Gespräch mit Jacques Bonmaison aus Paris.

Das Aikido ist verdammt einfach. Das ist der Grund, warum ich es ausübe. Ich mag keine schwierigen Sachen. Wenn es kompliziert ist, dann hindert es am Genuss

Jacques Bonmaison 2002.
Jacques Bonmaison 2002.

Beginnen wir mit der üblichen Frage: Wo und wann hast du mit dem Aikido begonnen? Kannst du dich noch erinnern?

Jacques Bonemaison: Ja sicher, es war gestern. Es war zugleich gestern und schon heute.


Mit welchem Alter?

Dem Alter des Lebens...


War es nicht zu kompliziert?

Nee, das Aikido ist verdammt einfach. Das ist der Grund, warum ich es ausübe. Ich mag keine schwierigen Sachen. Wenn es kompliziert ist, dann behindert es den Genuss des Lebens, man kann ihn nicht inhalieren. Wenn es einfach ist, dann atmet man es mit voller Lungenkraft ein. Es ist genial.


Du erinnerst dich doch noch an deinen ersten Lehrer?

Ja, wenn man zu den Wurzeln zurück geht, dann war es meine Mutter, weil sie mich auf die Welt gebracht hat.


Du hast Aikido in Paris bei Briouze begonnen...

Nein, ich war schon Lehrer, als ich bei Briouze war... Ich habe angefangen, als ich geboren wurde. Vielleicht sogar schon früher.
Hast du schon andere Kampfkünste vor dem Aikido ausgeübt?

Angeblich schon, aber ich kann mich nicht mehr erinnern.


Aber weisst du noch, warum du am Aikido mehr Gefallen gefunden hast?

Weil das Aikido genial ist. Das ist so und ist alles. Weil es sicherlich das reellste Budo ist, das kompletteste, das was am nächsten einem wahrem traditionellem Budo gleicht. Und es ist absolut fundamental und lebensnotwendig, dies nicht zu schwächen, sicher eine der Gefahren, die es zu jedem Moment gibt. Wenn man eine Kunst in unsere Grenzen fassen will, dann beschränkt man die Kunst. Wir sind dann kleine Menschen und ich würde sogar sagen, dass wir Mörder sind.


Was bedeutet dir die Weitergabe des Aikidos?

Die Weitergabe des Aikidos bedeutet zuerst, es selbst zu erleben. Ich denke, dass wenn man von dem Punkt ausgeht, es weitergeben zu wollen, dann kommt man in eine Art von Pädagogik mit einem kleinen »p«, vielleicht sogar Wirtschaft. Für mich wird das Aikido nicht weitergegeben. Man erlebt es wirklich, es strahlt aus uns hinaus, und die Leute, die auf Empfang stehen, nehmen es entgegen. Es ist wie eine Mutter, die hat ihr Herz, sie schenkt es und das Kind nimmt es an. Um eine gute Mutter zu sein, braucht man nicht in sozialer Wissenschaft promoviert zu haben. Man braucht nur Herz. Das Aikido ist auch das Herz.

Warum verändert das Aikido den Menschen?

Weil das Aikido der Ursprung des Lebens ist und wir müssen noch wachsen. Das Aikido ist aus dieser Sicht ein wunderbares Werkzeug: Wenn man es annimmt und es respektiert, dann kann man nur wachsen.


Meinst du, dass wir in unserem Leben diese Möglichkeit verloren haben...

Nein, ich denke eher, dass wir dadurch diese Möglichkeit erwecken, so wie ein Samen in der Erde. Wenn er die nötigen Zutaten hat, dann wird er zur Blume. Und das Aikido hat diese Substanz, die es dem Samen erlaubt, Blume zu werden.
Welchen Platz hat die Etikette in deinem Aikido?

Die Etikette? Das ist wie wenn man auf einem Weg ist, den man nicht kennt. Die Etikette ist das, was die Ältesten aufgesetzt haben, damit wir den Weg nicht verlieren. Es ist wie bei Hänsel und Gretel, die hatten auch ihre Steinchen, um sich auf dem Weg zu halten. Die Etikette ist dafür da, ganz einfach. Und es ist wahr, dass wenn man die Etikette aufgibt, man abtreibt.

Das heisst, dass man nicht tapfer ist, weil die Etikette zeitweise etwas einengend ist. Dies lädt uns auch dazu ein, die versteckte Bedeutung der Etikette ausfindig zu machen und wenn wir in unseren »a priori« bleiben, dann tun wir es nicht. Das ist schade für einen selbst und vor allen Dingen schade für den Lehrer, wenn er unterrichtet, es ist dann auch schade für seine Schüler, denn er zeigt nicht die Essenz des Aikidos. Für mich ist es wie nicht ehrlich.

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