Aikido in Osnabrück mit Hans Bruning.

Das erste Aikido Dojo Deutschlands entstand in Münster, das zweite in Osnabrück, damals … das war 1967


Hans während unseres Gespräches in Osnabrück.

1975, im Alter von 14 Jahren begann mein heutiger Gesprächspartner Hans Bruning im Aikido Dojo von Osnabrück, unter Fritz Birkemeier, mit Aikido. Dazu kam es, weil es in der Schule einen Neuen gab, und der hatte schon ins Aikido hineingeschnuppert. „Nachdem ich meinen Schulfreund fragte was Aikido ist, machte ich ein schmerzhaftes Erlebnis mit einem hartem Aufprall auf dem Schulhof – Gott sei Dank hatte ich im Judo die Fallschule gelernt – meine Erfahrung. Ich war sofort beeindruckt und nahm am nächsten Training teil.
Die damalige Aikido Gruppe war dem Aikikai Deutschland angeschlossen. Neben Münster wo alles begann, kam recht bald Osnabrück hinzu – „Ende der 60 er“ – und somit gehört Osnabrück mit zu den ältesten Aikido-Gruppen in Deutschland.
Da Fritz Birkemeyer aus persönlichen Gründen 1980 mit dem Aikido aufhörte und die Leitung der Gruppe weitergab, zerfiel diese gänzlich.
Auf Bitten des damaligen Judo-Trainers vom Osnabrücker Sport Club, der sich zwischenzeitlich mit einem Fitness-Center selbstständig gemacht hatte und alle Budoka aus dem Osnabrücker Sport Club ‚mitnahm’, wurde diese Tradition von mir weitergeführt. Aufgrund beruflicher Gründe konnte ich das Training dann nur noch am Wochenende aufrecht erhalten, was dazu führte dass ich den Verein wechselte und mich mit ein paar Schülern dem Judo Club Osnabrück anschloss, da dieser über ein ‚richtiges Dojo’ verfügte und mir das Trainieren am Wochenende ermöglichte.
Die Brüder Friedhelm und Erich Kückelhahn leiteten dieses Dojo – sie waren Pioniere für Judo und Karate in Osnabrück und über die Landesgrenze hinaus bekannt. Deren Schwager, Heinz Wölkie ist es letztendlich auch zu verdanken, dass Aikido nach Osnabrück kam. Denn Heinz Wölkie war der, der Herrn Asai nach Osnabrück holte.
Nach dem Tod von Erich Kückelhahn im Sommer 1985 stand das Dojo vor einer schweren Entscheidung, wie geht es weiter?

Da die Aikido Gruppe schon eine beachtliche Größe hatte, war diese Frage schnell geklärt und nachdem die restlichen Probleme beseitigt waren, wurde im Frühjahr 1986 das erste Aikido-Dojo in Osnabrück eröffnet – welches bis zum Dezember 2001 unter meiner Leitung stand.
Die gesteigerte Verantwortung im Berufsleben, meiner Familie und meinen Schülern gegenüber, stellte mich vor die Wahl, von meiner Semiprofessionalität in die Vollprofessionalität eines Aikido-Lehrers zu wechseln oder nicht. Hinzu kam die Erkenntnis, dass sich mein Lehrer / Schüler Verhältnis zu Herrn Asai in ein Geschäftsverhältnis geändert hat, bei der ich den Kürzeren zog und ich dann auch den Aikikai verlassen habe.
Ich entschied mich gegen eine Professionalität, und so schlossen wir uns 2002 den Judo Crocodiles in Osnabrück an, die auch eine entsprechende Matten-Fläche von 600 m² hatten….“

25 Jahre blieb Hans bei Meister Asai. Sobald es die Zeit erlaubte, reiste er Meister Asai – zu Lehrgängen – „hinterher“. Später plante er mit seiner Frau die gemeinsamen Urlaube im Wohnmobil, an den Orten, an denen Aikidolehrgänge der in Europa ansässigen Shihane stattfanden. Mit einer größeren Gruppe und Meister Asai reiste er 1999, ein Jahr nach dem Tod von Kisshomaru Ueshiba nach Japan. „Aber dann, dann ging es nicht mehr“, sagt er heute.“

„Osnabrück nennt sich heute zwar eine Großstadt, doch wenn sich damals vor 36 Jahren ein Japaner hierher verirrte, war das schon etwas Besonderes – wenn der dann noch Karate oder Selbstverteidigung konnte, war das ein Highlight.
Ich war 14 Jahre und dann war man auf einmal ein Schüler eines solchen großen japanischen Meisters. Wow! Dass war ‚so etwas’ Unglaubliches – nicht Fassbares. Ich versuchte das durch die Brille ‚Lehrer-Schülerverhältnis’ zu sehen. Aber auch das klappte nicht so richtig, es blieb nebulös, denn diesen Begriff kennen wir in unserem Kulturkreis ja gar nicht. Wir Europäer interpretieren dann in diesen Begriff so gleich wieder imaginäre Bilder hinein … man hat es übernommen – es wurde eine Geschäftsbeziehung – das war dann der Anfang des Endes.“

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