Gespräch mit Motomichi Anno Senseï de Shingu en Japon.

Also, Sie bekommen es ja doch heraus, ich kannte die Frau von Hikitsuchi Sensei und ich bat sie, ihren Mann zu fragen, ob ich nicht doch schon mit dreiundzwanzig Jahren in das Dojo eintreten könnte...

M. Anno Sensei im Dojo Centre Kumano in Biel-Bienne/CH.
M. Anno Sensei im Dojo Centre Kumano in Biel-Bienne/CH.

Bevor ich hier nach Biel kam, schaute ich
ins Internet und sah, dass Sie vor zwei Jahren in Amerika einen Aikidolehrgang gaben und im Netz war auch zu lesen, dass Sie 1931 geboren sind. Wann und warum begannen Sie Aikido?

Mit dreiundzwanzig Jahren habe ich mit Aikido begonnen. Eigentlich wäre ich gerne noch früher ins Dojo gegangen, aber man durfte erst ab fünfundzwanzig Jahren eintreten. Ich hatte eine spezielle Empfehlung und wurde mit diesem Zeugnis aufgenommen.


War es eine Frage der Reife?

Es war nach dem Krieg und Budo hatte keinen guten Ruf, deshalb hat man das Eintrittsalter auf fünfundzwanzig Jahren festgelegt. Ich bin ja in das Kumano Juku Dojo von Hikitsuchi Sensei eingetreten und dort war es eine Frage der Reife, es hatte nichts mit den Amerikanern zu tun.
Für mich war damals das Wichtigste, dass ich stärker werden wollte, ich war eben sehr schwächlich. Aber ich wollte nicht nur körperlich stark werden, sondern auch mental (lacht). Ich habe dann aber schnell bemerkt, dass das nicht unbedingt die richtige Einstellung war und das KumanoJuku Dojo ist ja bekannt für seinen spirituellen Aspekt.


Warum sind Sie den Weg Aikido gegangen?

Ich habe andere Budoarten ausprobiert, aber Aikido sprach mich einfach an. Die Schule hatte einen sehr guten Ruf. Aber als ich anfing, hatte ich keine Ahnung, was Aikido genau ist.

Also, Sie bekommen es ja doch heraus, ich kannte die Frau von Hikitsuchi Sensei und ich bat sie, ihren Mann zu fragen, ob ich nicht doch schon mit dreiundzwanzig Jahren in das Dojo eintreten könnte und mit einer Empfehlung wurde ich dann aufgenommen. Ich musste aber versprechen, dass ich ihm immer folge. Ich musste mein Wort geben.

Das war auch nicht schlecht, denn man hat ja Höhen und Tiefen, und so war ich gezwungen, weiter zu machen – ich hatte ja mein Versprechen gegeben. Da kam schon einige Male der Gedanke, aufhören zu wollen, aber ich konnte Sensei nicht ins Gesicht schauen und mein Versprechen brechen. Damit konnte ich nicht leben.


Ist es üblich in Japan?

Es ist verschieden. Es gibt aber auch viele, die ein Versprechen abgeben und es dann trotzdem brechen.

In alten Zeiten hat man sich mit dem Schwert den kleinen Finger aufgeschlitzt und mit seinem »Blut unterschrieben«. Aber auch dort gab es welche, die das Versprechen gebrochen haben, obwohl es quasi mit dem Schwert geschrieben war.

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