Gespräch mit Endo Sensei aus Nagano in Japon.

Aber als ich O’Sensei im Hombu Dojo begegnete, wie er da stand, seine Gestalt. Also nicht nur die Gestalt, sein Blick und sein Auftritt.


Endo Sensei während Gespräches in Liechtenstein.

Ich veröffentlichte bereits in der 2. Ausgabe des Aikdojournal von 1997 ein Interview mit Ihnen. Sie sind 1942 geboren und haben mit 21 Jahren, also 1963, mit Aikidotraining begonnen.

Ja, ich bin 1942 geboren und habe mit
19 Jahren angefangen, Aikido zu studieren.


Also 1961, nicht 1963. Können Sie sich noch an Ihre Anfänge besinnen?

Oh ja!


Sie haben vor dem Aikido Judo trainiert, welches Erlebnis liess Sie oder Ihr Herz sich für Aikido entscheiden?

Nein, ich kann nicht behaupten, dass ich mich vom Judo abgewandt habe. Zum Aikido habe ich mich gewandt, weil verschiedene Aktivitäten an der Universität angeboten wurden. Unter anderem gab es eben auch einen Klub, in dem Aikidotraining angeboten wurde.


Was hat Sie daran mehr begeistert als »Judo«?

Ich wusste nicht, was Aikido ist, ich hatte nie davon gehört oder etwas davon gesehen.


Da Sie heute, hier in Liechtenstein als Aikidomeister auftreten, muss es doch etwas gegeben haben, was Sie beeindruckt hat?
Selbst verständlich gab es Momente und Dinge, die mich beeindruckt haben. Als Hauptgrund möchte ich sagen: Es war der Moment, als ich den Begründer des Aikidos kennenlernte, ihm begegnete. Das war natürlich zum einen seine Persönlichkeit. Damals habe ich noch nicht viel über den »waza« gewusst, das war mir nicht bekannt. Ich kann nicht behaupten das ich eine Ahnung davon hatte. Aber als ich O’Sensei im Hombu Dojo begegnete..., – ...wie er da stand –, seine Gestalt. Also nicht nur Gestalt, sein Blick und sein Antritt. Das war sehr eindrucksvoll. Da sah ich, oder besser habe ich gelernt, was aus einem Menschen werden kann, wenn er den Weg des Aikido geht. Das war sehr beeindruckend. Das kann ich jetzt im Nachhinein so sehen. Aber damals war es »nur« eine wunderbare Erscheinung mit einer gewissen Ausstrahlung.
Das war es, was sie im Aikido gehalten hat, ich meine jetzt im Vergleich zum Judo?

Zu dem Zeitpunkt habe ich nicht mehr auf Judo geachtet.


Wissen Sie noch, wann das war, als Sie O’Sensei begegneten?

So ungefähr nach einem Jahr, nachdem ich mit Aikido begonnen hatte. Das muss dann ca. 1962 gewesen sein, ich war zwanzig Jahre.


Diese Begegnung hat Sie also mehr überzeugt, als das Training mit Ihren direkten Lehrern?

Nein, es war nicht »die Beeinflussung« oder deswegen, weil ich »so« beeindruckt war, es war mehr... – eine Art von... – Umarmung. Ich meine nicht die Art von Schockzustand, ‘eehm’, nicht etwas, das mich sozusagen wie »eingesaugt« hätte – wenn Sie wissen, was ich meine. Ich glitt nicht bedingungslos hinein. Nein, es war mehr ein Hineinfliessen.


Ihre persönliche Entwicklung als Anfänger, wann hat die sich und aus welchen Gründen geändert.

Diese Frage hat mich am Anfang weniger beschäftigt. Ich kann auch jetzt noch nicht sagen, es hat an diesem oder jenem Punkt angefangen, das ich das »KI« spürte, das ist schwierig zu erklären. Ich könnte nicht behaupten, heute mehr »KI« zu spüren. Ich weiss, dies hört sich komisch an, in meiner Position. Doch, je mehr man von »KI« redet, als ob es etwas besonders sei, umso eher kann der Eindruck entstehen, es handle sich um »Hokuspokus«. Diese Gefahr besteht einfach, wenn man so über »DAS KI« redet. Wenn ich gefragt werde, was »KI« bedeutet, so kann ich nur sagen, dass es für mich all das ist, was auf dieser Welt existiert und durch dieses »KI« in seiner Existenz bestätigt wird. So ist es z.B. auch beim »Keiko«, beim Training oder beim Essen, oder wenn ich meine Hand hebe und nach unten bringe – das kann eigentlich jeder. Aber das»KI« an sich ist es, was uns dies alles ermöglicht.

Alle Gegenstände, die uns hier umgeben, hier existieren, die alle haben ein »KI«. In Japan heisst es z.B. »Denki«, also »elektrisches Ki«. Alle Dinge, die uns umgeben, werden durch ihr »KI« zu einem Wesen. Dies Art zu denken, ist die Grundlage des Taoismus. Über den Taoismus habe ich das gelesen und entdeckt. Das gab mir den sogenannten »Aha-Effekt«! So bin ich dahinter gekommen. Also nicht, dass ich das so entdeckt habe und mich dann anpasste. Es waren einfach meine Gedanken, die dadurch verbalisiert werden konnten und zum Ausdruck gebracht werden konnten.

Yamaguchi Sensei hat die KI-Gesellschaft gegründet. Das war ungefähr 10 Jahre, nachdem ich anfing, mich mit Aikido zu beschäftigen, zu dem Zeitpunkt sagte er, »KI« ist überall. Wenn eine Absicht gefasst wird, dann ist das »KI« schon vorhanden. Wenn ich denke, Bier zu trinken, dann ist dieses »KI« bereits vorhanden.

Zu dem Zeitpunkt habe ich nicht so ganz verstanden was Yamaguchi Sensei damit meinte. Aber nach und nach konnte ich das Nachvollziehen. Ok, ich habe vorhin von Taoismus gesprochen, und was Yamaguchi Sensei auch zum Ausdruck brachte. Das sind die Punkte, die ich dann auch erkannte. Die Frage mich natürlich, ob ich es auch genau so verstanden habe, wie er es meinte? Aber vielleicht gibt es Menschen, denen dieses Bier gut schmeckt und anderen wiederum nicht. Es ist ein und derselbe Sachverhalt, der von verschiedenen Menschen unterschiedlich verstanden wird.

In Japan sage ich, wenn ich mich hingezogen fühle, »Ki ga areba«, »wenn das ‘KI’ existiert«. In dieser Bedeutung ist das mehr Intention, wo man ist. Da ist eine Person, eine hübsche Frau, und wenn dann mein »KI« sozusagen dort hingezogen wird, ja dann ...

Ki kann unterschiedliche Bedeutung haben, und unterschiedlich eingesetzt werden, dann wird es auch in einem unterschiedlichen Sprachgebrauch eingesetzt, in diesem Sinne ist es omnipräsent.

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