Thomas Domroeß, AJ 68DE

Das Unterrichten bereitete mir Freude

Aikidojournal Interview

„Später kamen natürlich die unterschiedlichen Meinungen zum Aufbau des Training oder zur Realisierung einer Prüfungstechnik hinzu … was normal ist, denn jeder hat seine eigenen Vorstellungen, wie man etwas umsetzt. Aber bereits dort bemerkte ich die Präsenz des Aikido in meinem Leben – eine Wichtigkeit, die in meinem „Arbeitsleben“ immer mehr Raum einnahm. Die Unzufriedenheit im stressigen Alltag gab dann den Ausschlag… dazu kam eine unbefriedigende Situation hier in Hamburg – es war nicht das Aikido, welches ich in Düsseldorf gelernt hatte. Es gab noch den Bernd Seipel, der sehr gut war – aber er hörte irgendwann einfach auf. Es entstand ein Vakuum. Für mich stand eine Endscheidung an: Job und irgendein Aikido, oder 100% Aikido. Dazu die Überlegungen, die wir ja eben schon besprachen, wie Kredit und, und, und … 100 % Unternehmensrisiko eben.“
Das Risiko wäre sicherlich geringer, wenn einige „unterentwickelte Dojos“, Dojos mit wenigen Mitgliedern schließen würden.

„Ich kann mich ja glücklich schätzen mit meinen Zahlen, Du hast es ja eben gesehen, und das waren die Teilnehmer an einer Vormittagsstunde, nicht um sieben Uhr, sondern um zehn Uhr. Dieses biete ich zwei mal in der Woche an – wenn ich es vier mal anbieten würde, würde es sicherlich auch angenommen, nur müsste ich dann wohlmöglich, für die, die einen ninetofive Job haben, noch Trainingsmöglichkeiten vor sieben Uhr anbieten.
Aber diesbezüglich müssen wir uns auch noch intensiv umstellen – ich sah es gerade wieder in Japan – die Massen drängen sich am Wochenende ins Dojo. Viele morgens, abends sind es weniger, aber am Wochenende … In Japan arbeitet man täglich mehr Stunden als hier.
Ich unterhielt mich mit einigen Professionellen, die unisono sagten, dass Montag der freie Tag ist. Doch am Wochenende kommt man kaum zum Atmen. Biete doch mal Samstags oder Sonntags in Deutschland den ganzen Tag Training an, das Ein oder das Andere wird sicherlich angenommen, aber ganztägig, an beiden Tagen – permanent … unmöglich; unser Sozialleben ist komplett anders.“

Wie sehen denn Deine Stunden aus?

„Die Zeiten verschieben sich, das bemerke ich in meinem Dojo – auch hier müssen die Leute immer mehr arbeiten, also muss ich ein adäquates Trainingsprogramm anbieten .
Ich habe das Programm von Meister Asai annähernd kopiert, auch was den Aufbau angeht, also 18:30 – 19:30, 19:30-20:30 und 20:30-21:30 – mal abgesehen vom der individuellen Leistungsfähigkeit, und der favorisierten Trainingsmethode, kann ich hundertprozentig sagen, dass für viele 18:30 Uhr zu früh ist. Für einige, die um 17:00 Uhr Feierabend haben, ist 18:30 Uhr schon fast zu spät … denn wenn die erst einmal nach Hause gehen, haben sie einen Magneten im Sofa.
Die dritte Stunde ist oft ein Problem, weil man nach den Training in einem Hoch schwebt und oft 2 Stunden benötigt werden, um „herunter“ zu kommen – dann etwas essen und vielleicht um sechs Uhr aufstehen … Familie … tja, das wirft einiges durcheinander. Und die, die es semiprofessionell anbieten haben dann noch das Problem, dass sie selbst arbeiten, und auch nicht so spät nach Hause kommen wollen – das dann noch jeden Abend, da hängt der Haussegen schneller schief als man denkt.
Ja, es ist richtig und schade, dieser Drang schnellstmöglich Lehrer zuwerden. Es ist in meinen Augen in Ordnung, wenn jemand sagt, ich mache es ‚just for fun’ und man kann sein Aikido machen. Wenn dann auch noch die Miete und die Nebenkosten gedeckt sind und Lehrgangsbesuche von der Steuer abgesetzt werden können, was will man mehr – wenn all dies aber nicht gegeben ist … Aber lass uns dieses Thema aussparen, ich las es schon zu oft im AJ – denn dann ist nach meiner Meinung das Herz nicht mehr dabei.“

Das höre ich auch oft, „du betrittst ein Dojo und spürst, dass da etwas nicht stimmt, man spürt kein Herz klopfen“ …

„Willst Du noch einen Tee?“

© Copyright 1995-2019, Association Aïkido Journal Aïki-Dojo, Association loi 1901