M'barek Alaoui – Aikido in Marokko


Während des Gepräches in Agadir/Marokko.

Monsieur Alaoui, erinnern Sie sich noch, wann Sie mit Aikido in Kontakt kamen?

Ich begann im Jahre 1957.

Haben Sie nur Aikido praktiziert, oder auch andere Budoarten ausgeübt?

Ich habe in der Saison 1957/58 gleichzeitig, als ich mit dem Aikido begann, auch einwenig geboxt … seitdem, bis heute mache ich Aikido.

Wissen Sie noch wer Ihre Lehrer waren?

Meine Lehrer kamen aus dem Westen [Red.: dieses ist sprachgebräuchlich, und es ist damit der Norden (Europa) gemeint – denn im Westen gibt es nur sehr salzhaltiges Wasser], Dr. Sterxx war ein Judoka und der Arzt Dr. Martin. Außerdem Dr. Bonsara, auch aus Europa kommend. Alle machten Judo und Aikido.

Ich sah im Internet, dass einige Belgier in Marokko unterrichteten.

Ja, da war ein Monsieur Naessens aus Brüssel, sowie Georg Stobbaerts, ebenfalls aus Belgien.

1968 haben Sie dann Tamura Sensei kennen gelernt?

Im Jahre 1962 reiste Tamura Sensei, zwei Jahre bevor er nach Frankreich kam, nach Casablanca, eingeladen durch die Europäer, die hier in Marokko waren und dort lernte ich ihn kennen [nach Rücksprache mit Madame Tamura, wäre diese theoretisch möglich, es ist aber eher unwahscheinlich, da niemand das Geld gehabt hätte]. Erst 1964 reiste er mit seiner Frau nach Frankreich wo er bis zu seinem Tode, im letzten Jahr lebte (M. Alaoui bricht in Tränen aus).

Meister Naessens war vor Meister Tamura in Marokko. Ein Belgier, der aber aus Japan hierher kam. Er war ein großer Meister.
Aber auch Nakazono Sensei war in Casablanca. Ebenso Chiba Sesnei, der erst nach Marokko kam und dann nach Italien ging. Und Meister Noro kam erst nach Marokko, bevor er nach Frankreich weiter reiste, wo er noch heute lebt.

1964 habe ich von Tamura Sensei den Sho-dan des Aikikai erhalten. Ich war der erst Sho-dan in Marokko. Emilie Metzinger hat 1964 in Casablanca begonnen Aikido zu praktizieren, er war mit einer Chinesin verheiratet – später wurde auch er Aikidolehrer.
Alle diese Lehrer haben Marokko verlassen, nur ich bin geblieben und so habe ich einige tausend Aikidoka auf den Weg gebracht.
Von allen arabischen Ländern ist Marokko führend was Aikido angeht. Marokko war sogar vor Frankreich in der Organisation des Aikikai aufgenommen. Dann sind Belgien, Italien etc. vom Aikikai anerkannt worden. Tamura Sensei war der Erste, der Aikikaigrade vergeben hat.

War nicht auch ein Portugiese als Lehrer in Marokko ?

(nach längerer Überlegung) Oh ja, aber ich habe den Namen vergessen, er bekam von mir den Sho-dan – Sho-, Ni- und San-dan hat er bekommen. Ahhh, Louis, Louis hies er.
Louis war einer meiner ersten Schüler, er arbeitet im Aikidoverband von Portugal, wir haben sogar noch manchmal ein wenig Kontakt, er kommt auch seit zirka fünf oder sechs Jahren wieder nach Marokko.

Wie ging denn die Organisation weiter, nach den anfänglichen Jahren der Besuche, wie von Tamura Sensei … , wurde ein Verband gegründet, oder andersartige Vereinigungen?

Immer mit Tamura. Was vielleicht auch damit zusammenhing, dass Tamura uns Marokkaner respektierte und uns wie seine Brüder behandelte. Tamura ist 1939 geboren, und er behandelte und respektierte Gleichaltrige wie seine Brüder, Jüngere wie seine Söhne und Ältere wie seine Onkel. Er kam drei Mal im Jahr, ohne je dafür Geld von uns zu verlangen.
Er war unglaublich gastfreundlich, eben so, wie dies im Süden üblicht ist. Wir haben ihn in Marseille besucht, sowie einige seiner Lehrgänge in Frankreich besucht, wir haben immer Liebe und Freundlichkeit von ihm erfahren.
In Europa hat Tamura viel aufgebaut – in ganz Europa. Auch Christian Tissier hat von Tamura gelernt. Auch wir, hier in Marokko haben ein gutes Niveau, im Vergleich mit Europa brauchen wir uns nicht zu verstecken.
Damals haben Tamura, Pellerin und Castillon zusammen ein Grundstück, in St. Maxim gekauft und es aufgeteilt – dort hat Tamura sein Haus gebaut und lebte dort bis zu seinem Tod. Pellerin ist jetzt wohl sein Nachfolger.
Auch der Verband von Christian Tissier ist von einem Georges Benzakin, einem Halb-Marokkaner, gegründet worden – seine Mutter war Französin, der Vater Jude. Die Gründung fand in der Ära von Valéry Giscard d’Estaing statt und da Georges Bensakin Rechtsanwalt war, sorgte er für die rechtliche Grundlage des Verbandes.

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