Takeshi Yamashima Interview Sommer 2008

Viele Leute, die das Schwert nicht benutzen, lassen sich mehr durch die Technik beeinflussen und finden nicht die Mitte,…

Takeshi Yamashima - Areyns/Barcelona 2008.
Takeshi Yamashima - Areyns/Barcelona 2008.

Warum praktizieren Sie Aikido?

(Der Übersetzer bekommt einen Lachanfall)

Weil ich das interessant finde. Und je mehr ich praktiziere, desto interessanter finde ich es. Interessant, auf eine fast amüsante Weise. Das Aikido erlaubt, viele Sachen zu verstehen und jeder Zeit etwas Neues zu finden.

Im welchen Alter haben Sie angefangen zu praktizieren?

Zwischen 18 und 19 Jahren.

Und es war in diesem Alter schon interessant?

Das erste Mal, als ich Aikido machte, fand ich es wirklich spannend. Das erinnerte mich an die Spiele, die ich in meiner Kindheit gerne machte, die Kinderringkämpfe.

Haben Sie bereits zu dieser Zeit eine Änderung in Ihrem Körper bemerkt, oder ist das erst später gekommen?

Ich hatte nicht den Eindruck, dass sich sofort etwas geändert hatte. Es war eher eine sich steigernde Entwicklung.

Während des Kurses, den Sie heute gegeben haben, sprachen Sie über die körperliche Flexibilität, die Lockerheit. Arbeiteten Sie in diesem Moment bereits entspannt?

… nicht besonders, nein. Es ist eher die Art, wie man den Körper benützt, um entspannt arbeiten zu können. Es ist nicht die Flexibilität eines Akrobaten. Aber doch schon ein wenig, wenn man sich dazu anspornt, sich schult, entspannt das den Körper. Wenn man übt, wird der Körper in gewisser Weise automatisch gelockert.

In Deutschland und allgemein in Europa hat man sehr früh eine Pädagogik der Gymnastik und der physischen Erziehung entwickelt. Ich habe immer den Eindruck gehabt, dass es im Aikido keine Pädagogik gab. Ist eine Pädagogik notwendig, oder kann sie gar im Gegenteil, der Entwicklung schaden? Außerdem habe ich den Eindruck, dass die japanischen Shihans, die in den Okzident kamen, nach etwa zwanzig Jahre ihre Art und Weise des Lehrens änderten.
Wie haben Sie den Weg gefunden, um „entspannt“ zu arbeiten?

lautes Auflachen

S. Benedetti: Du hast verstanden?
Es gibt einen Unterschied zwischen Lockerheit und Entspanntheit. Er gibt die Lockerheit des Akrobaten, aber dies hat überhaupt nicht mit dem zu tun, worüber wir sprechen. Es handelt sich um ein Entspannen in der Arbeit, mehr als eine Lockerheit, oder Flexibilität des Körpers. Es gibt wahrscheinlich viele Japaner, die es schaffen, einen großen Spagat zu machen, weil sie nicht die Hüften haben, wie wir sie haben.

Yamashima: Zum Beginn neigt man unweigerlich dazu, die Hände und die Arme zu benutzen, also mit Kraft zu arbeiten, aber man muss versuchen, mit dem ganzen Körper zu arbeiten, das was man die Arbeit der Hüfte nennt. Doch man sollte nicht nur die Hüften bewegen, es ist der ganze Körper, der arbeitet; es sind nicht die Arme, welche die Bewegung ausführen, sondern die Arme folgen dem Körper.
Die Arbeit mit dem Schwert ist dafür hervorragend geeignet. Wenn man nicht entspannt ist, dann kann man es auch nicht … Wenn man mit dem Schwert arbeitet, so scheint mir, begreift man viel leichter, wie man sich entspannen kann, und wie man die Hüften einsetzt. Viele Leute, die das Schwert nicht benutzen, lassen sich mehr durch die Technik beeinflussen und finden nicht die Mitte, die man benötigt, um die Technik wirklich zu integrieren, diese nennt man die Arbeit der Hüften. Folglich bleiben sie bei der kraftvollen, muskulösen Arbeit. Man kann nicht mit den Hüften arbeiten, wenn man nicht entspannt ist, das ist unmöglich. Anderseits, wenn man die Hüften nicht richtig benutzt, wird man zwingend immer härter, weil man nicht ausgleicht, nicht kompensiert. Aber dessen muss man sich erst bewusst werden, erst danach, wenn man es erst einmal begriffen hat, wo das Problem ist, kann man seinen Körper an die Hand nehmen.

Wenn man sich nur damit beschäftigt, die Leute zu werfen, um sie dann am Boden fest zu nageln, oder zu hebeln, bringt das keine Entwicklung, das ist klar und offensichtlich. Man muss also den Inhalt des keiko von der Praxis wechseln: Lernen, sich nicht selbst mit dem technischen Aspekt der Übung zu blockieren, sondern [sich zu konzentrieren] auf ihre Zweckbestimmung: Die Arbeit der Hüften.


S.B.: Ich neige dazu, es eher mit „der Arbeit des Skeletts zu übersetzen, als mit der Arbeit der Muskeln“. Es ist nicht wortwörtlich das, was er gesagt hat, er benutzt den japanischen Ausdruck „mit den Hüften zu arbeiten“, der mehrere Bedeutungen hat.
Wo haben Sie begonnen, Aikido zu praktizieren?

An der Universität. Zu seiner Zeit waren es Arikawa Sensei und Yamada Sensei, die an der Universität die Kurse gaben.

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