Gérard Blaize

TAKE MUSU AIKI (TMA) – publiziert 1987 in Byakko Press von Takahashi Hideo


Gérard Blaize in dem Dojo in der ruee des Petit Hôtels

Vielen Dank, dass Sie uns dieses Interview gewähren.
Sie haben TMA als Quelle für Ihr Buch „Aikido Worte und Schriften des Gründers in der Praxis“ verwendet?

Ich verwendete eine japanische Zeitschrift mit dem Namen « Aikido Today ».  Ebenfalls die Zeitschrift „Aikido“ des Aikikai Honbu Dojos, in der Meister Ueshiba jeden Monat etwas schrieb. Und ich habe ebenfalls TMA als Quelle genutzt. Ich verwendete also die Artikel von Morihei Ueshiba. Später dann hat sein Sohn, Kisshomaru Ueshiba Sensei ein Buch aus diesen Artikeln gemacht.
Er nannte das Buch „Shinzui Aikido“. Dieser Titel bedeutet
„das Herz des Aikido“. Ich verwendete hauptsächlich diese Quellen.

Welchen Stellenwert sprechen Sie TMA als historische Quelle zu?

Meines Erachtens ist es das erste Mal, dass man die Gelegenheit hatte, Erklärungen zum Aikido von der Person, die Aikido erschaffen hat, zu bekommen. Bis dahin waren es stets die Schüler von Meister Ueshiba, die das Aikido erklärten. Viel, nicht viel, das hing von den Leuten ab. Jedoch verfügte man über keine Texte, wir hatten keine Erklärungen. Denn als ich mit Aikido begann, sagte man uns, dass Meister Ueshiba nichts erklärte, nicht gesprochen habe. Folglich war es für mich eine Überraschung diese Texte seiner Reden zu lesen. Und ebenfalls jene Texte, die er im Publikationsorgan des Aikikai Tokyo veröffentlicht hatte. Ich sah also, dass er viel geschrieben hatte, dass aber das, was er sagte und schrieb die Leute schockieren kann. Ich habe den Eindruck, dass man seine Texte aus diesem Grunde etwas zur Seite legte. Für mich war es sehr wichtig, endlich das Aikido durch seinen Gründer erklärt zu bekommen.

In Volume 1 der Französischen TMA-Übersetzung (Editions du Cénacle) sind Sie namentlich erwähnt; es wird Ihnen vom Verleger für Ihr Wissen und Ihre Empfehlungen gedankt – sie gelten also als Experte?

Nein, nein, das Wort „Experte“ ist zu groß. Für mein zweites Buch bat ich meine Frau Chikako San, TMA zu übersetzen. Sie hat es nicht vollständig übersetzt, doch sie las es und übersetzte das, was mich für mein Buch interessierte. Sie hat ebenfalls die anderen oben erwähnten Quellen gelesen. Aus diesem Grund besass ich eine riesige Menge an Informationen, über die der Herausgeber zum damaligen Zeitpunkt noch nicht verfügte. Ich gab ihm also einige Tipps, doch ich bin kein Experte, denn ich bin nicht in der Lage, Japanisch zu lesen. Dank der ganzen Arbeit für mein zweites Buch hatte ich viele Informationen, die ich an den Herausgeber weitergegeben habe.

Es gibt Stimmen in der Aikidowelt, die behaupten, dass Osensei gar nicht der Urheber von TMA ist, sondern die Ideen von Goi Sensei unter Ueshibas Namen angepriesen werden.

Ich weiß nicht, warum dies behauptet wird. In der japanischen Ausgabe von TMA, schreibt Kisshomaru Ueshiba ganz klar, dass die vorliegenden Texte die Transkription der Vorträge seines Vaters sind.
Folglich ergibt diese Behauptung keinen Sinn. Ich denke einfach, dass es Leute gab, die ihre eigene Auffassung von Aikido hatten, und dass sie schockiert waren, als sie lasen, was der Gründer erzählte.
In diesem Sinne kann ich mir vorstellen, dass diese Behauptung so aufgekommen ist. Es gibt tatsächlich die Einführung von Goi Sensei im ersten Teil. Aber Goi Sensei war ein Freund von Osensei, also ist dies normal. Zudem ist Takahashi Sensei, der die Texte transkribierte, jemand aus Goi Senseis Sekte. So ist es ganz natürlich, dass Goi Sensei das Vorwort geschrieben hat.

Es handelt sich also wirklich um Osenseis eigenes Gedankengut?

Ja, es sind seine Gedanken. Dies ist kein Geheimnis!
Es sind Vorträge, die Osensei gehalten hat. Diese wurden aufgenommen und anschließend ab Band transkribiert.
Das ist nichts Mysteriöses!

In der japanischen Original-Publikation gibt es insgesamt 15 Bilder.
Goi Sensei und Osensei sind darauf mehrmals gemeinsam abgebildet und es macht den Anschein, dass sie sich sehr gut verstehen (unten: 2 dieser Bilder aus der japanischen Ausgabe).

