Lahcen Abachouch

Aikido in Agadir – Marokko


Lahcen währen des Gespräches auf der hotelterrasse.

Lahcen Du machst Aikido in Agadir, in Marokko. Wie hast Du zu Aikido gefunden, was weckte Dein Interesse?

Schon als Kind habe ich mich für die asiatische Kultur interessiert, alles gefiel mir, so ist es nicht verwunderlich, dass ich eines Tages auf die Kampfkünste gestoßen bin. Direkt hinter meinem Geschäft fand ich ein Dojo, dort erklärte man mir, dass sie Aikido praktizieren. Es beeindruckte mich, es war nicht Kampf, so wie der Lehrer sprach, das war eine neue Terminologie für mich, das beeinflusste mich… so begann ich mit Aikido.

Hast Du davor eine andere asiatische Sportart kennen gelernt?

Ich habe sechs Monate in das Training des Tae-kwon-do hinein geschnuppert, es sprach mich aber nicht an.

Was war schöner, ansprechender an Aikido, weißt Du das noch?

Es lag nicht am Tae-kwon-do, nein sicher war es die gesamte Situation die mir nicht gefiel. Im Aikido hatte der Lehrer ein großes Herz, er gab sehr viel, erhielt aber wenig Dank. Die Bewegungen sprachen mich an, das wollte ich, ich fand mich darin wieder. Eine Sauberkeit, auch die Sauberkeit von Herz und Seele.

Wer war Dein erster Lehrer?

Herr Lahcen Wafiq, er ist als 4. Dan aus Casablanca gekommen, blieb zwei Jahre und hat dann „wegen seiner Frau“ die Stadt verlassen. So stand ich ohne Lehrer da und begann Aikido zu unterrichten.

Aber nach zwei Jahren hat man noch kein Aikidoniveau?

Das ist richtig, ich hatte den blauen Gurt, und habe als ältester Praktizierender die Verantwortung der Gruppe übernommen. Wenn ich die Gruppe nicht übernommen hätte, hätte sie sich aufgelöst. So bin ich zwei mal im Monat nach Casablanca gefahren, um an den Seminaren dort teilzunehmen – das sind immerhin über 500 km für eine Strecke. So habe ich als 2. Kyu angefangen zu unterrichten und nach 2 Jahren meinen Sho Dan in Casablanca gemacht.

In welchem Jahr hast Du mit dem Aikido begonnen?

1995. Durch meine Besuche in Casablanca legte ich dann 1998 den Sho Dan, 2001 den Ni Dan und 2003 den San Dan vor dem nationalen Komitee unter Alaoui Sensei ab.

Warum weiß man so wenig über die Geschichte des Aikido in Marokko und in Afrika?

Nach meiner Meinung hat Alaoui Sensei angefangen hier in Marokko das Aikido organisiert aufzubauen. Er hat viele Aikidoka ausgebildet, es gibt viele fünfte und sechste Dane in seinem Umfeld. Leider begannen aber einige wenige seiner Schüler sich gegen Alaoui Sensei zu erheben und haben ihre eigene Gruppe, ihren eigenen Verein gegründet, anstatt die Gruppe ihres Lehrers, sowie das nationale Komitee zu stärken. Wahrscheinlich ein Problem des Egos? Was sich nach meiner Meinung auch darin ausdrückt, dass sie, statt mit Aikido fortzufahren, sie z. B. Aiki-Daitoryu oder Aiki-Jujutsu „kreierten“ … So haben sie zumindest erreicht, dass Aikido in Marokko schwächer, statt stärker wurde.
So sehe ich auch einen großen Unterschied zu Europa. Ihr habt zum Beispiel Journalisten wie Dich, die über Aikido schreiben, das fehlt uns hier, die Journalisten zeigen kein Interesse am Aikido.

Aber immerhin gibt es noch das nationale Komitee, mit Alaoui Sensei an der Spitze.
Natürlich, er präsentiert Aikido in Marokko – das Komitee besteht aus seinen Schülern. Auch ich bin mittlerweile nun als vierter Dan Mitglied im nationalen Komitee.

Weißt Du zufällig wo Monsieur Alaoui Aikido lernte?

Hier in Marokko hat er bei Georges Stobbaerts begonnen. Auch war er bei vielen Senseis, hatte aber mit Tamura Sensei „neu und intensiv begonnen“. 1970, bei einem Seminar, hat Tamura ihm geholfen ein Dojo in Casablanca (Syudokan Klub ) zu gründen, das nur für das Aikido in Marokko ist.

© Copyright 1995-2019, Association Aïkido Journal Aïki-Dojo, Association loi 1901