goldsbury, er ist der Präsident.

AJ: 2011 hat das Komitee also das letzte mal getagt, oder?

Nein, das war 2010. Da fand zudem eine weltweite Sitzung in Peking statt. In 2013 fand sie dann in St. Petersburg statt. Die Wahl der Komitee-Mitglieder wurde auf dem Kongress der IAF 2012 durchgeführt.

AJ: Warum machen Sie Aikido?

Oh, es ist eine etwas ungewöhnliche Geschichte. Ich habe mir in meiner Studentenzeit mit einem Kollegen eine kleine Wohnung geteilt. Allerdings hatten wir außer einem kleinen Waschbecken keine weitere Wasserquelle, also auch keine Waschmöglichkeit. Duschen kannten wir nur vom Hören-Sagen. Auch war die Toilette außerhalb der Wohnung – allerdings war das damals eben so – eine Dusche zu haben, war auch nicht unbedingt bezahlbar.
Unweit unserer Behausung in Göteborg gab es ein Karate-Dojo, in das wollte mich mein Freund mitschleifen, aber es kam immer irgendetwas dazwischen, auch fehlte der Anreiz dieses unbekannten Sportes – man kannte es nur aus den Bruce-Lee-Filmen. Aber nach einiger Zeit bin ich doch mit ihm mitgegangen. Das Training selbst war ein Bewegen, ein Erlernen von Koordination der Gelenke – aber es gab einen Raum mit Duschen! (lacht) So hatten wir einen guten Grund, regelmäßig zu trainieren. (lacht wieder)

AJ: Wie kamen Sie zum Aikido?



Es gab nur einen Mann um die 60, der in Göteborg etwas mit Aikido zu tun hatte, allerdings nicht wirklich auf einer professionellen Ebene. Er gab zudem auch Kurse in Ju-Jutsu und Gymnastik, darin war er wirklich gut, im Aikido leider nicht so sehr, aber er gab sich wirklich Mühe. Er war ein herzensguter Mensch und zeigte wirklich viel Elan, weswegen wir bei ihm blieben. Schließlich fanden wir neue Möglichkeiten, uns weiterzuentwickeln, aber das war der Anfang meiner Karriere. Ein wirklich merkwürdiger Anfang …

AJ: Erinnern Sie sich an die Lehr-Stile, die Sie in den ersten Jahren beeinflusst haben?

Er war ein Schüler von Nishio Sensei und Saito Sensei: Takeji Tomita Sensei. 1969 kam er nach Schweden und wurde mein Lehrer oder zumindest mein Senpai in der Gruppe, in der ich damals trainierte. Nach ein paar Jahren bin ich dann nach Japan gegangen und lernte unter Saito Sensei.

AJ: Wie standen Ichimura  Sensei und Tomita Sensei zueinander?

Tomita war ein Schüler von Nishio Sensei und Saito Sensei, wie ich schon sagte, deswegen interessierte ihn neben Nishio Senseis Stil auch der von Saito Sensei, insbesondere die Waffen, also Ken und Jo, faszinierten ihn. Als Japan dann weltoffener wurde, gab es allerdings schon einen Schüler von Nishio Sensei in Schweden, Toshikazu Ichimura. Ihre Gemeinsamkeit bestand also darin, dass sie beide Schüler Nishio Senseis waren, das verband sie auch. Tomita Sensei war allerdings von Zeit zu Zeit Uchi Deshi in Saito Senseis Dojo, sodass er sich besser entwickeln konnte, bevor er 1969 schließlich nach Schweden kam.

AJ: Er kam wegen seiner Frau nach Schweden, oder?

Oh, nein. Er war erst 27 und Junggeselle, folglich hatte er keine Ehefrau. Er war wirklich ein glücklicher, junger Japaner. Ichimura Sensei hat nach einigen Jahren eine Schwedin geheiratet. Später ließ er sich wieder scheiden, seine Kinder blieben allerdings in Schweden, während er 1986, denke ich, zurück nach Japan ging. Tomita ist immer noch in Schweden, allerdings fehlt ihm ein Nachfolger.

AJ: Wieso ist es bei Ihnen beim Aikido geblieben?

Ich weiß es, um ehrlich zu sein, nicht. (lacht) Ich kann einfach nicht ohne sein. Es ist eine Lebensweise. Als ich noch jünger war, dachte ich immer, wenn ich etwas ausprobiert hatte: „Das reicht jetzt, machen wir was anderes.“ Deswegen blieb ich oft nur zwei Wochen in einem Verein und ging dann zum nächsten. Aikido ist die Ausnahme, weil es, wie vieles andere, Teil meines Lebens ist. Es könnte also z. B. in einer Beziehung zu einem Problem werden, wenn man sich zu stark auf Aikido konzentriert. (lacht) Es passt wahrscheinlich einfach zu meiner Natur, zu dem, was ich bin. Außerdem hat Morihiro Saito Sensei mich wirklich oft inspiriert und mir neue Kraft und Energie gegeben weiterzumachen. Allerdings habe ich keine rationelle Erklärung, wieso ich beim Aikido geblieben bin und es auch bis an mein Lebensende tun werde. …


Möchten Sie gerne mehr lesen – wir veräußern das AJ:

https://www.aikidojournal.eu/Deutsche_Ausgabe/2015/

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