Osensei sagte, dass Goi Sensei über einen anderen Weg die gleichen Erfahrungen wie er selbst gemacht hat. Aus diesem Grund haben sich die beiden so gut verstanden, was all die Fotos erklären könnte. Wenn man Osenseis Texte über seine Erfahrungen liest, stellt man fest, dass diese ganz schön erstaunlich sind. Folglich, wenn Goi Sensei ähnliche Erfahrungen hatte, ist es klar, dass sie sich gut verstanden haben, daher ihre besondere Beziehung.

Die Bilder, welche das Aiki-Jinja zeigen, legen ebenfalls eine sehr nahe Verbindung zwischen Osensei und Ihrem Lehrer Michio Hikituschi Sensei nahe.

Tatsächlich gab es eine sehr starke Verbindung zwischen Hikitsuchi Sensei und Osensei – dies ist klar. (UK: Ich spreche vom Foto « Großes Festival vom Aiki-Jinja ».) Ja, ja, dieses Bild spricht für sich, denn man sieht Hikitsuchi Sensei hinter Osensei. Er macht das gleiche Gebet. Es ist eine sehr starke Verbindung zwischen Lehrer und Schüler. Zwischen Goi Sensei und Osensei ist es eher eine Verbindung zwischen zwei Menschen, die eine ähnliche spirituelle Gabe haben. Als sein Schüler hatte Hikitsuchi Sensei eine sehr starke Verbindung zu Osensei, er engagierte sich vollkommen für die Arbeit seines Lehrers, und ich denke, dass er ihm sehr nahe stand.
Wohlgemerkt auf der Ebene: Lehrer-Schüler.

Bemerkenswert ist ebenfalls die Tatsache, dass das Aiki-Jinja einige Stunden von Hikituschi Senseis Dojo entfernt liegt – er aber nicht nur anwesend ist, sondern auch einen sehr zentralen Platz innehat.

Es ist nicht ganz einfach für mich zu antworten. Denn Hikitsuchi Sensei war mein Lehrer, folglich wäre es leicht zu sagen, dass er Osensei nahe stand. Aber ich denke, es ist tatsächlich so. Es gibt weitere Situationen in denen man die Nähe zwischen Hikitsuchi Sensei und Osensei gut erkennen kann. Besonders gegen das Ende von Osenseis Leben, als er zum Beispiel das letzte Mal nach Hongu ging und Hikitsuchi Sensei ihm hilft, die Treppe hinunterzugehen, indem er ihn stützt. Auf diesem Bild kann man die Einheit zwischen ihnen erkennen: Die Blicke, die Körperhaltung; es ist etwas sehr Nahes zwischen ihnen.

Hikitsuchi Sensei schreibt 1988 im Vorwort (S. 15) zu Ihrem Buch „Aikido die Suche nach der wahren Bewegung“: « Gérard Blaize […] sticht selbst im Vergleich mit japanischen Aikidokas als Übender heraus. Dies durch seine Seriosität und seine Hingabe. »
Ist es in diesem Sinne, dass Sie auch Kototama studieren?

Also … ich kann diese Frage nicht so direkt beantworten. Hikitsuchi Sensei hat mich ganz spontan, 1984 in Basel, ein wenig im Kototama unterrichtet. Zu dieser Zeit notierte ich alles, was er unterrichtete. Ich schrieb es in ein kleines Heft. Ich habe es aufgeschrieben und anschließend versuchte ich zu verstehen, was das von ihm Gesagte bedeutete: Mit diesem Ton ist es diese Geste. Dieser Ton entspricht dieser Geste, jener Ton jener Geste. Ich studierte das eine Weile lang, verfolgte es dann während einer Zeit nicht weiter, um es dann später wieder aufzunehmen, weil ich mir bewusst wurde, dass, wenn man versucht Techniken wie Osensei sie machte, mit dem Gebrauch der Vokale des Kototamas, besser gelingen. Das Kototama umfasst in Japan 75 Töne. Im Aikido hat Osensei sie auf die fünf Vokale reduziert. Alle Vokale sind in den Aikidobewegungen enthalten. Also begann es mich zu interessieren und ich begann es zu studieren. Aber ich weiß nicht, ob ich dies tat, weil ich seriös bin oder nicht (lacht); es ist vielmehr meine Liebe zum Aikido und das Glück, das ich hatte, von Hikitsuchi Sensei den entsprechenden Unterricht zu erhalten. Zu dieser Zeit hatte ich nicht viel verstanden, doch ich hatte es aufgeschrieben. Ich hatte notiert: „Der Ton A entspricht dieser Bewegung; der Ton „O“ entspricht jener Bewegung.“ Also Alles, was uns Hikitsuchi Sensei gesagt hatte, hatte ich niedergeschrieben und als ich meinen Text wieder gelesen hatte, begann ich damit zu studieren. Danach hörte ich auf, weil ich dachte, dass es möglicherweise zu früh war. Später begann ich wieder damit und jetzt studiere ich es gründlich, weil es ein Teil des Aikidos ist. Osensei sagt ganz klar, dass Aikido Kototama ist. Folglich wollte ich dies erfahren.

© Copyright 1995-2019, Association Aïkido Journal Aïki-Dojo, Association loi 1901